Frauenquote Die Posten sind da, es fehlen Bewerberinnen

Mit etwas Geduld könnte sich das Problem alleine lösen: "2018 sind Frauen in Vorständen der Normalfall", heißt es in den Konzernen. Die Suche nach weiblichen Vorständen läuft auf Hochtouren.

Von Karl-Heinz Büschemann

So eine Chance lässt sich Ursula von der Leyen nicht entgehen. Der Spiegel hatte die Bundesarbeitsministerin zu ihrem Lieblingsthema befragt: Soll es eine Pflicht-Quote für Frauen in Führungspositionen deutscher Unternehmen geben? Sie sei dafür, na klar, erklärte von der Leyen bereitwillig. "Wir müssen über dieses Thema eine breite Diskussion führen", sagte sie dem Magazin. "Die Regierung wird noch in diesem Jahr einen Vorschlag vorlegen." Die Ministerin hat sich verschätzt. Am Mittwoch teilte Kanzlerin Angela Merkel mit, die Regierung werde genau das nicht tun. Eine Quote werde es nicht geben. Die Wirtschaft solle die Chance haben, "freiwillig zu Fortschritten zu kommen".

Deutschland hat ein Aufreger-Thema - obwohl die Debatte über eine Frauenquote aus den achtziger Jahren stammt. Aber die Fakten geben den Verfechtern der Zwangsregelung offenbar noch immer recht. Die großen deutschen Unternehmen von Adidas bis Volkswagen sind Männerland. Kein einziger Dax-Konzern wird von einer Frau geführt. Von den 490 Vorstandsposten der 30 größten Börsengesellschaften sind nur elf in weiblicher Hand. In den Aufsichtsräten sieht es nur wenig besser aus. Ministerin von der Leyen macht sich mit einigem Recht lustig über das emanzipatorische Entwicklungsland Deutschland: "Wir sind, was Frauen in den Führungspositionen angeht, auf Höhe mit Indien, hinter Russland, hinter Brasilien, hinter China."

Die Ministerin hat möglicherweise übersehen, dass sich die Lage gerade drastisch ändert. In der deutschen Wirtschaft hat eine fieberhafte Suche nach Frauen für Führungsposten eingesetzt. Viele glauben schon, der Ruf nach einer Frauenquote sei erledigt. "Wir brauchen jetzt keine staatliche Verordnung mehr", sagt Christine Stimpel, die Deutschland-Chefin der Personalberatung Heidrick & Struggles. Seit zwei, drei Jahren suchten die großen Unternehmen für Führungspositionen gezielt nach Frauen. "Die Entwicklung ist eindeutig", sagt die Beraterin. Sie bekomme bei jeder Suche nach einer Führungskraft den Auftrag, "mindestens eine Frau vorzuschlagen". Die Führungsetagen würden weiblicher, sagt sie. "Es ist ernst geworden." Noch in diesem Jahr, so verspricht Stimpel, werde sich "sehr viel tun".

Ähnlich äußert sich Hermann Sendele von der Beratung Board Consultants. Seit anderthalb Jahren spürt der Münchner Headhunter ein starkes Interesse großer Firmen an Frauen für Führungspositionen. "Ich suche im Moment viele Frauen." Er bekomme zahlreiche Suchaufträge mit dem Zusatz, bei gleicher Qualifikation würden weibliche Kandidaten vorgezogen. Dass Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten nur sporadisch zu finden seien, sei Vergangenheit. "Das ändert sich gerade." Besonders massiv werde er nach Kandidatinnen für Aufsichtsratsposten gefragt. Deshalb hält Sendele die Aufgeregtheit der jetzigen Debatte für überzogen. "Die Frauen sind schon da."

Bei der Unternehmensberatung Kienbaum stellen die Experten nach eigenem Bekunden ebenfalls fest, die Nachfrage nach weiblichen Führungskräften sei "deutlich gestiegen". Das Problem sei, dass es nicht genügend Frauen gebe, um die freien Führungspositionen zu besetzen.

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