In China gibt es 1,3 Milliarden Konsumenten - und viel zu tun für PR-Berater.
(SZ vom 17.5.2003) Gut möglich, dass Katja Schröder in diesen Tagen mit einer Mullbinde vor Mund und Nase in Kunden-Meetings sitzt. Die Büros der Public-Relations-Beraterin liegen in Peking, Hongkong und Singapur, und genau da wütet die Lungenseuche SARS. Wer nicht unbedingt muss, bleibt anderen Menschen fern. Aber das kann sich Katja Schröder nicht leisten. Sie baut seit einem Jahr im Auftrag der amerikanischen Agentur Ruder Finn den High-Tech-PR-Bereich für den chinesischen Markt auf, und dazu braucht sie genau das, was Einheimische und Ausländer in China zur Zeit meiden wie die Pest: Öffentlichkeit.
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"Ohne Beziehungen und Networking läuft kein Geschäft", sagt Katja Schröder. (© )
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"Ohne Beziehungen und Networking läuft kein Geschäft", sagt sie lakonisch und schiebt die Begründung gleich hinterher: "Die PR-Branche ist nicht so entwickelt wie in den USA und in Deutschland, aber das ändert sich ganz schnell. Außerdem ist das Arbeitsleben hier weit teamorientierter als in den USA und Deutschland." Virus hin, Seuche her - Katja Schröder muss unter die Leute. Von einem Top-Manager kann die Company das schließlich erwarten. Auch wenn der Vice President weiblich und erst 32 Jahre alt ist. Just business.
Nirgendwo sonst kann man so rasch Karriere machen wie in der Welt der Public Relations. Vielleicht noch in der High-Tech-Branche, und das ist - gute Nase - auch Schröders Welt. Nach ihrem Abschluss an der Ecole des Hautes Etudes in Communication et Information in Paris setzte sie an der Freien Universität Berlin noch einen Master in Kommunikationswissenschaft drauf. Schon während des Studiums fing sie Feuer für die Öffentlichkeitsarbeit und jobbte hier und da, bekam als Freiberuflerin interessante Projekte und schlug 1998 ihre Zelte in der Agentur-Hochburg New York auf.
No problem
In ihrem letzten Job bei Ruder Finn in New York hatte sie sich auf Kommunikation für Technologiefirmen spezialisiert. Ein paar Auszeichnungen, ein paar preisgekrönte Kampagnen, Erfolg beim Pitchen um die PR-Etats und gute Beziehungen zu den Kunden brachten sie ins Gespräch. Knapp zwei Jahre nach ihrem Antritt bei Ruder Finn und vier Jahre nach ihrem Start in New York kam das Angebot, als Expatriate für die Agentur nach China zu gehen und die Kunden im asiatisch-pazifischen Raum zu betreuen. Irgendwann im Dezember 2001 saß sie im Flugzeug mit Destination Peking.
Bei der Ankunft verstand Katja Schröder kein einziges Wort Chinesisch. No problem, dachte sie, in den Agenturbüros wird Englisch gesprochen. Und diese Sprache beherrscht sie inzwischen fast besser als ihre Muttersprache, neben Französisch, ein bisschen Spanisch, Urdu und Mandarin. "Nach der Arbeit nehme ich Privatstunden", erzählt Katja Schröder, "ich spreche jetzt eine Art Überlebenssprache und bekomme damit alles, was ich brauche, und ich komme überall hin, wo ich hin will."
Längst haben sich die Menschen in Peking an die vielen westlichen Touristen und Geschäftsleute gewöhnt, die von überall her in die boomende Stadt drängen. Aber Chinesen sind neugierig. Deswegen ist die Frage nach der Nationalität der am Tisch gegenüber oder auf der Rückbank des Taxis sitzenden Langnase eine beliebte Gesprächseröffnung. "Deutsche genießen in China ein gutes Ansehen", meint Katja Schröder. "Taxifahrer zeigen immer mit dem Daumen nach oben, wenn ich sage, dass ich deguo, also deutsch, bin."
Wenig Platz, viel Freizeit
Rund 1500 deutsche Unternehmen haben sich bis heute in China mit einer Tochtergesellschaft oder zumindest einer Repräsentanz angesiedelt. Fast immer wird ein Manager aus Deutschland entsandt, der sich dann vor Ort seine Mitarbeiter aus deutsch- oder englischsprachigen Chinesen rekrutiert. Auf der Webseite der Auslandshandelskammer in Peking führt ein Link zu Stellenangeboten an Verwaltungsmitarbeiter - fast alle freilich in chinesischen Schriftzeichen, weil sich die Unternehmen darüber auch an einheimische Fachkräfte wenden. Es gibt wesentlich mehr Chinesen, die Deutsch und Englisch sprechen, als Deutsche, die Mandarin beherrschen. Zumindest die rudimentäre Kenntnis der Landessprache wird in allen Unternehmen, in denen Englisch nicht die Company's Language ist, auf allen Ebenen gefordert.
Anders als noch vor wenigen Jahren wohnen Chinesen und Ausländer heute nicht mehr in streng voneinander getrennten Wohnbezirken - jedenfalls in der Theorie. In Wirklichkeit scheuen die Ausländer Wohnviertel mit überwiegend chinesischer Bevölkerung, doch meist nur wegen der schlechten Bausubstanz, den niedrigen Decken und der geringen Wohnqualität. "Die meisten Ausländer ziehen moderne Apartmenthäuser oder renovierte Altbauwohnungen vor und zahlen entsprechende Mieten", sagt Katja Schröder. Das kennt sie allerdings schon von New York. Der Ausweg: "Man lernt, mit weniger Raum auszukommen und unternimmt viel außerhalb der Wohnung mit Freunden."
Dafür gibt es Freizeit genug. Neben dem gesetzlich vorgeschriebenen Jahresurlaub von fünfzehn Tagen kennt man in China so genannte öffentliche Urlaubstage, eine Art landesweite Betriebsferien. Um den 1. Mai und den 1. Oktober sowie zum chinesischen Neujahrsfest im Februar schließen alle Büros im Lande für sieben Tage, damit die Mitarbeiter ihre oftmals viele Flugstunden entfernt wohnenden Verwandten besuchen können. Zum Ausgleich wird am Wochenende davor oder danach gearbeitet. China hat eben sein Herz für die Unternehmer entdeckt.
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