Die Zukunft der Arbeit Arbeitnehmer, wappnet Euch

Keine Sorge, die Jobs gehen uns nicht aus. Doch die Berufswelt wird sich stark verändern. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Klaus F. Zimmermann, erklärt wie.

Zehn Thesen.

Deutschland geht mit einem solchen Vorsprung aus der globalen Krise hervor, dass bereits von einem neuen deutschen Jobwunder die Rede ist. Wird dieser Vorsprung genutzt, ist in den kommenden Jahren sogar wieder Vollbeschäftigung möglich - mit einer Arbeitslosenquote unter vier Prozent. Doch die Erwerbsgesellschaft der Zukunft wird von sehr unterschiedlichen Trends bestimmt.

1. Aus dem Mangel an Jobs wird ein Mangel an Arbeitskräften

Nicht mehr die Knappheit an Kapital, sondern an personellen Ressourcen bestimmt mehr und mehr die Wachstumsperspektiven der Unternehmen. Bis zum Jahr 2025 geht das Potential der Erwerbsfähigen um 3,6 Millionen auf 41,1 Millionen Menschen zurück. Schon 2015 fehlen in Deutschland etwa drei Millionen Arbeitskräfte - nicht nur Hochqualifizierte wie Naturwissenschaftler oder Ingenieure, sondern ebenso Handwerker.

2005 gab es noch zwölf Millionen Schulabgänger. Bis 2020 sinkt diese Zahl auf weniger als zehn Millionen. Immer mehr Ausbildungsplätze bleiben leer. Verschärft werden diese Engpässe dadurch, dass mehr Menschen auswandern als einwandern. Die Konsequenz: Gebraucht werden ein internationales Personalmarketing und ein attraktives Deutschland- Bild, das junge Leute aus aller Welt für Ausbildung, Studium und Beruf anlockt.

2. Multikulturelle Belegschaften forcieren die Innovation

Heute stammt jeder fünfte Einwohner hierzulande aus einer Migrantenfamilie. Der Arbeitsmarkt von morgen wird noch internationaler sein. Wenn sich Deutschland - endlich - für einen nach dem Bedarf gesteuerten Zuzug von Fachkräften entscheidet, lässt sich das Inlandsprodukt bis zum Jahre 2020 um bis zu 100 Milliarden Euro steigern. Schon heute stützen Zuwanderer in Deutschland die Sozialsysteme, indem sie mehr einzahlen, als sie zurückerhalten. Ebenso stabilisieren sie bereits heute Beschäftigung und Wachstum: Sie erfüllen nämlich Jobprofile, die hierzulande entweder fehlen oder zu denen deutsche Arbeitnehmer nicht bereit sind. Multiethnisch aufgestellte Unternehmen, in denen Zuwanderer den betrieblichen Alltag durch ihre Erfahrungen ergänzen, gehören zu den Gewinnern. Denn ihre offenere Firmenkultur ist förderlich für Innovationen.

3. Das Wachstum der Zukunft ist weiblich

Bis zu 2,4 Millionen Frauen könnten bei einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf zusätzlich für den Arbeitsmarkt gewonnen werden. Denn in Deutschland arbeiten überdurchschnittlich viele Frauen nur in Teilzeit. Wenn das Potential an weiblichen Arbeitskräften voll ausgeschöpft würde, so würde dies unser Bruttosozialprodukt um neun Prozent steigern. Unternehmen mit hohem Frauenanteil im Top-Management sind schon heute bei Produktivität und Motivation erfolgreicher.

Karriere, wir kommen

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