"Kann man dem österreichischen Steuerzahler zumuten, dass er universitäre Infrastruktur zur Verfügung stellt für weite Teile Mitteleuropas, die jetzt unser Land überfluten, weil wir gratis Studienplätze zur Verfügung stellen?", fragt der Innsbrucker Rektor Karlheinz Töchterle, an dessen Institution rund 3000 Deutsche eingeschrieben sind. Töchterle und andere Uni-Vertreter fordern, Deutschland müsste Ausgleichszahlungen leisten, wenn Österreich so viele Deutsche aufnehme. In Skandinavien seien Ausgleichleistungen seit langem üblich.
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Der christsoziale Wiener Wissenschaftsminister Johannes Hahn ist jedoch dagegen: Da viele Österreicher auch im Ausland studierten, sehe er eine eher ausgeglichene Bilanz, weshalb solche Forderungen wenig sinnvoll seien. Auch das Bundesbildungsministerium in Berlin weist Forderungen nach Ausgleichszahlungen zurück. Sie seien nicht mit dem EU-Recht vereinbar; wenn es einen Ausgleichsmechanismus gäbe, müsste dieser auch für andere Länder gelten. Und Zulassungsbeschränkungen speziell für deutsche Bewerber verstießen gegen EU-Recht, sagte eine Ministeriumssprecherin.
Hochschulen übernahmen die Numerus-clausus-Regeln
Die Präsidentin der deutschen Hochschulrektorenkonferenz, Margret Wintermantel, äußerte Verständnis für die Sorgen der Nachbarn. Nötig seien "angemessene Studienbedingungen" in beiden Ländern. Ausgleichszahlungen lehnte Wintermantel ab. Sie forderte "eine gesamteuropäische Lösung". Das verlangte auch die österreichische Wissenschaftspolitikerin Andrea Kuntzl von den Sozialdemokraten. Andere Länder haben ähnliche Probleme wie Österreich, etwa Belgiens Landesteil Wallonien, der französischsprachige Bewerber aus den Nachbarstaaten anzieht.
Früher hatte Österreich deutsche Bewerber nur zum Studium zugelassen, wenn sie einen entsprechenden Platz auch in Deutschland nachweisen konnten. Damit übernahmen die Hochschulen de facto die Numerus-clausus-Regeln der Deutschen, was den Zustrom in Grenzen hielt. Diese Regelung wurde vom Europäischen Gerichtshof gekippt, weil es dem Gleichheitsgrundsatz widersprach, wenn für Österreicher weniger strenge Regeln galten als für die Deutschen. Seither gibt es in Fächern wie Human- und Tiermedizin sowie Pharmazie Zugangsprüfungen. Diese halten viele Deutsche aber von einer Bewerbung nicht ab.
Studiengebühren sind unsozial
Österreichs Wissenschaftsminister Hahn und seine christsoziale Volkspartei fordern die Wiedereinführung von Studiengebühren, um den Zustrom an die Universitäten zu regulieren. Der sozialdemokratische Bundeskanzler Werner Faymann und seine SPÖ - beide Parteien bilden eine große Koalition - lehnen das aber als unsozial ab.
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(SZ vom 15.10.2009/holz)
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geht nun mal nicht. Und schon gar nicht im Ausland.
Wie kommt man überhaupt auf den Gedanken, dass man im Ausland dieselben Ansprüche hat wie dort der Einheimische? Das ist schon arg dreist und zeugt von wenig Anstand.
Wer im Ausland studiert soll für die dortigen Studiengebühren aufkommen, schlussendlich braucht man dort die Infrastruktur, die der dortige Steuerzahler über Jahrzehnte berappt hat.
Denn irgendwer muss ja für die Kosten aufkommen. Der Einheimische zahlt für seine Unis und wenn der Ausländer dort studieren will, hat dieser sich brav an den Kosten zu beteiligen.
@amadeus
Was Prodis schöne Worte betrifft: Die Bauarbeiterlöhne an der Uni Bologna, die infolge Geldmangel der Uni nicht bezahlt worden sind, hat auch der feine Herr Sozialist Prodi nicht mit seinem Geldbeutel beglichen. Schön Reden ist immer gut, solange andere dafür bezahlen...
Seit den 90er Jahren verlassen immer mehr Intellektuelle das Land und das nicht nur, weil es anderswo mehr Geld und besseres Leben gibt. Die Österreicher sind ein Meckervolk, wie wir ansich auch. In Italien studieren sehr viele Exildeutsche, allein Bologna hat knapp 5000 Deutsche Studentinnen, insgesamt waren es 2006 etwas mehr als 51.000 Studenten.
Da hat man das aber mehr als Kompliment gesehen und Ex-Ministerpräsident Prodi hat einen schönen Satz gesagt: "Als es unseren Bürgern in Süditalien in den 60&70ern wirtschaftlich schlecht ging, wurden viele herzlich in Deutschland aufgenommen und sie konnten sich ein besseres Leben aufbauen als in ihrer Heimat. Jetzt, wo sich einige Dinge verändert haben, nutzen wir die Möglichkeit um uns zu revanchieren."
Liebes Österreich, auch ihr solltet es als Kompliment sehen. Ihr habt die besseren Löhne und Unis und schließlich sind wir in Europa ja eine tolle große Familie ;-) wenn man unseren Politikern glaubt. Wer im übrigen behauptet, die Österreicher hätten die schlechteren Hochschulen (wie es ein Kommentator einige Zeilen unter mir behauptet hat), der sollte sich an den Kopf packen und den Vogel ziehen lassen!
Hochgerechnet auf die Bevölkerungszahlen Deutschlands im Vergleich zu Österreich müßten demnach ca. 45.000 deutsche Studenten in der Alpenrepublik studieren, um einen relativen Gleichstand zu erreichen. Also, auf geht's!
... bzw Studenten, die in Deutschland ihr Medizin- oder Jurastudium nicht geschafft haben, gehen seit vielen Jahren nach Österreich, um dort die Studien versuchen zu beenden.
Das wurde im Artikel NICHT erwähnt und die Zahlen derer, die aus den vorgenannten Gründen an Österreichische Universitäten drängen, sind nicht zu vernachlässigen. Österreich sollte dringend entsprechende Restriktionen einführen, um das noch weitere Absinken des Studien Niveaus zu beenden. Solche Studienabgänger entsprechen längst nicht den Anforderungen.
Ja, die EU kann für ein einzelnes Land auch Nachteile haben.
Nein, man kann nicht selektiv nur die Nachteile ausblenden.
Paging