Einer der das offensichtlich nicht tut, ist Vorzeige-Schwabe und Ex-Ministerpräsident Günther Oettinger, ein "sprachlicher Albtraum", wie Willikonsky findet. Er selbst gab ihr da beinahe recht, als er einmal sagte: "Ich weiß, für jeden Sprachtrainer bin ich ein interessanter Fall. Ich rede zu schnell und oft auch zu abgehackt. Dazu kommt mein schwäbischer Dialekt, der meine Worte nicht gerade melodiöser klingen lässt. Fürs Fernsehen ist das noch verbesserungsfähig."

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Hilfe bei Willikonsky suchte er nicht - anders als viele seiner schwäbischen Kollegen aus der Regionalpolitik. Bei Willikonsky lernen sie innerhalb eines Tages die Regeln korrekten Hochdeutschs - in eigens für Schwaben konzipierten Kursen. "Es bringt nichts, Bayern, Schwaben und Sachsen in einem Kurs zusammenzuwerfen. Die müssen komplett anders an ihrer Sprache feilen", sagt Willikonsky. "Das rollende R ist für die Schwaben völlig unwichtig, aber Bayern müssen vielleicht gerade daran arbeiten." Deshalb gibt es für jede Mundart inzwischen einen eigenen Hochdeutsch-Kurs.

Dialekt macht menschlich

Den Dialekt nehmen will Willikonsky dabei niemandem. Manche Geschäfte, vor allem auf dem Land, ließen sich nur abschließen, wenn man die Sprache seines Gegenübers spreche und bayerische CSU-Politiker ohne Dialekt hätten kaum eine Chance, räumt sie ein. "Auch innerhalb eines Vortrags wirkt es sympathisch, zwischendurch mal einen Satz im Dialekt fallen zu lassen, das macht menschlich", sagt sie.

Geht es aber um Vorstellungsgsgespräche, fühlen sich viele Bewerber unwohl, wenn sie auf Hochdeutsch nicht so frei agieren können, wie ihnen das in ihrem Dialekt möglich ist. "Wenn ich mich zu sehr auf die Sprache konzentrieren muss, vernachlässige ich den Inhalt und wirke unnatürlich", beschreibt die Sprecherzieherin das Problem. In solchen Fällen ist die "innere Zweisprachigkeit", wie Sprachforscher Hundt sie nennt, hilfreich.

Vorbild: Harald Schmidt

Beliebtes Vorbild: Harald Schmidt. "Viele meiner Kunden wollen wie er spielerisch zwischen klarem Hochdeutsch und Dialekt wechseln können", sagt Willikonsky. Professionelle Hilfe beim Training nehmen vor allem Führungskräfte gerne an. Drei Hochdeutschkurse im Monat bietet die Sprecherzieherin im Durchschnitt an. Inzwischen auch online. Das wäre auch aus Brüssel eine Alternative für Günther Oettinger.

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  1. Bairisch hui, Sächsisch pfui
  2. Sie lesen jetzt Günther Oettinger - ein "sprachlicher Albtraum"
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(sueddeutsche.de)