Interview: J. Bönisch

Wenn sich heute der deutsche Detektiv-Verband trifft, ist auch Paul Malberg dabei. Ein Gespräch über Spitzelskandale, schmierige Schnüffler und Rosenkriege.

An diesem Freitag und Samstag triff sich der Bundesverband Deutscher Detektive (BDD) in Kassel zu seiner Jahreshauptversammlung - die von den jüngsten Spitzelskandalen bei Bahn, Telekom oder Lidl überschattet wird. Deshalb wollen die Ermittler dort unter anderem Qualitätsstandards vorstellen. An der Tagung nimmt auch Detektiv und Jurist Paul Malberg teil. Der Geschäftsführer einer Wirtschaftsdetektei hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Image der Branche zu verbessern.

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Detektiv Paul Malberg: "In der Branche gibt es sehr viele schwarze Schafe." (© Foto: privat)

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sueddeutsche.de: Herr Malberg, wenn Sie erzählen, was Sie beruflich machen, stehen Sie im Mittelpunkt jeder Party, oder?

Paul Malberg: Ja, aber die Reaktionen sind nicht immer positiv. Viele Menschen zucken zurück, weil sie sofort einen Schnüffler mit Stasi-Attitüde vor Augen haben. Außerdem werde ich immer aufgefordert, doch mal Geschichten aus meinem Berufsalltag zum Besten zu geben.

sueddeutsche.de: Und was erzählen Sie dann?

Malberg: Dass ich einen seriösen Beruf ausübe, der überhaupt nichts mit Schnüffeln zu tun hat. Ich nutze solche Gespräche zur Aufklärung: Ich erläutere den Menschen, dass unsere Kunden immer einen guten und konkreten Grund haben, ausgerechnet einen privaten Ermittler und nicht die Polizei einzuschalten. Wird die Polizei tätig und tatsächlich fündig, wird zum Beispiel automatisch die Staatsanwaltschaft eingeschaltet und es kommt zu einer Anzeige. Das möchten Kunden in manchen Fällen verhindern, etwa bei einer heiklen Familienangelegenheit. Oder die Kunden fürchten sich vor der Presse.

sueddeutsche.de: Wer sind überhaupt Ihre Kunden?

Malberg: Wir erhalten unsere Aufträge zu mehr als 90 Prozent von Unternehmen, denen wir bei Ermittlungen im Fall von Wirtschafts- und insbesondere Mitarbeiterkriminalität helfen. Es geht etwa um Korruption oder Lohnfortzahlungsbetrug.

sueddeutsche.de: Scheidungskrieg-Aufträge bekommen Sie gar nicht?

Malberg: Nein, ganz selten - und wenn, lehnen wir ab. Dafür sind unsere Mitarbeiter zu schade, wir machen nur seriöse Ermittlungen. Im privaten Bereich gerät man ganz schnell in eine Schmuddelecke, etwa durch sogenannte Treuetests. Dabei will jemand wissen, ob sein Partner fremdgeht. Fordert ein unverheirateter Mann, dass wir seine Freundin beschatten, ist das in der Regel rechtlich gar nicht zulässig. Das ist unterste Schublade. Außerdem sind wir für Privatleute oft viel zu teuer: Eine Stunde Ermitteln kann in der Branche bis zu 140 Euro kosten. Das summiert sich schnell.

sueddeutsche.de: Wie muss man sich Ihren Arbeitsalltag vorstellen?

Malberg: Wenn eine Firma auf uns zukommt, treffen wir uns im Unternehmen mit den Vorständen und Geschäftsführern, um zunächst einmal zu analysieren, worum es in dem Fall überhaupt geht. Dann besprechen wir die geeigneten Mittel, die zum Einsatz kommen. Ich selbst ermittle gar nicht mehr, sondern schicke dann meine Mitarbeiter los. Sie beobachten, suchen nach Kontaktpersonen und versuchen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Manchmal reden sie auch mit der Zielperson selbst.

sueddeutsche.de: Geben Sie sich dann als Detektive zu erkennen?

Malberg: Unter Umständen. Engagiert uns eine Versicherung bei einem Brandvorfall, sind sie ganz offen. "Wir ermitteln im Auftrag von XY, ob es sich eventuell um Brandstiftung handeln könnte", heißt es dann. In anderen Fällen aber gibt sich der Detektiv eine Legende. Dann tritt er beispielsweise als ehemaliger Schulkamerad auf, der unbedingt eine Adresse braucht.

sueddeutsche.de: Das heißt, Sie lügen den Leuten ins Gesicht.

Malberg: Wir geben eine auf den Fall zugeschnittene Persönlichkeit vor. Das gehört zu unserer Arbeit dazu. Strafbar ist das aber nicht.

sueddeutsche.de: Da fühlt man sich schon ein wenig an "Ein Fall für Zwei" erinnert.

Malberg: Mit dem, was die Zuschauer im Fernsehen sehen, hat der Beruf nicht viel zu tun. Wir machen das nicht aus Jux und Tollerei. Wir tragen auch keine Waffen oder liefern uns wilde Verfolgungsjagden.

sueddeutsche.de: Wie beschattet man denn geschickt - so, dass es die Zielperson nicht mitbekommt?

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  1. Sie lesen jetzt "Für Treuetests sind wir zu schade"
  2. Ein reines Gewissen?
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