Sie wollen Zeit verkaufen? Im Internet? Mit dieser Idee hat ein Münchner Team einen Business-Wettbewerb der Uni Oxford auf den Kopf gestellt. Die Juroren waren so begeistert, dass sie ihnen einen Blankoscheck ausstellten.
Karl-Heinz Toni will aus Zeit Geld machen. Er will Zeit verkaufen. Mit dieser Idee hat er einen Business-Wettbewerb an der Uni Oxford gewonnen. "Es war unglaublich", beschreibt Toni, der am Institut für Informatik der TU München gerade seinen Doktor macht, den Moment der Sieger-Ehrung. Denn Toni und seine beiden Freunde und Partner, Thomas Whitfield und Richard Schreiber, haben nicht nur einfach den Wettbewerb gewonnen. Sie haben ihn glatt auf den Kopf gestellt.
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Glückliche Sieger: Karl-Heinz Toni (Mitte), Thomas Whitfield und Richard Schreiber (links). (© Foto: oh)
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Eigentlich hätte das Preisgeld für den Bestplatzierten bei 5000 Pfund gelegen. Toni und Co. gewannen mit ihrem Business-Plan einen Blanko-Scheck. Damit haben Sie nun bis zu 100.000.000 Dollar zur Verfügung, um ihre Idee zu verwirklich. Es scheint ein wahrer Geniestreich zu sein. "Das haute uns um", jubelte Theo Paphitis, einer der Juroren.
Und das ist die Idee: Sie wollen eine Webseite einrichten, auf der jedermann Platz kaufen kann. Dieser Platz ist mit einer Zeitangabe gekoppelt. Wie auf einer Pinnwand kann jeder Nutzer hinter einem Datum einen persönlichen Eintrag ablegen. Toni würde zum Beispiel als erstes seinen Eltern und Großeltern Zeit kaufen, um ihnen so für alles zu danken, was sie ihm mitgegeben und ermöglicht haben. Aber auch die Freundin würde beschenkt. Toni würde für sie gern den ersten Kuss verewigen. Oder auch Momente mit Freunden. "Es gibt so vieles, was man schon erlebt hat", sagt der Ideenproduzent. Allein mit seinen beiden Partnern zusammen sei er schon auf 5000 Momente gekommen. Wie viele wird dann erst die ganze Internet-Gemeinde zusammenbringen?
Wenn zwei oder mehrere Nutzer den selben Moment kaufen wollen, ist das kein Problem, sondern erwünscht. So soll nebeneinander stehen, was gleichzeitig auf der Welt passiert. Zum Beispiel ein Moment des Glücks junger Eltern neben schrecklichen Ereignissen.
Ein Dollar soll so ein Webseiten-Moment übrigens kosten - und das ganz unabhängig von seiner Dauer. Man soll eine Minute, aber auch Jahre kaufen können. Beginnen wird die Zeitrechnung bei den Dinosaurieren", sagt Toni.
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Die Resonanz ist ja hervorragend, da in der Nachricht eine enorme Summe ins Spiel gebracht wurde. Diese Aufmerksamkeit ist sicherlich von Vorteil. -
Aber jeder, der weiß, was ein Tagebuch ist, weiß auch, dass man seine privaten oder intimen Erinnerungen gerade nicht mit anderen teilen möchte. Als Pinwand für Ideen, Botschaften oder Werbung halte ich außerdem die Erfordernis, die Information an einen Zeitpunkt oder einen Zeitabschnitt zu binden, für zu kompliziert und erklärungsbedürftig. Die Teilnehmer werden ja gezwungen, sich irgendeinen zeitlichen Bezug zu ihrer Information auzudenken, die sie publizieren möchten. Das schränkt den Nutzerkreis sehr ein.
Die spektakuläre 1.000.000-Dollar homepage hat mit ihrem pixelweisen Verkauf von Webspace schon keine erfolgreichen Nachahmer gefunden. Wie soll dann eine Webseite, die Zeitabschnitte als Verrechnungseinheiten nutzt, auch nur halbwegs ökonomisch arbeiten? - Entweder machen zu wenige mit, weil's zu teuer wird, oder es machen so viele mit, dass man die Arbeit nicht bewältigen kann. Sehr geehrte Erfinder, sehr geehrte Jury, bitte verzeihen Sie meine Skepsis, aber bereits die Begrifflichkeit bedeutet einen irreführenden Unsinn, wenn ich den Artikel richtig verstanden habe. Die Zeit kann man ja ohnehin weder festhalten wie Goethe z.B. poetisch Faust ausriefen lässt "oh holder Augenblick, verweile doch, du bist so schön ...", noch kann man Zeit "verkaufen", indem man Teile einer imaginären und von verschiedenen Individuen zusammengestellten Chronik vermietet oder zur Verfügung stellt. Da muss man Webspace als kreativen Raum schon anders nutzen! Koordinaten von Längen- und Breitengraden zu verkaufen, halte ich da z.B. für viel realistischer - selbst in der schönen virtuellen Welt von googleearth.
Aber mal Ernst gemeint ist es für mich wichtiger was für die Umwelt zu tun.
Denn Sie geht langsam zu Grunde.
Wir tun was dagegen und haben nicht diese Art von Unterstützung,könnten es aber gebrauchen.
Ist ja toll, dass der Artikel so viel Resonanz findet. Aber langsam läuft er etwas aus dem Ruder. Worüber reden wir eigentlich?
Die Gutmenschen bemängeln die soziale Potenz der Idee und finden, die Millionen wären in humanitäre Projekte besser investiert - lieb gemeint, aber ebenso falsch wie eine Mutter, die ihr Kind ermahnt, aufzuessen, weil die Kinder in Afrika hungern müssen.
Die forschen Neoliberalen postulieren, die Idee, sei schon deshalb toll, weil es Investoren gibt, die dort Millionen reinstecken wollen. Auch das: klares Denk-Foul. Investoren sind keinen Deut schlauer als der Rest der Welt (der aber zum Glück bei Irrtümern nicht so viel geld verliert).
Die Selbstverachter verachten die Kritiker der Idee, weil sie daran die Technologie- und Ideenfeindlichkeit unserer alteuropäischen Mitbürger zu erkennen glauben. Gleichfalls Niete! Naive Innovationsbegeisterung führt zu Blasenplatzern - Skeptizismus ist ein vernünftiger Lernprozess.
reden wir doch lieber über die Idee selbst. Hat sie Potenziea? Ja? nein? Weißnich? Was meint Ihr denn so? (was ich meine? Siehe oben).
gute ideen - viele neider.
Wenn
ideen in 5 minuten am klo geboren werden
stellt sich die berechtigte frage, warum nicht dieser leser hier abgebildet ist.
bei diesem wettbewerb geht es um ideen, die ausgezeichnet werden - und die idee ist ausgezeichnet.
ich wünschen den drei sympathischen jungs alles gute ..... und noch viele weitere ausgezeichnete ideen.
die idee wurde greifbar durch den businessplan. ich freue mich auf jedenfall für die jungs und hoffe, dass die umsetzung erfolgreich realisiert wird.
es ist besser ein gewinner unter gleichen sein, als unter ignoranten zu verlieren. (mp3)
Paging