Im Kampf um den Studienplatz wird die bundesweite Vielfalt bei den Abiturprüfungen zum Problem. Experten schlagen daher ein Kernabitur vor, das für mehr Gerechtigkeit sorgen soll. Doch das neue System würde nur wenig verbessern, dafür aber gewaltigen Aufwand erfordern.
Das Abitur ist eine etablierte pädagogische Marke. Es gehört zu Deutschland wie die Bratwurst und das Brandenburger Tor. Doch eine bundesweit einheitliche Reifeprüfung gibt es nicht, jedes Bundesland hat eigene Regeln, und so war es immer schon.
Bild vergrößern
Ein "Abitur - Bitte Ruhe!"-Schild vor dem Eingang der Turnhalle eines Gymnasiums in Straubing. Experten schlagen vor, ein Kernabitur in Deutschland einzuführen. (© dpa)
Anzeige
Im 19. Jahrhundert prüften die Schulen in Preußen anders als in Sachsen oder Baden. Mehr als ein Minimalkonsens ist historisch nie zustande gekommen. Im Kampf um einen Studienplatz wird diese föderale Vielfalt zum Problem. Denn von den Noten hängt ab, ob ein Bewerber den gewünschten Studiengang antreten kann.
Die Universitäten unterstellen, dass das Abitur überall gleich schwer ist. Das ist es aber nicht. Die Experten des "Aktionsrats Bildung" schlagen nun ein bundesweites Kernabitur in Deutsch, Mathematik und Englisch vor. Es soll die Reifeprüfung vergleichbarer und gerechter machen. Das mag gut klingen, macht die Sache aber sehr kompliziert.
Es würde einen zentralen Test geben, mit dem ein gewaltiger pädagogischer und administrativer Aufwand verbunden wäre. Dennoch würden daneben die herkömmlichen Prüfungen mit den Unterschieden zwischen den Ländern fortbestehen.
De facto wären die Abiturienten mit zwei völlig unterschiedlichen Prüfungsblöcken konfrontiert - und der Zugang zum Studium würde nur minimal gerechter werden. Der nationale Testtag soll nur über zehn Prozent der Abiturnote entscheiden. Statt ein ganz neues Abitur-Arrangement zu schaffen, sollten die Länder einen gemeinsamen Pool an Abituraufgaben bilden.
Jeder erinnert sich daran, wie aufreibend und fehlerhaft die Umstellung auf das achtjährige Gymnasium (G 8) war. Jede Reform des Abiturs muss jetzt sehr behutsam vorgehen.
- Schulabschluss in Deutschland Wie das Abitur gerechter werden soll 20.10.2011
- Streit um Abschlüsse Abitur soll mehr wert sein als Ausbildung 17.10.2011
- Entscheidung zu Religionsfreiheit Schulfrieden gefährdet - Muslim darf nicht beten 30.11.2011
- Stadtplan München Highlights auf der Karte 30.11.2010
- Urteil am Bundesverwaltungsgericht Richter verbieten Berliner Muslim Beten in der Schule 30.11.2011
- Lehrer mit Beamtenstatus Unterricht jetzt - Kosten später 30.11.2011
(SZ vom 20.10.2011/tina)
Debatte über Urheberrecht
Um ihre Fragen zu beantworten:
Der Administrative Aufwand ergibt sich schon durch die Auwahl der Fragen, das Finden eines gemeinsamen Termins (die Norddeutschen haben miest schon Ferien, wenn in Bayern gerade 3/4 des Schuljahres vorbei sind. Was bedeutet, dass die Bayern und Baden Wüttemberger weniger Zeit hätten den Stoff zu lernen. Auch dei anderen Ferien liegen teilweise versetzt. Die Lehrplände müssten angeglichen werden (was vielleicht nicht so schlecht wäre).
Nach den länen würde dieses Kernabitur einen weiteren Prüfungsbloch bedeuten, da die übliche Abiturprüfung davon unberührt bliebe.
Die Schulen und damit die Kinder kämpfen immer noch mit der G8-Umstellung. Da gibt es noch genug feinzujustieren. In diesem Zustand die nächste Reform draufzusatteln halte ich auch für unverantwortlich.
Wenn schon, dann richtiges Zentralabitur, aber das scheitert schon an den unterschiedlichen Ferien.
Von daher ist ein einheitlicher Fragenpool, aus dem sich jedes Bundesland für sein Zentralabitur bedient, ie wohl einfachere Variante. Schade dass Ba-Wü mit Grün-Rot sich davon wieder distanziert (warum wohl?).
Eine zusätzliche Prüfung mit geringer Wertung, aber ein Institut,dass
sich der ganzen Angelegenheit annehmen will. Nette Idee. Geld sollte
an Schulen gehen. Unterricht sollte stattfinden.Lehrer sollten ausreichend vorhanden sein.dann spart man sich feine neue Ideen
deren Nutzen fürSchulen und Schüler eher nebulös ist. Studienzugang benötigt ausreichend ausgestattete Hochschulen und
nicht ausgedünnte Lehrkörper und überfüllte Seminare.insgesamt
mutet die Idee mit der Zusatzprüfung wie Goldschürfen an. überflüssig .
.... das Kernabitur oder besser das Zentralabitur gibt es schon. Alle deutsche Schulen weltweit im Ausland (und das sind nicht wenige) schaffen einen einheitlichen Lehrplan nur im Inland werden die Schülerinnen und Schüler benachteiligt.
Es ist ein Länderanachronismus in Deutschland, dass es 16 verschiedene Abitur, 16 verschiedene Realschulabschlüsse und Hauptschulabschlüsse gibt. In Wirklichkeit geht es doch darum, dass viele politische Ämter überflüssig würden und mancher Spezl nicht mehr als ein Scheinminister für Kultus (manche sogar mit gefälschtem Doktortitel) alimentiert werden könnten, wenn Deutschland auf einmal einheitliche Schulabschlüsse haben sollte.
Wir reden über Griechenland und haben den eigenen Wasserkopf unzähliger Landesminister im Land. Die neurotische Profilsucht mancher Länderpolitiker, die durch sog. Förderalismusreformen sogar noch Auftrieb bekamen, geht klar zu Lasten der Menschen in Deutschland, vor allem wenn sie sich beruflich von Bundesland zu Bundesland bewegen müssen und Familie haben.
Man könnte dann ja auch nicht mehr so herablassend über die Abschlüsse der anderen Bundesländer reden, wenn plötzlich überall die gleiche Prüfung praktiziert wird. Es ist der Teil eines Länder-Anachronismus an den sich niemand traut, weil so viele Alimentationen und Pfründe Einzelner zu Lasten Vieler daran hängen.
Die Wählerinnen und Wähler müssen richtig durch auf ihre Wahlkreisabgeordneten machen. Erst wenn die Angst haben nicht mehr gewählt zu werden, dann bewegt sich was.
Einheitliche Bildungsabschlüsse in Deutschland und Europa liegen im Interesse der Menschen. Eine Dreistheit, dass darüber immer noch grundsätzlich diskutiert wird und keine Lösung in Sicht ist.
Ja, warum nicht?? Irgendwie habe ich Ihren Artikel nicht verstanden. Da ist von einem administrativen Aufwand die Rede, wo lediglich harmonisiert werden müßte. Da wird von "völlig unterschiedlichen Prüfungsblöcken" geredet, ohne Andeutung darüber, was denn da so unterschiedlich sein sollte. Da wird auf die G8-Umstellung verwiesen, so als sei diese weißgott schlechte Umstellung ein gutes Argument gegen ein Kernabitur. Vielleicht sollte der Autor seinen Artikel doch noch einmal lesen...