Diplom nach 63 Semestern Endlich Ingenieur!

Die Hochschule Köln-Deutz hat einen Langzeitstudenten weniger: Werner Kahmann hat sein Studium erfolgreich beendet und ist diplomierter Versorgungstechniker - nach 63 Semestern.

Interview: Anja Perkuhn

Als Werner Kahmann mit dem Studium beginnt, ist Willy Brandt noch deutscher Bundeskanzler, AC/DC gründen sich, und man debattiert über die Watergate-Affäre. Seit diesem Sommer hat die Hochschule Köln-Deutz nun einen Langzeitstudenten weniger: Kahmann, 61, ist endlich fertig mit dem Studium und darf sich nach 63 Semestern "Ingenieur für Technische Gebäudeausrüstung" nennen.

SZ: Herr Kahmann, herzlichen Glückwunsch zum Diplom! Jetzt geht's los ins Berufsleben?

Werner Kahmann: Danke. Ich hab aber schon immer gearbeitet. Deshalb hat es auch so lange gedauert mit dem Abschluss.

Ein Studentenjob?

Ich hab als Ingenieur gearbeitet und als technischer Zeichner. Auch wenn ich kein Ingenieur war, arbeite ich doch seit 1978 selbständig, da ging das.

Ist dann so ein Zettel wie ein Diplom überhaupt noch aufregend für Sie?

Ja, das war schon nicht schlecht. Ich habe 1973 angefangen, war drei Mal exmatrikuliert und wieder immatrikuliert, da war es jetzt schon gut, dass ich es geschafft habe.

Auf Ihrem Studentenausweis steht eine sechsstellige Matrikelnummer - inzwischen haben die acht Stellen.

Ja, die 151171. Der Ausweis, der kommt schön abgeheftet in den Ordner, in dem ich auch alle meine Scheine gesammelt habe. Das hat mich gerettet, dass ich nie was wegwerfe. Eigentlich gibt es den Diplomstudiengang in Köln ja seit zwei Jahren nicht mehr. Aber ich habe insgesamt 68 Prüfungen gemacht, obwohl ich eigentlich nur 35 hätte machen müssen, und die Scheine sind jetzt zusammengeworfen worden, damit das mit dem Diplom noch klappt.

Wieso hat das überhaupt so lange gedauert? Hatten Sie Angst, fertig zu werden?

Heute denke ich mir: Wäre ich nach Köln gezogen, hätte ich mein Studium einfach durchgezogen. Aber in Siegburg hatte ich meinen Fußballverein, meine Kegelmannschaft, damals auch noch meine Freundin, also bin ich gependelt.

Aber daran allein lag es ja wohl nicht.

Nein, ich habe mir auch einmal beim Fußball das Bein gebrochen und musste anderthalb Jahre pausieren. Und 1984 wurde meine Tochter geboren, da habe ich eine Auszeit genommen und mich später wieder eingeschrieben. 2004 habe ich mich exmatrikuliert, weil die Studiengebühren kamen. Als die 2011 aufgehoben wurden, habe ich mich direkt wieder angemeldet.

Haben Sie zwischendurch nicht mal überlegt, hinzuschmeißen?

Nee, nee. Ich hab nur einmal kurz den Studiengang gewechselt zum Umweltschutz, lange bevor es die Grünen gab. Aber das war nicht das Richtige, da bin ich in einem Fach immer wieder durchgefallen. Also bin ich wieder zurück zur Versorgungstechnik.

Mit wie vielen Menschen auf dem Campus sind Sie inzwischen per Du?

Mit keinem. Aber beim Sommerfest der Hochschule konnte ich dem Herrn Köhler, der schon Professor war, als ich angefangen habe, endlich sagen: Herr Köhler, ich habe Sie schon damals nicht verstanden - und ich verstehe Sie heute auch noch nicht.

Das kann man studieren? Kennen Sie sich aus in den Orchideenfächern? Machen Sie den Test!

30 Jahre lang konnten Sie zum Studentenpreis ins Kino.

Und ab nächster Woche muss ich wieder für den Bus zahlen. Im Zoo muss ich auch wieder Vollpreis zahlen seit dem 1. September, das ist schon der Nachteil am Ende vom Studium.

. . . aber das stürzt Sie jetzt finanziell nicht in den Ruin.

Nein, nein, das geht schon.

Sie haben eine Tochter. War für sie Studieren nie ein Thema?

Sie hat mich gerade gestern angerufen und gesagt: Papa, jetzt habe ich mich entschieden, dass ich auch studiere. Sie ist jetzt 27 und hat einen Superjob.

Das klingt ja vertraut. Was haben Sie ihr geraten?

Dass sie es einfach durchziehen soll.