Hungerlöhne, miese Arbeitsbedingungen, Gefälligkeits-Tarifverträge: Die Zeitarbeit gilt als Deutschlands Schmuddelbranche Nummer eins. Zu Unrecht? Immer mehr der etwa 900.000 Leiharbeiter erhalten eine Stelle bei dem Unternehmen, an die sie vorher nur ausgeliehen waren. Aber nicht alle haben die gleiche Chance darauf, in ihrer Entleih-Firma "klebenzubleiben".
Sie gilt als Deutschlands Schmuddelbranche Nummer eins. Zeitarbeitsfirmen, die ihre Mitarbeiter an andere Betriebe verleihen, sind zum Feindbild der politischen Linken geworden. Die Zeitarbeit, Gegner sprechen lieber von Leiharbeit, ist "im Fadenkreuz der Kritiker", heißt es im soeben vorgelegten Jahresgutachten der fünf Wirtschaftsweisen. Hungerlöhne, die mit Hartz IV aufgestockt werden müssen, miese Arbeitsbedingungen, Gefälligkeits-Tarifverträge von pseudochristlichen Gewerkschaften, Konzerne, die ihr Stammpersonal durch billigere Leiharbeiter ersetzen - all dies hat zum schlechten Image der Branche beigetragen, auch wenn dies für viele Verleihfirmen gar nicht gilt. Nun aber kommen positive Nachrichten von den Zeitarbeitsfirmen, die dieses Horrorbild aufhellen: Nicht nur VW übernimmt in diesem Jahr 2200 Zeitarbeitnehmer. Immer mehr der etwa 900.000 Leiharbeiter erhalten eine Stelle bei dem Unternehmen, an das sie vorher nur ausgeliehen waren.
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Zeitarbeit ist besser als ihr Ruf: Seit mehr als einem halben Jahr erlebt die Branche eine massive Übernahmewelle.
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"Seit mehr als einem halben Jahr erlebt unsere Branche eine massive Übernahmewelle", sagt Volker Enkerts, Chef des Bundesarbeitgeberverbands der Personaldienstleister (BAP). Vor allem in der Industrie seien teilweise ganze Belegschaften oder Niederlassungen übernommen worden. Ähnliches ist vom Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (IGZ) zu hören. Er befragte dieses Jahr erstmals seine 2300 mittelständischen Mitgliedsfirmen. Das Ergebnis: Etwa jeder dritte Zeitarbeiter wechselt nach einem Einsatz zum Kunden, also in den Betrieb, bei dem er schon vorher als ausgeliehene Arbeitskraft tätig war.
Bundesweit gibt es keine aktuellen Zahlen über diesen "Klebeeffekt". Den Trend bestätigen jedoch viele Zeitarbeitsfirmen, ob Randstad mit 60.000 Mitarbeitern, Hofmann Personal mit fast 17.000 oder der Luftfahrt-Dienstleister Aviation Power mit fast 1000 Beschäftigten. Dabei gilt der Grundsatz: Je höher die Qualifikation, desto größer die Chance, in die Stammbelegschaft des Entleihbetriebs aufzurücken. So liegt die Übernahmequote bei Akademikern und technischen Berufen nach der IGZ-Umfrage bei etwa 60 Prozent. Wer dagegen als Helfer eingruppiert und schlecht ausgebildet ist, so wie viele Leiharbeiter, hat ein höheres Risiko, darin stecken zu bleiben.
Die Branchenverbände führen die Übernahmewelle auf zwei Faktoren zurück: "Unsere Kunden haben wohl Vertrauen in ihre wirtschaftliche Situation gefasst, so dass sie wieder umfangreich Personal eingestellt haben", sagt BAP-Chef Enkerts. Hinzu kommt die Sorge, dass in Zukunft mehr Fachkräfte fehlen könnten. "Mit dem sich leerenden Markt wird verstärkt bei Zeitarbeitsfirmen nachgefragt", bestätigt IGZ-Hauptgeschäftsführer Werner Stolz. Ob dies anhält, wenn sich die Euro-Schuldenkrise weiter zuspitzt, ist allerdings ungewiss.
Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hatte bislang stets davor gewarnt, den "Klebeeffekt" für die Leiharbeiter zu überschätzen: Nur sieben Prozent von ihnen fanden einen dauerhaften Job außerhalb der Zeitarbeitsbranche. Das IAB zählte dabei nur Leiharbeiter, die vorher arbeitslos waren. Und das sind viele: Knapp die Hälfte war vorher ohne Stelle - und schafft über die Leiharbeit immerhin einen (Wieder-)einstieg ins Berufsleben. Die jüngsten Erfolgsmeldungen sind deshalb ein Indiz dafür, dass der schmale Steg zu einer normalen Beschäftigung inzwischen eine Brücke geworden ist. Für die rot-grünen Arbeitsmarktreformer ist dies ein später Sieg.
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(SZ vom 11.11.2011/tina)
DFB-Pleite gegen die Schweiz
Interessant ist ja dass im Norden die Leiharbeit sich ganz anders entwickelt hat. Hier bekommen die Leiharbeiter deutlich MEHR Lohn, da sie keine Sicherheit einer festen Anstellung haben. Das kann bis zu 30-40 Prozent mehr sein. Und das ist dann recht ok und der schwedische Arbeitgeber hat immer Interesse den Leiharbeiter fest anzustellen ( der es aber in der Regel gar nicht will). Daher wäre doch interessant zu untersuchen, warum sich beide Staaten in dieser Frage so unterschiedlich entwickelt haben. Und vielleicht wäre da auch eine Antwort für die Niedrigstlöhne zu suchen, die es in Schweden in diesem Umfang auch nicht gibt. Zu mindest kann auch eine Reinemachefrau von ihrem Einkommen existieren, ein Briefträger auch.
Entschuldigung, aber der ganze Artikel ist lächerlich und entspricht in keinster Weise der Realität. Welchen Grund sollten die produzierenden Unternehmen den haben, Leiharbeiter fest einzustellen ? Die sind billiger, flexibler zu handhaben und arbeiten auch noch mehr, als das fest angestellte Personal. Der Trend geht doch in die andere Richtung, nämlich fest angestelltes Personal 'outzusourcen'. Da reicht übrigens eine Anfrage beim Arbeitsamt, um das festzustellen. Die können nämlich ganz genau sehen, dass immer mehr Arbeitsvermittlungen über Zeitarbeitsfirmen abgewickelt werden !
Das ist ein klarer Fall, Zeitarbeit ist Ausbeutung.
Wozu sind die gut ? Warum kann das nicht vopn den Arbeitsagenturen erledigt werden, was hier die Zeitarbeitsfirmen an ach so wertvollem Service leisten ? Können die zaubern oder sowas ?
Warum verdienen Zeitarbeiter so i8mmens viel weniger als festangestellte Kollegen ? Wo doch die Firmen dafür pro Stunde mehr für einen Zeitarbeiter berappen (der dafür ja schneller entsorgbar ist) ? Hier wird immens abgeschöpft und das ist eine Frechheit, eine Ausbeutung ! Und warum die Politik hier wieder mal nichts geregelt bekommt können wir uns ausgiebig denken, siehe Versicherungswesen, glattwegs bestochen.
... wegen der Arbeit über 500km von zuhause weggezogen zu sein. Die 11 Jahre waren es nicht wert. Besser zuhause ohne Arbeit, nachdem dort die Mächtigen die ganze Industrie abgebaut haben, anstatt als fünftes Rad am Wagen beim "Kunden".
Neben dem auseinder klaffenden Feedback von Leiharbeitsfirma und "Kunde" wurde meine Motivation für die Arbeit beim "Kunden" im Laufe der Jahre auch immer weniger. Während interne Mitarbeiter gefördert werden, wurde man selbst nur an immer derselben Stelle "ausgebrannt".
Allerdings hätte ich selbst aufhören sollen als ich im 2. oder 3. Jahr zufällig unbeabsichtigt ein Gesprächsteil beim "Kunden" mithörte, was die verächtliche Einstellung der Oberpersonaler, ganz im Gegensatz zur Abteilung wo ich arbeitete u. meine Arbeit geschätzt wurde, verdeutlichte.
Insgesamt, es war eine krasse Fehlentscheidung von mir über diesen Weg dort anzufangen zu arbeiten.
"Vor allem in der Industrie seien teilweise ganze Belegschaften oder Niederlassungen übernommen worden."
Das heißt, ganze Belegschaften und Niederlassungen waren zuvor einzig aus Zeitarbeitern rekrutiert worden?
Ist DAS der Sinn von Zeitarbeit?
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