Nur jeder achte Beschäftigte ist zufrieden mit seinem Arbeitsplatz: Laut einer Studie des DGB findet fast ein Drittel der Befragten den eigenen Job "mangelhaft".
In Deutschland ist einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zufolge nach wie vor nur jeder achte Arbeitnehmer mit seinen Arbeitsbedingungen zufrieden. Die Beurteilung hat sich aber binnen Jahresfrist leicht gebessert.
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Besonders mit dem Einkommen sind laut der Studie viele Beschäftigte unzufrieden: Von 15 abgefragten Kategorien gab es hier den schlechtesten Wert. (© Foto: iStock)
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Verzerrtes Bild?
DGB-Chef Michael Sommer warnte davor, dies bereits als langfristigen Trend zu werten. Nach seiner Einschätzung ziehen "prekär Beschäftigte fast überall den Kürzeren". Wirtschaftsverbände kritisierten, die Gewerkschafts-Studie liefere ein verzerrtes Bild der Arbeitswirklichkeit.
Die Studie "DGB-Index Gute Arbeit" basiert auf einer Umfrage unter 6800 Beschäftigten. 13 Prozent von ihnen beschreiben ihre Arbeitsplätze "als umfassend positiv". 55 Prozent liegen im Mittelfeld. Fast ein Drittel der Arbeitsplätze fällt in die Kategorie "mangelhaft".
Abgefragt wurden 15 Kategorien. Den schlechtesten Wert gab es beim Punkt "Einkommen". Michael Sommers Fazit: "Die Leute fühlen sich schlecht bezahlt."
Im Vergleich zur letzten Umfrage 2007 fielen die Bewertungen allerdings etwas besser aus: Der Anteil "guter" und "mittelmäßiger" Arbeit hat sich dem Vorjahr gegenüber um jeweils einen Prozentpunkt erhöht, der Anteil "schlechter Arbeit" ging um zwei Punkte auf 34 Prozent zurück.
Nach der Studie hat weniger als die Hälfte der Beschäftigten ein unbefristetes Arbeitsverhältnis. "Prekär" beschäftigt ist, wer nur befristet angestellt oder in Zeitarbeit ist und brutto weniger als 2000 Euro monatlich verdient. In dieser Gruppe beurteilten nur neun Prozent ihre Arbeit als "gut". 41 Prozent hätten "schlechte Arbeit".
Prekäre Beschäftigung kein Randphänomen
Prekäre Beschäftigung sei "längst kein Randphänomen" mehr und habe negative Auswirkungen "auf alle gesellschaftlichen Bereiche", sagt Sommer: "Wer setzt Kinder in die Welt, wenn der Arbeitsvertrag in ein paar Monaten ausläuft?
Und wer macht größere Anschaffungen, wenn nicht klar ist, wie lange noch regelmäßig Geld reinkommt?" Der DGB-Chef fordert in diesem Zusammmenhang erneut einen gesetzlichen Mindestlohn von mindestens 7,50 Euro und die umgehende Aufnahme der Zeitarbeitsbranche in das Entsendegesetz.
Der "DGB-Index Gute Arbeit" erreichte 59 von maximal 100 möglichen Punkten (2007: 58 Punkte). Er liegt damit 21 Punkte unter den Anforderungen an "gute Arbeit", aber nur neun Punkte oberhalb der Grenze zu "schlechter Arbeit".
Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) hält die Arbeitsbedingungen in Deutschland dageben durchweg für gut. Dies zeigten repräsentative Studien neutraler Auftraggeber.
Die BDA kritisiert, in die DGB-Studie seien Sachverhalte eingeflossen, "die im wesentlichen nicht oder nicht allein im Einflussbereich der Unternehmen lägen, wie zum Beispiel die Angst der Mitarbeiter vor Arbeitslosigkeit".
Der Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, Franz-Josef Möllenberg, weist den Vorwurf der Arbeitgeber zurück, die Gewerkschaften seien "Schwarzmaler" und lieferten mit dem Index ein falsches Bild der Arbeitswelt.
Der DGB zeichne "kein Zerrbild", sagt Möllenberg. Metall-Arbeitgeberpräsident Martin Kannegiesser aber nennt die Gewerkschaftskritik an Zeitarbeit und befristeten Stellen unberechtigt. Diese "modernen Beschäftigungsformen" sicherten den Betrieben Flexibilität und vielen Menschen den Einstieg in reguläre Arbeit.
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(SZ vom 5.7.2008/dpa/mei)
Debatte über Urheberrecht
Es vergeht keine Fernsehdiskussion, zuletzt gestern bei Anne Will, in der nicht auf den Rückgang der Arbeitslosigkeit verwiesen wird und dem Seitenhieb: Für diese 1,5 Millionen ist der Aufschwung angekommen. Eine üble Verdrehung der Wirklichkeit, denn der neue "Arbeitsplatz 08" ist in der Regel schlechter dotiert als der vor 10 Jahren, ist meist ein 1-Euro-, oder 400 Eurojob, eine ABM-Maßnahme oder ein Zeitarbeitsjob.
Früher nannte man prekäre Arbeitsverhältnisse schlicht Taglöhner. Kaum eine Bank gibt heute diesen Bedauernswerten einen Kredit, bald kein Vermieter mehr ohne zusätzliche Sicherheit eine Wohnung. Quasi wie den Knechten und Mägden vor 200 Jahren ist ihnen eine Familiengründung verwehrt. Deutschland zurück in die Vergangenheit? Ist das die neue soziale Marktwirtschaft?
Die Wahrheit brächten zwei Zahlen ans Licht: Was haben alle unselbständig Beschäftigten insgesamt vor 10 Jahren verdient und was verdienen sie heute? Wie hoch waren die Einkommen aus Gewinn und Vermögen vor 10 Jahren und wie hoch sind sie heute?
Diese Zahlen hätten soziale Sprengkraft. Die dafür verantwortlichen Politiker können froh sein, dass es in Deutschland keine Pumpguns frei zu kaufen gibt.