Bundesfinanzhof urteilt Häusliche Arbeitszimmer sind absetzbar

Der Bundesfinanzhof hat entschieden: Wer von zu Hause aus arbeitet, darf sein Büro uneingeschränkt steuerlich absetzen. Lehrer gehen jedoch leer aus - noch.

Größerer Spielraum bei der Steuererklärung: Der Bundesfinanzhof hat zu Hause tätigen Arbeitnehmern den Rücken gestärkt. Die Kosten für Besprechungszimmer und andere ausschließlich beruflich genutzte Räume innerhalb der eigenen vier Wände können uneingeschränkt steuerlich abgesetzt werden, wie aus dem Urteil hervorgeht.

Ein häusliches Bürozimmer kann hingegen nur dann geltend gemacht werden, wenn es den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit darstellt.

Finanzgericht hält Regelung für Lehrer für verfassungswidrig

Lehrer und andere Berufsgruppen, die nur einen Teil ihrer Arbeit von zu Hause aus erledigen, gehen nach wie vor leer aus. Das Finanzgericht Münster hatte diese Regelung bereits am Montag allerdings als verfassungswidrig bezeichnet. Weil die Bestimmungen zum Abzug von Werbungskosten den Richtern zufolge gegen den allgemeinen Gleichheitsgrundsatz verstoßen, haben sie diese inzwischen dem Bundesverfassungsgericht zur Prüfung vorgelegt.

In dem am Bundesfinanzhof nun behandelten Streitfall hatte ein Kläger angegeben, die im Erdgeschoss seines Zweifamilienhauses gelegene 70 Quadratmeter große Wohnung ausschließlich für berufliche Zwecke zu nutzen. Als Angestellter verwende er die gesamte Wohnung für "Beratung, Betreuung und Verkauf". Neben einem Büro- und einem Archivraum hatte er daher auch ein Besprechungszimmer und ein Kaminzimmer als Arbeitsräume geltend gemacht.

Das Finanzgericht Düsseldorf war in der Vorinstanz zu dem Ergebnis gekommen, dass die Wohnung zwar Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit sei, dass aber nur zwei der Räume ihrer Ausstattung und Funktion nach einem Büro entsprechen. Die Aufwendungen für die übrigen Räume hätten nach Ansicht des Gerichts daher nicht als Werbungskosten abgesetzt werden können.

Das höchste deutsche Finanzgericht folgte dieser Einschätzung in einem bereits am 26. März gefällten Urteil nicht. Bei den Räumen handele es sich um eine "funktionale Einheit" - und sei damit absetzbar.

In dem anderen Streitfall vor dem Finanzgericht Münster hatte der klagende Lehrer in seiner Steuererklärung Werbungskosten für sein häusliches Arbeitszimmer geltend gemacht. Das Finanzamt lehnte dies unter Hinweis auf eine seit 2007 geltende Neuregelung jedoch ab. Bis dahin konnten Arbeitnehmer, denen für einige Aufgaben - wie etwa dem Vorbereiten des Unterrichts oder der Klausurkorrektur - kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung stand, immerhin Werbungskosten bis zu einem Betrag von 1.250 Euro absetzen. Inzwischen sind die Kosten nur noch abzugsfähig, wenn das Arbeitszimmer der Mittelpunkt der betrieblichen und beruflichen Betätigung ist.

Das Münster Gericht hält die Neuregelung für verfassungswidrig, da sie die notwendigen Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer nicht berücksichtigt. Außerdem verstoße sie gegen den allgemeinen Gleichheitsgrundsatz, das Gebot der Folgerichtigkeit und das objektive Nettoprinzip.

Das geltende Abzugsverbot benachteilige den Betroffenen im Vergleich mit Steuerpflichtigen, bei denen der Mittelpunkt der gesamten betrieblichen Betätigung im häuslichen Arbeitszimmer liege. Auch der Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine kritisiert die geltende Regelung.

Aktenzeichen: Bundesfinanzhof VI R 15/07