So etwas Ähnliches wie ein Zuhause
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Dabei wird sich am Migrationshintergrund, an den rudimentären Deutschkenntnissen, an der Auflösung der Familienstrukturen, an Verhaltensstörungen und Aufmerksamkeitsunfähigkeit vieler Schüler nichts ändern. Im Gegenteil: Die potentielle Klientel wächst. Zeitler und ihr Kollege Jürgen Walther sind denn auch trotz all ihrer Kritik am System nicht für die Auflösung ihrer Schulform: "Für Hauptschüler ist diese Schule doch oft der einzige Ort, an dem sie noch so etwas Ähnliches wie ein Zuhause erleben."
Was aber nicht geht, sind die immer neuen Treueschwüre zur Hauptschule bei gleichzeitiger kontinuierlicher Verknappung der Geldmittel und damit der Lehrstunden. Eigentlich besteht die politische Arbeit in Sachen Hauptschule seit den neunziger Jahren darin, Etats und Lehrstunden zusammenzustreichen.
Mittelschule: der neueste Schrei
Zunächst fiel die Erziehungskunde weg, dann wurden Geschichte, Sozialkunde, Erdkunde einerseits, Physik, Chemie und Biologie andererseits jeweils zu einem Fach zusammengelegt, wodurch auch wieder Unterricht eingespart werden konnte. Außerdem wurden der muttersprachliche Ergänzungsunterricht und der islamische Religionsunterricht gestrichen.
Gleichzeitig wurde den Schulen immer mehr Verwaltungsaufwand aufgebürdet, sodass kaum noch Zeit für die pädagogische Arbeit bleibt. Und es wird natürlich regelmäßig an das ehrenamtliche Engagement der Hauptschullehrer appelliert. Klaus Wenzel, Präsident des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes, bemerkt dazu: "Maßnahmen, die von engagierten Lehrkräften zum Nulltarif zu bekommen sind, werden umgesetzt, Reformen, die Geld kosten, bleiben dagegen aus."
Schüler werden Opfer der Politik
Der neueste Schrei im Rahmen der Hauptschulinitiative ist nun die sogenannte Mittelschule, mit der Bayerns Kultusministerium die Hauptschule "fit fürs 21. Jahrhundert" machen will: Ab kommendem Jahr können sich alle bayerischen Hauptschulen um diesen Titel bewerben - sofern sie Ganztagsbetreuung anbieten, die oben erwähnten drei berufsorientierenden Zweige vorweisen können und einen sogenannten M-Zug haben, also eine Klasse, in der die besseren Schüler innerhalb der Hauptschule zum mittleren Bildungsabschluss geführt werden.
Ein Drittel der Hauptschulen erfüllt diese Bedingungen. Schön für sie und herzlichen Glückwunsch. Die anderen aber werden endgültig zur Restschule. Bayern hat dann ein viergliedriges Schulsystem. Und die Familien, die nach Freiham ziehen, können ihre Kinder in Neuaubing anmelden, in einer Hauptschule, deren Rektor keine Chance sieht, zur Mittelschule aufzusteigen: "Wir können keinen M-Zug anbieten, unsere Schüler bringen die Vorbedingungen nicht mit."
Letzten Endes kann man Freiham auch als Beispiel dafür interpretieren, wie die Schüler Opfer der Politik werden. Das rot-grüne Bündnis im Münchner Rathaus, das ja zuständig ist für die Planung des neuen Viertels, würde die Hauptschule lieber heute als morgen abschaffen. Da hat es etwas Konsequentes, in einem neu zu bebauenden Stadtteil einfach keine Hauptschule mehr einzuplanen. Die CSU-Regierung aber macht den verbleibenden Hauptschulen mit ihren konfusen Reformen das Überleben schwer.
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(SZ vom 14.08.2009/akh)
Debatte über Urheberrecht
Sehr geehrter Herr/Frau Rühle,
ich halte Ihre Schlussfolgerung für absolut falsch. Mit der Abschaffung der Hauptschule hätte man sehr wohl auch den Hauptschüler abgeschafft. Denn es geht in dieser Diskussion nicht um den von Ihnen latent favorisierten, maßlosen Anspruch, jedem eine Heile Welt zu versprechen, sondern darum, jedem ein würdiges Leben zu ermöglichen. Mit anderen Worten: Es geht um die Abschaffung eines Stickmas.
Dass mit der Abschaffung der Hauptschule nicht alle persönlichen Probleme der Schüler gelöst werden, dass nicht von heute auf morgen Lernschwierigkeiten beseitigt werden, versteht sich von selbst. Das ist, wie ich finde, auch nicht weiter schlimm. Denn ich denke, dass jeder ein Recht auf Unglück hat.
ich bin seit über 20 jahren hauptschullehererin und ich kann nur sagen, dass der artikel stimmt! endlich mal jemand, der das kind beim namen nennt. ich will keine theoretischen ergüssse mehr, warum und ob es ein hauptschulklientel gibt.
mir geht es darum, das beste aus der hauptschule und den schülern zu machen, und das kumi macht seit jahren genau das gegenteil - siehe zum beispiel die stundenkürzungen, die unverschämte "profilbildung" usw. was soll das? wenn die schüler immer schlechter werden oder schwieriger, warum kürzt man dann noch die stunden? es ist alles eine große heuchelei
das einzige, was verstärkt worden ist, sind diese unsinnigen tests, mit denen man angebliche wissensdefizeite erkennen und dann mit anschließenden förderplänen beheben kann. Dazu brauch ich keine tests, deren auswertung länger dauert als der test selber ! was für eine grandiose zeitverschwendung!! Ich seh selber, welche probleme und lücken die schüler haben. Und überhaupt - wer soll denn dann wann, wo fördern??
Wir lehrer brauchen einfach mehr stunden in der klasse und insgesamt auch weniger schüler pro klasse (eine höchstzahl von 20 wäre ideal.) und keinen solchen schmarrn wie modularisierung, profilbildung oder hauptschulinitiative.
ich wünsche mir, dass jeder im kultusministerium diesen artikel liest und - hoffentlich versteht. und die richtigen konsequenzen daraus zieht.
ist der Hinweis auf die tiefe Spaltung dieser Gesellschaft, die eben für viele schon im Kindesalter zementiert wird.
Dieser Satz, man könne den Hauptschüler nicht abschaffen reisst doch der Gesellschaft und der Politik ihre Masken vom Gesicht. Von Chancengleichheit keine Rede.
Ich widerspreche nicht, dass es viel zu viele Eltern gibt, die ihrer Verantwortung eben gerade bezüglich der Bildung nicht gerecht werden und natürlich kann das die Schule nicht allein richten. Sich dem aber einfach zu ergeben, ist kein Ruhmesblatt für die Bildungspolitk.
Und gerade weil in diesen Familien das Geld für Nachhilfe nicht vorhanden ist, wäre es für die Bildungspolitik ein gutes Aushängeschild, wenn man sich dafür etwas einfallen liesse.
Ich habe meine Schulausbildung in der DDR absolviert und eben auch den Schulhort besucht, wo die Erledigung der Hausaufgaben betreut wurde. Spräter haben auch die Schüler der höheren Klassen den Jüngeren bei den Hausaufgaben geholfen. Freiwillig selbstverständlich und nicht ohne Stolz.
Gibt es eine einfachere Lösung?
na schön dann heißt das in UK "state school", unterrichtet habe ich da jedenfalls und meine Erfahrungen gemacht. Per Du sind wir aber deswegen immer noch nicht.
An einer englischen public school hast Du ganz sicher nicht unterrichtet....Public schools sind Schulen des Typs Eton
Paging