Von Thorsten Denkler, Berlin

Wer über seinen Job jammert, hat jetzt die Statistik auf seiner Seite. Die Deutschen sind im Schnitt unzufrieden mit ihren Jobs. Jeder Zweite arbeitet unter prekären Bedingungen.

Manchmal fragen die Freunde: "Und? Läufts gut im Job?" Gerne wird dann lamentiert, über Kollegen gelästert, der Chef zum größten freilaufenden Idioten erklärt. Und dass das alles durchaus erträglich wäre, wenn wenigstens die Bezahlung stimmen würde und nicht ständig so viele Überstunden anfallen würden.

Frust im Job; iStock

Und? Läufts gut im Job? - Gerade mal 13 Prozent der Beschäftigten können dem zustimmen. (© Foto: iStock)

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So sind die Deutschen, könnte man meinen. Sie jammern halt gerne. Und doch scheint mehr als nur ein Fünkchen Wahrheit hinter dem Gemotze zu stecken.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat am Morgen in Berlin eine Studie vorgestellt, die das allgemeine Genöle auf eine empirisch abgesicherte Grundlage stellt. Die zweite Ausgabe des DGB-Index "Gute Arbeit" kommt zu Ergebnissen, die Wasser auf die Mühlen derer sein dürften, die schon immer wussten, dass etwas schiefläuft im Land.

Die repräsentative Befragung von 6800 Menschen deutschlandweit hat zum einen ergeben, dass jeder Zweite unter sogenannten prekären Bedingungen dem Broterwerb nachgeht. Und zum anderen, dass sich die Beschäftigten überwiegend unwohl fühlen am Arbeitsplatz.

Zu wenig Bezahlung, keine Entwicklung

Nach dem Index erreichen die Deutschen in ihrer Zufriedenheit mit dem eigenen Job einen Punktwert von 59 auf einer Skala von null bis 100. Heißt: Der durchschnittliche Arbeitsplatz eines Beschäftigten in Deutschland ist mittelmäßig attraktiv, nicht unbedingt belastend, aber auch kaum mit Entwicklungschancen verbunden. Bezahlt wird nach dem Empfinden der Befragten eher zu wenig.

In Prozenten ausgedrückt ergibt sich folgendes Bild: Gerade mal 13 Prozent der Beschäftigten beschreiben ihren Arbeitsplatz als umfassend positiv. Das ist übrigens unabhängig von der Art der Beschäftigung. Auch ein Maurer kann seinen Job Klasse finden, wenn das Umfeld stimmt.

Dagegen müssen 32 Prozent der Jobs "als mangelhaft beschrieben werden", sagt DGB-Chef Michael Sommer. Heißt: undankbares Umfeld, hohe Belastung, Unterbezahlung.

Nicht überraschend: Wer prekär beschäftigt ist, ist eher unzufrieden mit seinem Job. Als prekär definiert der DGB Jobs in der Zeitarbeit und/oder befristete Arbeitverhältnisse bei denen nicht mehr als 2000 Euro Brutto verdient werden.

Wer zu diesen Konditionen arbeitet, ist übrigens längst nicht mehr Teil einer Randgruppe. Laut der DGB-Studie arbeiten gerade noch 47 Prozent der Beschäftigten mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag und verdienen mehr als 2000 Euro.

Einer, der diese Jammerei gar nicht mehr ertragen kann, ist Martin Kannegießer, Chef der Metall-Arbeitgeber. Er wirft den Gewerkschaften heute im Handelsblatt vor, ihnen sei die Arbeit, die die Wirtschaft in den vergangenen Jahren geschaffen habe, "nicht gut genug", weder hinsichtlich der Sicherheit, noch hinsichtlich der Arbeitsinhalte, noch der Bezahlung. Sie hätten "über die Arbeitswelt in Deutschland einen dunkelgrauen Schleier gelegt". Da seien "Zweck-Schwarzmaler" am Werk.

Ein Urteil über die Studie hat er auch schon im Köcher: tendenziös, methodisch unseriös. Der DGB-Index zeichne "ein Zerrbild und solche Zerrbilder sind gefährlich, weil auf ihrer Basis Entscheidungen getroffen werden, die in die falsche Richtung laufen".

Nun, wie gesagt, die Studie ist heute erst erschienen. Kannegießer müsste schon sehr gute Verbindungen zum DGB haben, um schon gestern, als er seinen Text für das Handelsblatt geschrieben haben dürfte, die Studie in den Händen gehabt zu haben. Aber jammern ohne Grundlage scheint eine gewohnte Übung der Arbeitgeber zu sein.

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(sueddeutsche.de/cag)