Von Andreas Zielcke

Endlose Sätze und unnötige Fremdwörter: Juristen blähen die simpelsten Aussagen oft zu auswuchernden Satzgebilden auf. Ein Seminar soll ihnen helfen, verständlich zu schreiben.

Ein Schild auf dem Juristentag versprach Verwegenes: "Achtung! Heute findet in der Glashalle um 13 Uhr eine Führung durch Frau Dr. Ladwig-Winters durch die Ausstellung ,Anwalt ohne Recht' statt." Was für eine originelle Idee! Man bietet eine Führung an durch die Körperwelt von Frau Dr. Ladwig-Winters und auch noch durch eine Ausstellung zum rechtlosen Anwalt . . .

Die Sprache von Juristen strotzt häufig nur so von unbeholfenem Deutsch. Sprachseminare wie das von Schmuck sind dennoch bisher eine Ausnahme. (© Foto: iStock)

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Natürlich käme kein Jurist auf die Idee, den Hinweis so dümmlich misszuverstehen. Aber das macht die Sache nur schlimmer. Denn damit beweisen Juristen ja nur, dass ihnen gar nicht mehr auffällt, wie sie ihre Sprache verhunzen und Fehldeutungen provozieren.

Es fängt bei den simpelsten Aussagen an: "Wir wissen nicht, ob der Antrag von Herrn Müller bearbeitet wurde." Geht es um Herrn Müllers Antrag, oder ist Herr Müller der Sachbearbeiter des Antrags? Warum heißt es auf dem Hinweisschild nicht einfach, dass Frau Dr. Ladwig-Winters durch die Ausstellung führt?

Geliebte Schachtelsätze

Es muss auf tiefgründige Weise mit dem Geschäft der Rechtsanwendung zu tun haben, dass Juristen so hartnäckig Verben durch Substantive ersetzen. Ebenso, dass sie fast immer die Passivkonstruktion vorziehen. Und dass sie Schachtelsätze lieben und am phantasielosen Nominalstil kleben bleiben.

Nun mögen diese Stilelemente am ehesten dem unpersönlichen Ton entsprechen, den das juristische Metier mit seinen förmlichen und generalisierenden Imperativen zu verlangen scheint. Doch damit lassen sich nicht die Schlampereien, unnötigen Mehrdeutigkeiten und hässlichen Endlossätze rechtfertigen, die die Rechtssprache so häufig entstellen.

Die aufgeblähte Sprache geht am schnellsten von der Hand

Was aber so hölzern und kontraproduktiv daherkommt, lässt sich noch lange nicht mit einem schlichten Besserungsvorsatz vermeiden.

Ein prominenter Anwalt antwortete einmal, als man ihn auf seine ausufernden Schriftsätze hinwies, gewiss seien diese zu lang. Doch für ein treffliches kurzes Schreiben brauche er ein Vielfaches der Zeit - und die habe er nicht. So paradox es ist, aber ihre plumpe, aufgeblähte Schriftsprache geht den Juristen am flüssigsten von der Hand.

Und die allerwenigsten wissen um ihre Schwäche. Ein Liedchen davon kann Michael Schmuck singen. Auch er ist Anwalt, darüber hinaus Journalist, vor allem aber unterrichtet er "Klares Deutsch für Juristen". Obwohl die Profession längst erkannt hat, dass zu ihren "Schlüsselqualifikationen" eine adäquate Sprachbeherrschung gehört, ist ein Sprachtrainer wie Schmuck in Deutschland eine rare Ausnahme.

Was heißt Ausnahme, Schmuck ist ein einsamer Rufer in der sprachlichen Wüste. Als Einzelkämpfer bietet er Seminare für Behörden, Versicherungen, Anwaltskanzleien und Rechtsabteilungen großer Unternehmen an. Angesichts des so weit verbreiteten Übels ist das ein Tropfen auf den heißen Stein.

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