Von Managern, die gar keine sind, und Aufsteigern, die sich mit fremden Titeln schmücken.
Das Rezept, wie man einen schönen Titel kreiert, ist denkbar einfach: Man übersetze seine Tätigkeit ins Englische und kombiniere sie mit dem Wort "Manager". So erhält man eine Kombination wie Ad-Sales-Manager, Facility-Manager, Office-Manager. Diese Wortschöpfung drucke man dann auf seine Visitenkarte, auf dass sie dort eine imponierende Wirkung entfalte. Auch im Small-Talk setze man sie häufig ein: "Und was machen Sie von Beruf?" - "Ich bin Content-Manager!" - "Aha ....?".
Hoch, höher, MBA oder lieber DBA oder wie wär's mit Dr. mult.? Der Laie hat schon längst den Überblick verloren, welche akademischen Grade wie abgekürzt werden. (© Foto: sueddeutsche.de)
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Aber Vorsicht: Ihr Einsatz ist nicht frei von Nebenwirkungen: Gewagte Titel-Kreationen imponieren nur dem branchenfremden Laien. Wer etwas im Metier drin steckt, bleibt womöglich völlig unbeeindruckt. Schließlich weiß man nur zu gut, welche Tätigkeit hinter der eigenen aufgeblasenen Berufsbezeichnung steht.
Die Zeiten als der Manager-Titel Führungskräften vorbehalten war, sind lang vorbei. Heute leidet der Begriff stark unter Abnutzungserscheinungen. So toll mancher Manager-Titel klingt, seinen Makel kann er allerdings nicht verbergen: Sein Träger hat meist wenig zu managen außer sich selbst. So darf ein Ad-Sales-Manager Anzeigen verkaufen, ein Facility-Manager immerhin ein Gebäude verwalten, der Office Manager das Sekretariat (und womöglich seinen Chef) organisieren und ein Content-Manager Artikel schreiben - oder die Texte anderer Autoren veröffentlichen.
Da machen echte Titel schon mehr her. Mit einem Doktor vorm Namen lässt sich auch in Zeiten des blühenden Titel-Wirrwarrs noch Respekt ernten. "Der Herr Doktor" und "die Frau Doktor" dürfen allerdings nur nicht der Vorstellung unterliegen, dies liege an der Ehrfurcht gegenüber ihrer wissenschaftlichen Leistungen. Nein, die ist den meisten schlicht zu hoch (und ganz sicher nicht Small-Talk-tauglich: "Worüber haben Sie denn promoviert?" - "Über die poetologische Dimension des menschlichen Körpers in der afrikanischen Gegenwarts-Literatur.").
Was in der Wirtschaft zählt, ist die Zielstrebigkeit. Wer sich jahrelang im stillen Kämmerlein zum Doktor quält, scheint zu wissen, was er will. Ganz klar, dass der Doktor-Doktor noch mehr wirkt. Vor allem wenn er beide Titel schon im zarten Alter von 27 vorweisen kann.
Solch eine Leistung ist manchem Arbeitgeber bares Geld wert. Er zahlt dem Doktor mehr als seinen Magister- oder Diplom-Kollegen. Diese Aussicht verleitet auch Berufserfahrene dazu, sich noch einmal der Wissenschaft zu widmen. Doch statt sich an einer deutschen Hochschule einzuschreiben, setzen sie häufig auf die internationale Karte: Ein MBA (Master of Business Administration), am besten von einer amerikanischen Elite-Uni, muss es ein. Das kostet den Aspiranten zwar viel Zeit und Geld, aber dafür demonstriert er mit seinem Einsatz: "Mit mir müsst Ihr rechnen! Ich bin ganz klar auf der Management-Spur!"
"Doctor of Vibration"
Andere haben für so etwas keine Zeit. Wieso auch? Bieten doch ausländische Institute in Zeitungsanzeigen und im Internet schnellere Wege zum Doktor- oder sonstigem Titel an. Sogar Professor kann man allein gegen Geld werden. Und das ohne eine Hochschule je zu betreten! Ganz klar: Das ist böse. So etwas tut man nicht. Selbst wenn man damit durchkommt? Die Ehrfurcht vor Titeln ist so groß, dass Doktor Hochstapler darauf hoffen kann, nicht erwischt zu werden. Es sei denn, sein Titel klingt so seltsam wie der "Doctor of Vibration".
Wie seriös wirkt dagegen ein Ehrendoktor. Und das, selbst wenn man dafür weder geforscht noch sonstiges für die Wissenschaft geleistet hat. Viele Politiker und Prominente kommen in späten Jahren unverhofft zu hohen wissenschaftlichen Ehren. Und das sogar dann, wenn sie wie zum Beispiel der Sänger David Bowie oder der frühere Außenminister Joschka Fischer gar nicht selber studiert haben. Für alle Titel-Verliebte ist der Doctor honoris causa damit ein schönes Lehrstück: Am Ende kommt es eben doch darauf an, was ein Mensch mit seiner Arbeit tatsächlich geschafft hat - unter Umständen wird das sogar mit einem echten Titel honoriert.
(sueddeutsche.de)
Christopher Lee zum 90.