Michael Csaszkóczy darf nicht unterrichten, weil er einer angeblich verfassungsfeindlichen Antifa-Gruppe angehört. Nun kommt der Fall erneut vor Gericht.
Gesetze und Gerichtsurteile haben ihre eigene sperrige Sprache, im Falle des Heidelberger Realschullehrers Michael Csaszkóczy fallen Begriffe wie Treuepflicht, Eignungsvoraussetzung und freiheitliche demokratische Grundordnung. Es läuft aber alles auf zwei Fragen hinaus, die man sehr schlicht formulieren kann: Darf so jemand wie Michael Csaszkóczy Beamter werden? Kann man ihn an einer Schule unterrichten lassen?
Michael Csaszkóczy, aufrechter Demokrat mit wildem Äußeren, ist ins Visier des Verfassungsschutzes geraten. (© Foto: oh)
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Der baden-württembergische Kultusminister Helmut Rau (CDU) hat seine Meinung dazu bereits gefasst: "Wir können ihm die Kinder nicht anvertrauen", sagte Rau vor einem Jahr, nachdem das Verwaltungsgericht Karlsruhe zu dem Ergebnis gelangt war, dem heute 36 Jahre alten Csaszkóczy fehle die nötige positive Einstellung zu Staat und Verfassung. So hatte es auch Raus Amtsvorgängerin Annette Schavan gesehen, die mittlerweile Bundesbildungsministerin ist. Gerade in den Schulen müsse sich die Demokratie als wehrhaft erweisen, sagte sie. Das sollte heißen: Ein Linksextremist hat in der Schule nichts zu suchen.
Seit Jahren geht das nun so. Michael Csaszkóczy hat in Heidelberg Geschichte und Deutsch auf Lehramt studiert, das Examen bestand er mit der Note 1,5. Er wurde Referendar, legte die zweite Prüfung ab (Note 2,0), es gab nie Beschwerden.Csaszkóczy beantragte seine Einstellung in den Schuldienst, doch daraus wurde nichts. Der baden-württembergische Verfassungsschutz teilte dem Schulamt mit, Csaszkóczy sei in der linksextremen Szene aktiv, im April 2004 musste er zum "vertieften Einstellungsgespräch" antreten und sich zu seiner Mitgliedschaft in der "Antifaschistischen Initiative Heidelberg" erklären, die als verfassungsfeindlich eingestuft wird. Seither verweigert ihm Baden-Württemberg die Einstellung, und auch ein Versuch, in einer hessischen Schule unterzukommen, scheiterte am Veto der Behörden.
Ein Beamter müsse sich von Gruppen distanzieren, die den Staat diffamieren, rechtfertigten die Verwaltungsrichter dieses Berufsverbot, wie Gewerkschafter es nennen. Dabei beriefen sich die Richter auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum berüchtigten Radikalenerlass, in dessen Folge in den siebziger und achtziger Jahren Millionen Beamte auf ihre Loyalität überprüft wurden und Tausenden Mitgliedern der Friedensbewegung und der DKP die Arbeit im öffentlichen Dienst verwehrt wurde. Diese Zeit scheint längst vorbei zu sein, eine Regelanfrage beim Verfassungsschutz gibt es nicht mehr. Doch die "Treuepflicht" besteht weiterhin: Beamter kann nur werden, wer "die Gewähr dafür bietet, dass er jederzeit für die freiheitliche demokratische Grundordnung eintritt", so steht es in den Gesetzen.
Plan B
Csaszkóczy und seine Unterstützer, unter ihnen frühere Opfer des Radikalenerlasses, warnen vor Gesinnungsschnüffelei und staatlicher Einschüchterung. Am Dienstag werden sich nun die Richter des Verwaltungsgerichtshofs in Mannheim ein Bild von Csaszkóczy machen müssen. Auch wenn es Jahrzehnte dauern könnte, Csaszkóczy Anwalt Martin Heiming will durch alle Instanzen gehen, notfalls bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, der 1995 das Berufsverbot gegen eine niedersächsische Lehrerin, die zeitweise DKP-Mitglied war, verurteilte und ihr eine Entschädigung von mehr als 200.000 Mark zusprach.
Doch vor Gericht ist jeder Fall anders, und Csaszkóczy weiß, dass er einen Plan B für sein Leben braucht, einen Plan ohne Schule und Lehrergehalt. Am Beamtenstatus hängt sein Glück nicht, sagt er, Lehrer sei aber so etwas wie sein Traumjob. Eine Weile lebte er von Hartz IV, nun schreibt er eine Doktorarbeit ("Jugendkulturen und Geschichtsbewusstsein") und erhält ein Stipendium der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung.
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Bruce Springsteen in Frankfurt
Umgekehrt gilt das dann wohl auch für die Rechtsextremen.
Ist es ein Zeichen von "Rückgrat", nur weil man "gegen das Bestehende" ist; die Linke ist vor allem für Pubertierende deshalb so attraktiv, aber irgendwann sollte man auch mal erwachsen werden. Wer das nicht kann, wird entweder Lehrer, bleibt an der Uni oder - besonders bezeichnend gerade hier - wird Journalist. ;-)
Naj, mit allem Verlaub, aber wie kann sich eigentlich hier jemand ein Urteil darüber erlauben im Sinne von "dem Mann ist nichts vorzuwerfen, schliesslich sind alle seine Tätigkeiten harmlos"...
