Von Von Tanjev Schultz

Die Leopoldina in Halle wird an diesem Montag in einem Festakt zur Nationalen Akademie der Wissenschaften erhoben. Wie die traditionsreiche Akademie zur Nummer eins in der Politikberatung werden soll.

Eine große Feier soll es werden an diesem Montag in Halle. Das Festspielorchester der Staatskapelle wird Händels Feuerwerksmusik spielen, Bundespräsident Horst Köhler gibt sich die Ehre, Politiker und Professoren erheben das Glas.

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Das Kaiserliche Siegel der Leopoldina von 1687. Die Institution ist die älteste, fortdauernd existierende naturwissenschaftlich-medizinische Akademie der Welt. (© Foto: dpa)

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Sie feiern die Taufe einer Institution, die zwar schon 356 Jahre alt ist, nun aber einen neuen Namen und eine große Aufgabe erhält: Die Akademie der Naturforscher, die Leopoldina in Halle, wird zur Nationalen Akademie der Wissenschaften ernannt.

Jahrelang ist um sie gerungen worden, nun endlich bekommt Deutschland eine Gelehrtengesellschaft, die im Rang vergleichbar sein soll mit den Nationalakademien anderer Staaten, der Royal Society in Großbritannien oder der Académie des sciences in Frankreich.

Die Leopoldina soll als Stimme der Wissenschaft Deutschland in internationalen Gremien vertreten und den Stand der Forschung zu wichtigen Fragen der Zeit zusammentragen. Ob Klimawandel, alternde Gesellschaft, Gentechnik oder Tierseuchen: Politiker dürsten nach Expertisen.

"Die Nummer eins in der Politikberatung"

Die Leopoldina werde "die Nummer eins in der Politikberatung", sagt Bundesforschungsministerin Annette Schavan. Sie war es auch, die das scheinbar ewige Gerangel um eine Nationale Akademie nicht mehr länger ertrug und Ende vorigen Jahres Forscher und Länderminister vor fast vollendete Tatsachen stellte. Sie rief einfach selbst die Leopoldina zur Nationalakademie aus, es folgte Murren, doch Schavan setzte sich durch. Der Bundespräsident ist nun der Schirmherr.

Das Murren rührte daher, dass es in Deutschland nicht nur andere mächtige Wissenschaftsorganisationen gibt, etwa die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), sondern noch acht traditionsreiche Akademien in den Ländern, wie die Berlin-Brandenburgische und die Bayerische Akademie der Wissenschaften; neuerdings zudem eine Akademie der Technikwissenschaften (Acatech). Ursprünglich sollten sie sich auf ein gemeinsames Konzept für eine Nationalakademie einigen, doch das gelang nicht recht.

Nach der Wiedervereinigung wollte schon Bundeskanzler Helmut Kohl die Leopoldina zur Nationalakademie aufwerten. Die Bundesregierung finanziert 80 Prozent ihres künftig um vier Millionen auf knapp sechs Millionen Euro wachsenden Jahresetats; das Land Sachsen-Anhalt zahlt den Rest.

Die Leopoldina rühmt sich, schon einmal so etwas wie eine Nationalakademie gewesen zu sein: Leopold I. verlieh ihr 1687 die Privilegien einer "Reichsakademie". So bekamen die Gelehrten nicht nur das Recht, frei zu publizieren. Sie durften damals auch akademische Grade verleihen und sogar Richter ernennen und uneheliche Kinder legitimieren.

Erst seit dem 19. Jahrhundert hat die Gelehrtengesellschaft ihren Sitz in Halle, vier Ärzte hatten die Academia Naturae Curiosorum, die Akademie der Naturforscher, 1652 in Schweinfurt gegründet. Später wechselte der Sitz zu den Wirkungsorten der jeweiligen Präsidenten, unter anderem nach Nürnberg, Augsburg, Erfurt und Erlangen. Es ist die älteste, ununterbrochen existierende Akademie der Welt.

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