Ärztliche Untersuchungen und neugierige Fragen nach dem Gesundheitszustand: Unternehmen halten sich bei Einstellungstests nicht immer an das, was erlaubt ist.
Ob ein Mensch gesund ist, interessiert nicht nur ihn selbst und seine Familie. Auch dem Arbeitgeber ist wichtig, ob seine Angestellten fit sind und die Leistungen erbringen können, für die er sie bezahlt. Aber dürfen Arbeitgeber Bewerber deshalb vor einer Einstellung ärztlich auf Herz und Nieren untersuchen lassen?
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Der Autohersteller Daimler hat von Bewerbern eine Blutprobe verlangt. Darf ein Arbeitgeber das? (© Foto: dpa)
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Der Fall Daimler hat die Diskussion ins Rollen gebracht. Am Mittwoch war bekannt geworden, dass der Stuttgarter Autobauer Bewerber noch vor einer endgültigen Einstellung zum Werksarzt schickt, der unter anderem einen Bluttest macht. Die Bewerber hätten zu diesem Zeitpunkt in der Regel eine mündliche Zusage für ihren Job, sagte eine Sprecherin von Daimler. Die Zusage stehe aber unter dem Vorbehalt, dass der Werksarzt die Bewerber für geeignet halte. Datenschützer und Arbeitsrechtler halten das Vorgehen für höchst problematisch. Die SZ beantwortet die wichtigsten Fragen.
Wie üblich sind solche Untersuchungen vor einer Einstellung?
Laut Daimler sind die Tests "nichts Ungewöhnliches". Doch eine stichprobenhafte Nachfrage bei mehreren großen Unternehmen ergab etwas anderes. Weder bei Siemens noch bei BMW oder Audi werden Bluttests verlangt. Zwar ist Daimler längst nicht das einzige Unternehmen, das Bewerber vor einer endgültigen Einstellung zum Betriebsarzt schickt, doch werden in anderen Firmen in aller Regel nur harmlose Untersuchungen vorgenommen, wie beispielsweise ein Sehtest. Einen Überblick, in welchen Unternehmen was üblich ist, hat man allerdings nicht einmal beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Generell gilt wohl: Früher verlangten Arbeitgeber häufiger als heute eine ärztliche Untersuchung. Je mehr das Thema Datenschutz ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückte, umso mehr Unternehmen verzichteten auf solche Tests.
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Entspannter Vierbeiner
Das tollste ist noch, wie sich der leitende Betriebsarzt von Daimler im Daimlerblog äußert. Alles sei vollkommen freiwillig und diene der Gesundheit der Mitarbeiter.
Fakt ist einfach, dass der Arbeitgeber nichts untersuchen darf, was nicht mit dem Job zusammenhängt. Ich möchte hier keinem etwas unterstellen. Aber welche Veranlassung hat Daimler, eine Sekretärin internistisch zu untersuchen. 16.000 Mitarbeitern wurde Blut abgenommen. Waren das alles Piloten und Ärzte?
Im Daimlerblog wird allen Ernstes behauptet, man könnte so auch Allergien oder Bandscheibenvorfälle finden und sich entsprechend um den Arbeitnehmer kümmern. Dass Daimler kein Wohltätigkeitsunternehmen ist, dürfte klar sein.
Bei meinem Arbeitgeber ist diese Praxis nicht bekannt. Vielmehr geht mitunter eine Betriebsärztin herum und kontrolliert, ob Schreibtische, Stühle, Monitore richtig eingestellt sind. Das finde ich sinnvoll! Das verstehe ich unter Fürsorgepflicht des Arbeitgebers hinsichtlich Mitarbeitergesundheit.
Demnächst kommen Gentests.
Und wer die verweigert, kriegt keinen Job, sondern vielleicht Hartz IV.
So sieht es aus in der Ellenbogengesellschaft.
Es lassen sich erstaunliche Dinge im Blut untersuchen, wenn es aufbewahrt wird, kann im Bedarfsfall auch Jahre später noch vieles festgestell werden......
Diese Praxis gehört schlichtweg verboten.
Wenn der Arbeitgeber es so will kann er sagen was für Werte er will, die könnten dann von einem unabhängigen Arzt geliefert werden.
Aber interessant wäre es schon eine Datenbank zu haben in der alle Erbkrankheiten, chronische Krankheiten und das Suchtverhalten aller Daimler Mitarbeiter stehen.....
... das ist bei kleinen Firmen schon Gang und Gäbe. Habe ich selbst oft genug miterlebt. Und das passiert sogar unter Absegnung des Arbeitsamts. Sowas jetztnoch reißerisch aufzuwickeln empfinde ich als blanken Hohn.
Unser System ist nur noch auf dem Papier existent.