Burn-out am Arbeitsplatz Psychische Probleme schränken jeden vierten Angestellten ein

Viele Angestellte vernachlässigen wegen seelischer Probleme ihre Arbeit. Stress und andere psychische Belastungen finden ihren Weg immer häufiger ins Privatleben der Arbeitnehmer - umgekehrt belasten die psychischen Leiden auch die Betriebe, wie eine neue Studie belegt.

Wegen psychischer Belastungen vernachlässigen Millionen deutsche Arbeitnehmer laut einer Befragung permanent oder oft ihren Job. Mehr als jeder Vierte (29 Prozent) schaffte es demnach nicht, seine Arbeit so sorgfältig wie gewünscht zu erledigen, wie aus einer in Berlin vorgestellten Studie im Auftrag des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte hervorgeht.

Verbandspräsident Wolfgang Panter forderte Chefs auf, sensibler auf ihre Mitarbeiter zuzugehen und ihnen bei drohendem Burnout die Hand zu reichen. Neben den völlig eingeschränkten Arbeitnehmern gab jeder Dritte (34 Prozent) in der Umfrage an, dass seelische oder emotionale Probleme ihn zumindest manchmal einschränkten. Nur 37 Prozent der Befragten sagten, dass solche Probleme sie nie oder fast nie im Beruf belasten.

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Ein großer Teil der Arbeitenden trägt den Stress auch mit nach Hause: 39 Prozent gaben an, sie kämen privaten Pflichten wegen des Stresses in der Arbeit kaum noch nach.

Gefragt wurden 240 Arbeitnehmer verschiedener Berufsgruppen. Die vom Forschungsinstitut GfK Mitte Oktober online durchgeführte Erhebung ist nicht repräsentativ. Sie wirft laut Panter aber ein Schlaglicht auf die deutsche Arbeitswelt.

"Die Zunahme an psychischen Erkrankungen und die damit verbundenen Fehlzeiten der Beschäftigten fordern Unternehmen und Betriebsärzte heraus", sagte Panter. Hier müsse es nachhaltige betriebliche Lösungen geben, die die gesamte Kette von Prävention, Früherkennung und Therapie bis zur Wiedereingliederung umfassten, betonten die Werksärzte. Panter sieht vor allem Führungskräfte in der Verantwortung, gefährdete Mitarbeiter frühzeitig anzusprechen. Zugleich warnte er Laien davor, den Arzt zu spielen: "Stellt um Gottes Willen keine Diagnose! Da können sie soviel kaputt machen, dass irgendwann gar nichts mehr geht." Stattdessen sollten Vorgesetzte ihren Mitarbeitern aber stets sagen können, wer ihnen bei psychischen Problemen helfen kann.

Für Betriebs- und Werksärzte seien seelische Belastungen der Arbeitnehmer ein zunehmendes Problem. Mittlerweile gäben 40 Prozent der Vorruheständler ihre Arbeit wegen psychischer Erkrankungen auf, etwa einer depressiven Störung. Dies seien etwa 70.000 Menschen unten den 170.000, die Jahr für Jahr wegen gesundheitlicher Probleme aussteigen oder ihre Arbeitszeit reduzieren, sagte Panter unter Berufung auf Zahlen des Bundesarbeitsministeriums.

Zugleich wies er darauf hin, dass Arbeit nicht nur krank machen, sondern Menschen auch gesund halten könne. Für viele sei der Job ein wichtiger Anker in ihren sozialen Beziehungen. Die Ärzte in deutschen Betrieben und Werken wollen die psychische Gesundheit künftig stärker in den Fokus rücken. Von Donnerstag bis Samstag ist es das Hauptthema beim Betriebsärzte-Kongress in Weimar.

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