Von Katrin Jurkuhn

Der Architekt Markus Coelen hat im Studium hauptsächlich Entwerfen gelernt - doch mit der beruflichen Realität hat das wenig zu tun.

(SZ vom 24.10.2001) Zum Milchkaffee im verwinkelten Großraumbüro gibt es Kekse und Nostalgisches. Denn Markus Coelen, 34 Jahre alt, erinnert sich noch ganz genau an den Moment, in dem er zum ersten Mal sicher wusste, dass er Architekt werden wollte: Die Erleuchtung traf ihn während der Klassenfahrt, mitten auf der Piazza del Duomo in Florenz, als ihn der Lehrer nach seinen Zielen fragte. Da war Markus 17 Jahre alt. "Das war schon komisch. Ich hatte vorher nie darüber nachgedacht, aber in dem Moment wusste ich es einfach."

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Die Meisterstücke von Markus Coelen: drei dehnbare Hochhäuser, die sich nach der Sonne ausrichten. (© Foto: David Ausserhofer)

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Gleich nach dem Abitur stürzte er sich ins Studium an der Technischen Hochschule Aachen - zunächst hoch motiviert. Doch das, was die Uni ihm bot, war in seinen Augen Realitätsflucht: "Der Schwerpunkt hieß Kreativität, alles ging sehr locker zu. Wer nicht nebenbei Berufserfahrung sammelte, brach nach dem Studium unter der Härte des Jobs zusammen."

Auch zwei Semester in Venedig änderten seinen Eindruck nicht. "Das war Lifestyle pur, ich habe einfach nur gelebt."

Das Schicksal der Blauäugigen blieb Markus erspart, weil er neben dem Studium ständig in Architekturbüros arbeitete. So lernte er schon vor dem Diplom, dass die Faszination des kreativen Schöpfungsprozesses in den Hintergrund tritt, wenn Auseinandersetzungen mit Bauherren, Behörden und Richtlinien den Planungsprozess bestimmen. "Als guter Architekt muss man lernen, Kompromisse zu schließen, um das zu retten, was einem wirklick wichtig ist. In diesem Job kann man sich nur mit einer gehörigen Portion Penetranz durchsetzen."

Berlin sollte es sein

Die brauchte er nach dem Studium ohnehin, um Fuß zu fassen. Viele Aachener Studenten gehen nach Berlin, Köln oder Hamburg - "weil es da Arbeit gibt." Für Markus gab es von vorneherein keine Alternative zu Berlin: "Das ist einfach die Stadt für Architekten." Schon der Weg zu seinem Arbeitsplatz, dem Architektenbüro der "Gruppe 6" in einem der typischen Hinterhäuser in der Charlottenstraße, führt quer durch die Baustelle Berlin.

Doch auch hier mussten sich Markus und seine Kollegen der "Gruppe 6" erst einmal etablieren - eine Durststrecke für die jungen Architekten, die am liebsten sofort los gelegt hätten. "Ich wollte endlich etwas schaffen", sagt Markus. Nach vielen kleinen Jobs sei er mittlerweile "ganz gut beschäftigt".

Den Nachwuchs fördern

Obwohl er das Diplom erst vor vier Jahren gemacht hat, engagiert sich Markus schon jetzt für den Nachwuchs. "Seitensprung" heißt ein Möbel-Wettbewerb für junge Architekten, den er im Frühjahr gemeinsam mit Kollegen ausgeschrieben hat.

"Für junge Talente ist die Lage momentan sehr schwierig", sagt Markus, der im vergangen Jahr auch noch Vater geworden ist. Er kann die positive Auswirkung öffentlicher Ausstellungen bestätigen: Durch das Projekt "Linie 8 - Positionen junger Berliner Planer" fand sein Entwurf von drei drehbaren Hochhäusern am Mauerstreifen große Beachtung. Und weil ihm dieses Thema sichtlich Spaß macht, holt er auch gleich das Modell vom Schrank.

Bei der Vorführung der drehbaren Hochhäuser ist dann von der resignierenden Wirkung des harten Berufslebens nicht mehr viel zu spüren - Begeisterung bricht durch. "Das Schöne an dem Beruf ist, dass du hinterher vor einem Objekt stehst und weißt: Das habe ich gemacht", sagt Markus und dreht eines der hölzernen Hochhäuser einmal um die eigene Achse. Baurecht hin, Baurecht her: Der Beruf ist im Falle Coelen trotz aller Widrigkeiten ein Beispiel für wahre Passion. Ein Hoch auf Florenz!

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