CV of Failure "Das meiste, was ich versuche, misslingt"

Steht zu seinen Misserfolgen: Princeton-Professor Johannes Haushofer.

(Foto: privat)

So beginnt ein Assistant Professor in Princeton die Auflistung seiner Misserfolge. Mit seinem "Lebenslauf des Scheiterns" hat Johannes Haushofer internationale Berühmtheit erlangt.

Interview von Juliane von Wedemeyer

Wer wie Johannes Haushofer mit 36 Jahren Assistant Professor in Princeton ist - also eine Art Juniorprofessor an einer der renommiertesten Universitäten der Welt -, ist ziemlich erfolgreich. Weltweit bekannt wurde der deutsche Psychologe jetzt aber wegen seiner Misserfolge. Auf Facebook postete er Anfang Mai seinen "CV of failures". Sein Lebenslauf des Scheiterns wurde tausendfach geteilt. Er beginnt mit den Worten: "Das meiste, was ich versuche, misslingt. Aber diese Fehlschläge bleiben meistens unsichtbar, während die Erfolge oft sichtbar sind."

SZ: Sie haben jede abgelehnte Bewerbung veröffentlicht, jede Stelle, jedes Stipendium, jeden Preis, den Sie nicht bekommen haben. Warum?

Johannes Haushofer: Ich habe es für eine Person getan, die gerade einen Rückschlag erlebt hat. Mir fiel ein, wie einsam man sich in solchen Momenten fühlt. Ich habe gedacht, dass ich ihr so helfen könnte. Mir jedenfalls hilft es, wenn ich von älteren Kollegen solche Geschichten höre. Zum Beispiel wie lange es gedauert hat, ehe sie eine feste Stelle bekommen haben.

Welcher Misserfolg war für Sie am schmerzhaftesten?

Die Tatsache, dass ich mich auf bestimmte Professorenstellen gar nicht erst beworben habe, weil die Person, die mich dafür empfehlen sollte, sagte, ich sei dafür nicht geeignet. So ein Feedback tut weh. Es zeigt ja auch, wie jemand deine Arbeit bewertet. So etwas ist schwer von der eigenen Person zu trennen. Und selbst wenn man es ganz professionell sieht: Es sind Möglichkeiten, die einem verschlossen bleiben.

Johannes Haushofer hat mit seinem Lebenslauf des Scheiterns einen Nerv getroffen.

(Foto: privat)

Was hat Ihnen damals geholfen, den Glauben an sich selbst zu behalten?

Dass Zeit vergeht und dass etwas anderes Gutes klappt. Und außerdem helfen einem Freunde und Familie. Sie geben Trost und Unterstützung.

Auf Facebook feiern viele Ihren öffentlichen Negativ-Lebenslauf als mutigen Schritt.

Das war nicht mutig. Es ist eher ein Jammern auf hohem Niveau, denn bei mir hat ja anderes geklappt. Ich bin auch nicht der Erste, der das gemacht hat. Die Neurobiologin Melanie Stefan hat schon 2010 publiziert, dass ein öffentlicher "CV of failures" anderen helfen könnte, mit Rückschlägen umzugehen.

Aber sie wirken eben nur, wenn die Verfasser erfolgreich sind wie Sie. Mittlerweile haben Medien in der ganzen Welt über Sie berichtet.

An einem Tag hatte meine Homepage auf einmal 60 000 Besucher. Witzig, jetzt bin ich als derjenige bekannt, der überall abgelehnt wurde. Mit diesem Hype habe ich nicht gerechnet. Ich dachte einfach, dass der CV meinen Studenten nützt und die Kollegen etwas zum Schmunzeln haben.

Sie arbeiten ja in den USA. Geht man dort tatsächlich entspannter mit dem Scheitern um als in Deutschland?

Das kann ich nicht einschätzen, weil ich in Deutschland keine negativen Erfahrungen in dieser Hinsicht gemacht habe. Auf jeden Fall gibt es in den USA eine große Akzeptanz dafür.

Sie schreiben, einer Ihrer größten Misserfolge sei, dass Ihr CV mehr Aufmerksamkeit erfährt als Ihre Forschung.

Ein Scherz, aber es stimmt schon.

Was ist Ihr aktuelles Forschungsprojekt?

Am Beispiel Kenia untersuchen wir die psychologischen Folgen von Armut und wie sie sich auf das ökonomische Verhalten auswirkt, also ob es eine psychologische Armutsfalle gibt. Gerade wollen wir herausfinden, ob gezielte Psychotherapie den Armutskreislauf durchbrechen kann.

Und Ihr nächster Karriereschritt?

2020 entscheidet sich, ob aus meiner Assistenzprofessur eine feste Stelle wird.

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