Kurt Hahn, deutscher Pädagoge und Jude, der während der NS-Zeit nach England emigrierte, gründete das erste UWC 1962 in Wales. Es sollte von Anfang an mehr als nur eine Schule sein. Selbständiges und kritisches Denken stehen hier auf dem Lehrplan, ebenso soziales Engagement. Einmal die Woche müssen Schüler ehrenamtlich in sozialen Einrichtungen der jeweiligen Stadt mitarbeiten. In Mostar ist es die Schule für Behinderte oder das Heim für Roma und Sinti. Für Mohammed aus dem Libanon war das anfangs ziemlich aufregend, weil er zuvor noch nie Kontakt mit einem behinderten Menschen hatte: "Das hier ist kein akademisches Programm, sondern eines für das Leben", sagt er.

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Hier funktioniert, was sonst nicht gelingen mag

Muslime und Christen leben und lernen am UWC zusammen. Offenbar funktioniert hier, was den verfeindeten Völkern in Mostar oft noch nicht gelingen mag. Vielleicht auch, weil es an die Schule nur Menschen zieht, die den alten Konflikten nichts abgewinnen können. "Der Krieg war eine dumme, kindische Sache", sagt Eddi, ein Bosnier. So viele Menschen hätten ihn mit ihrem Leben bezahlt. Eddis Eltern weigerten sich, an der Auseinandersetzung teilzunehmen. "Warum soll ich auf Freunde schießen?", fragte damals der Vater und flüchtete mit der Familie nach Deutschland, wo er sich als Lkw-Fahrer durchschlug. Längst sind seine Eltern wieder zurückgekehrt, doch Eddi vermisst seine Freunde aus Rüsselsheim. Später möchte er zum Studium wieder nach Deutschland gehen.

"Wer sich entscheidet, ans UWC zu kommen", sagt Tobias, "der muss mit allen Ethnien klarkommen, mit Bosniern, Kroaten und Serben." Der 18-Jährige ist aus Freiburg, war dort lange in der Schülermitverwaltung aktiv, ging für ein halbes Jahr nach Frankreich und bewarb sich anschließend für das UWC, weil er eine "neue Herausforderung" suchte. Die "gelebte Vielfalt im Alltag hier ist einzigartig", sagt er. Er lese nicht mehr Zeitung, weil er täglich mehr aus der Welt von seinen Mitschülern erfahre. Das sei gelebte Völkerverständigung. Aber er sagt auch: "Viele Wunden sind in Mostar noch nicht verheilt."

Große Zweifel, geringe Spendenbereitschaft

Frieden herrscht an der Schule, nicht aber in der Stadt. Auch Schulleiter Paul Regan ist skeptisch, ob sich die Dinge in Mostar schnell ändern werden. "So idealistisch bin ich nicht", sagt der gebürtige Londoner. Langfristig aber werde das College Wirkung haben, bei der jungen Generation. Regan kämpft jedes Jahr darum, Sponsoren zu finden, um die zwei Millionen Euro Jahresetat der Schule zu sichern. Mittel kommen aus dem Ausland, den Niederlanden und Norwegen.

In Bosnien-Herzegowina aber sind die Zweifel groß, die Spendenbereitschaft ist gering. Doch Regan gibt nicht auf, seine Schüler zu fördern, damit sie "Bürger für eine bessere Zukunft" werden können. So wie Mirwais. Er will in Mostar seinen Abschluss machen, in den USA studieren und dann nach Afghanistan zurückkehren, um als Friedenstifter zu wirken. Sagt es und zeigt vom Dach der Bankruine gen Osten.

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  1. Der Krieg in den Köpfen
  2. Sie lesen jetzt "Der Krieg war eine dumme Sache"
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(SZ vom 21.12.2009/holz)