Ich unterstelle jetzt mal einfach: NIEMAND, der hier seine Kommentare los wird, kennt den Verein, in dem der Herr Möchtegern-Lehrer aktiv ist (oder doch... irgendjemand hier im Forum informiert, was die so getan haben in den letzten Jahren?!? NEIN??? Ok, dann hab ich ja richtig getippt!). Demzufolge ist es doch erstaunlich, wie sicher sich doch manche Leute sind, dass das ganze nur Schikane gegen einen harmlosen Andersdenkenden ist, den böse Politiker unterdrücken wollen. Nicht mal unsere gute SZ hat sich die Mühe gemacht zu recherchieren, warum dieser Verein überhaupt als verfassungsfeindlich eingestuft wird - warum auch, dass wär ja Arbeit und man würde ungewollt von der schönen Polemik plötzlich in seriösen Journalismus "abrutschen".
Und solange hier niemand eine Ahnung hat, was der Herr in den letzten Jahren mit seinem Klub so getrieben hat oder auch nicht, wollen wir uns doch mal an die Fakten halten:
Ich kenn den Klub auch nicht, aber fest steht: Der deutsche Verfassungsschutz - dem man vertrauen kann, aber zugegebener Maßen nicht vertrauen muss - stuft den Verein als verfassungsfeindlich ein. Ein deutsches Gericht - eine Instanz, der man schon erheblich mehr vertrauen kann/muss - überprüft diese Einstufung im Rahmen der Prüfung, ob ein Mitglied dieses Klubs Lehrer/Beamter werden kann und kommt zum Schluss: Nein, dass kann er nicht, die Mitgliedschaft in diesem Klub ist ein eindeutiges Indiz für eine Missachtung der FDGO.
Ich kenn den Klub nicht, ihr kennt den Klub nicht... aber mit der Einstufung als verfassungsfeindlich durch den Verfassungsschutz und der gerichtlichen Bestätigung würd ich sagen stehts 2:0 für: Leider kein Zutritt zum Schuldienst.
Wär vielleicht interessant zu wissen, weshalb gewisse Leute hier dennoch eine Einstufung des Herrn und seines Vereins als harmlos glauben vertreten zu können. Vielleicht hat da jemand ja Kenntnisse, wieso der Verein so eingestuft wurde (wie gesagt, da schlittert man als friedliche Antifa-Vereinigung nicht einfach durch Behördenwillkür so rein, auch wenns einige hier vielleicht ideologisch verblendet so darstellen wollen...)
Schönen Abend noch!
und den entfernt auch niemand aus seinem Amt (leider!), obwohl Klein-Wolfi ja so gerne die eigenen Bürger von der Bundeswehr abschiessen lassen will. Natürlich nur im Quasi-Verteidigungsfall. Aber diese gebetsmühelnartig vorgetragenen Wünsche erwecken den Eindruck von totaler Paranoia und sogar Wahnsinn. Also, wenn Wolfi weiter im Amt bleiben darf, wieso darf dann ein Hr. Csaszkóczy nicht Lehrer werden? Kann mir das jemand sagen?
DW
Richtig ist: Lehrer sind auch nur Menschen und MüSSEN alle Rechte innerhalb der Gesellschaft haben, die jedem anderen zugestanden werden, dazu gehört eben auch Meinungsfreiheit, solange die vorgebrachten Gedanken und Werte nicht ähnliche Rechte, Werte und Freiheiten anderer beschneiden oder gefährden.
Und genau hier ist das Problem: Kinder wachsen zwar nicht nur im sozialen Umfeld Schule auf, zum Teil ist die Sozialisation in der Familie, im Freundes- und Bekanntenkreis ungleich höher - dennoch haben die Lehrer nicht nur mit ihrem Wissen, sondern gerade auch mit ihrer Persönlichkeit, mit ihren Gedanken und Ideen (oder gar Ideologien) Vorbildfunktion - ob sie wollen oder nicht, ob bewusst und absichtlich oder nicht ...
Die Maßnahme der Behörden, Personen mit zumindest fragwürdigen Hintergründen nicht zum Schuldienst zuzulassen, erscheint nachvollziehbar, wenn auch im Einzelfall nicht immer berechtigt (einer meiner Lehrer damals war Mitglied der SED, um der Karriere nicht zusätzlich Steine in den Weg gelegt zu bekommen; nie hat er, meiner Meinung nach, das System der DDR vertreten, beschönigt oder anderweitig undemokratisch gehandelt - und dennoch ist er wegen Einträgen in seiner Stasi-Akte gefeuert worden).
Eine Debatte, ob hier Links- oder Rechtsextremismus im Spiel ist oder nicht, ob die Mitgliedschaft in bestimmten Gruppierungen als negativ empfunden wird oder werden sollte, scheint mir fehl am Platze. Vielmehr sollte diskutiert werden, was der Staat und die Gesellschaft vom Lehrer erwarten, wieviel Mensch, wieviel Staatsbürger und wieviel Beamter er zu sein und welche Kompetenzen er zu begleiten hat. Wenn dem der Herr im Artikel (auch im Nachhinein) gerecht wird, dann sollte es eigentlich unproblematisch sein, Lehrer zu werden.
Gruß
Paging