Business-Yoga im Büro Nicht alle Experten sind begeistert

Der Sportmediziner Ingo Froböse sieht das Entspannen im Turbogang aber eher skeptisch. Berufstätige dürften keinen allzu tiefen Effekt von solchen Fünf-Minuten-Übungen erwarten. "Wenn man das so reinquetscht, das ist es nicht", sagt der Professor, der am Zentrum für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln tätig ist. "Solche Übungen brauchen Raum, Zeit und Muße." Er sieht in den Business-Entspannungstechniken vor allem eine Modeerscheinung. Früher machte man Büro-Gymnastik - heute eben Business-Yoga. "Bürogymnastik klingt natürlich nicht so schick", sagt Froböse.

Inhaltlich sei beides aber oft nicht viel anders. Gerade die Idee, Yoga-Übungen zu machen, ohne sich auf den Hintergrund einzulassen, sieht Froböse kritisch. "Das ist dann nur ein bisschen Gymnastik, und das war's." Zugegeben, es mag esoterisch klingen, dass Energie durch das "dritte Auge" auf der Stirn fließt. Aber ohne diese Bilder ist Yoga vielleicht kein Yoga mehr. Froböse rät daher, Yoga oder ähnliche Techniken erst richtig zu lernen, bevor man die Kurzformen fürs Büro ausprobiert. "Nur dann macht das Sinn."

Es gebe außerdem keine Methode, die bei allen wirkt, ergänzt Windemuth. Der eine entspanne eher, indem er sich bewegt - der andere, indem er meditiert. Beschäftigte müssten daher ausprobieren, was ihnen guttut. Und damit es mit der "Acht-Minuten-Energiedusche" klappt, müssten sie erst lernen, auch so schnell abschalten zu können. Das dauere ein bis zwei Monate.

Sind Berufstätige dann tatsächlich so weit, bleibt immer noch eine Hemmschwelle: Im Großraumbüro Bäume zu umarmen oder einen Sonnengruß zu vollführen, sieht auf den ersten Blick einfach etwas peinlich aus. Solche Übungen am Schreibtisch zu machen, dürfte daher am ehesten funktionieren, wenn die Kollegen mitmachen.

Ohnehin sei es aber besser, in einen anderen Raum zu gehen, wo mehr Ruhe ist, meint Froböse. Schließlich könne niemand entspannen, wenn er ständig damit rechnen muss, dass das Telefon klingelt oder ein Kollege kommt. Außerdem helfe ein Wechsel der Umgebung beim Abschalten, erklärt Windemuth. Denn der Schreibtisch sei mit dem Gedanken ans Arbeiten verknüpft.

Bei Awai Cheung scheint das Business-Qigong jedenfalls zu wirken: Er versprüht jede Menge Energie. Dass manche seine Übungen anfangs etwas lustig finden, stört ihn keineswegs. Im Gegenteil: Es sei sogar wichtig, das Ganze mit Humor zu nehmen, erklärt er. Schließlich lockere es die Stimmung auf, wenn jemand bei einer Übung schmunzeln muss. Und Lachen gilt ja schon immer als gute Medizin.