Viele Reformideen, kaum Hoffnung: Der Niedergang der Hauptschulen lässt sich nicht aufhalten.
Nicht nur Spitze, ach was. Bayern sei "Weltspitze", jubelte Ministerpräsident Edmund Stoiber, als vor anderthalb Jahren die Ergebnisse des zweiten Pisa-Tests bekannt wurden. Und seine CSU-Parteifreunde stimmten sogleich ein in den Lobgesang auf die bayerische Bildung. Zu verdanken hatten sie das vor allem den Hauptschülern. In anderen Bundesländern ist die Hauptschule zu einer Restschule mit miserablen Lernerfolgen verkommen, aber im Freistaat besuchen sie mehr als ein Drittel der Kinder. Einige von ihnen seien besser als anderswo die Realschüler, betonen CSU-Politiker seitdem stets. Dabei wissen sie längst, dass dies immer seltener der Fall ist. Denn auch die bayerische Hauptschule ist ein Auslaufmodell.
Gymnasium oder nicht? Schon mit zehn werden die Weichen für das spätere Leben gestellt. Freiwillig bleibt keiner in der Hauptschule. (© Foto: ddp)
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Albert Schindlbeck hat miterlebt, wie sich das Klima in der Gesellschaft geändert hat, in der nur noch das Wissen zählt und in der die Wertschätzung für praktische Fähigkeiten verloren ging. Wie die vierstufige durch die sechsstufige Realschule ersetzt wurde. Und wie sich der Druck in der Grundschule erhöhte, da sich nun schon für zehnjährige Kinder entscheidet, was später einmal aus ihnen wird. Schindlbeck ist Konrektor der Volksschule in Freudenberg, einer kleinen Dorfschule in der Oberpfalz. Die meisten Schulabgänger finden hier noch eine Lehrstelle. Freiwillig an der Hauptschule bleiben will trotzdem keiner mehr. "Die Hauptschule ist ausgelaugt", sagt Schindlbeck, "denn sie ist zum Makel geworden, und niemand will sich als Verlierer abstempeln lassen."
In der Stadt ist die Lage nicht weniger schwierig - aber anders. In München-Neuperlach zum Beispiel, wo triste Betonbauten die Albert-Schweitzer-Hauptschule umrahmen. 75 Prozent der Schüler tragen hier ausländische Namen. Viele werden von den Eltern vernachlässigt, manche auch misshandelt, arm sind sie fast alle. Die Hälfte der Familien lebt von Hartz IV. Wenn es den Lehrern an solchen Schulen überhaupt gelingt, die Kinder zu erreichen, wird die Schule schnell zur Ersatzfamilie. "Ich war früher kein Freund von Ganztagsschulen", sagt Rektor Rudolf Wenzel, "aber heute ist sie die einzige Chance, um die Kinder unserer Gesellschaft aufzufangen."
Keine Hauptschule in Bayern ist wie die andere, doch alle unterliegen mehr oder weniger einem Trend: In der Stadt werden sie zum Sammelbecken für die Unterschicht, auf dem Land gehen die Schüler aus. In den vergangenen zehn Jahren wurden in Bayern 486 Hauptschulstandorte geschlossen, das ist ein Drittel. Im kommenden Jahr stehen weitere 200 vor dem Aus. Die Lokalpolitiker protestieren, schicken Petitionen aus Oberfranken, Niederbayern, Schwaben und der Oberpfalz an den Landtag: Vom Erhalt der Schule hänge das Schicksal ihrer Gemeinde ab.
In München hört man diese Hilferufe wohl, Hoffnung macht man aber keine. "Die verbleibenden tausend Hauptschulen werden nicht alle erhalten bleiben können", stellt Kultusminister Siegfried Schneider klar. Denn er kennt die Prognosen: Von 280.000 Hauptschülern in Bayern werden bald nur noch knapp 200.000 übrig sein, grenznahe Regionen werden bis zu 30 Prozent ihrer Schüler verlieren. Schneider plant zwar eine Rettungsaktion und will die Hauptschule zu einer stärker berufsorientierten Schule weiterentwickeln, doch gleichzeitig zieht er schon mal Lehrer ab. Etwa tausend Stellen sollen in den nächsten zwei Jahren wegfallen.
Von solchen Rettungsaktionen hält Ernst Rösner nichts. Der Dortmunder Professor erforscht Schulstrukturen. Seine Beobachtung: Alle Versuche der vergangenen zwei Jahrzehnte, die Hauptschulen besser zu machen, konnten den Niedergang der Schulform nicht aufhalten. Weder starke Berufsorientierung, Ganztagesmodelle noch kleinere Klassen schufen Abhilfe. "Die Eltern werden die Hauptschule abschaffen - auch in Bayern", prophezeit Rösner.
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Diskussion um Leinenpflicht für Hunde
Als Lehrer an der Fachoberschule leide ich seit einigen Jahren mit den zahlreichen Hauptschülern des M-Zugs, die mit der mittlerern Reife an die Fachoberschule kommen.
Etwa 20% der M-Zug-Schüler überstehen die Probezeit. Die meisten sind nach den ersten Wochen frustriert. Ihnen wurde ein mittlerer Bildungsabschluss zugesprochen, der in der Realität nicht hält, was er auf dem Papier verspricht.
Sie fragen sich selbst, ob Ihnen die Politik damit einen Gefallen getan hat.