Wunsch und Wirklichkeit: Die Ideen hinter der Bologna-Reform sind gut, doch die Umsetzung macht das Studium in Deutschland beinahe unerträglich - und nicht finanzierbar.
Es ist wieder einmal die alte Geschichte von Wunsch und Wirklichkeit. Es ist die Geschichte von Bachelorstudiengängen, die das alte Studiensystem ablösen und verbessern sollten. Eine Geschichte, die mit guten Zielen begann und an deren Ende nun ein Scherbenhaufen bleibt.
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Die Bologna-Reform ist gar nicht so schlecht wie ihr Ruf - an der Umsetzung hapert es. (© Foto: dpa)
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Vorweg muss gesagt werden, dass die Grundidee des Bologna-Prozesses eine gute war. Der Reformprozess, der 1999 startete, war notwendig und zukunftsweisend, das Hauptziel, die Mobilität der Studenten sowie den internationalen Wettbewerb in Hochschule und Beruf zu fördern, wichtig.
Heere Ziele, schöne Ideen. Doch leider hapert es gewaltig an der Umsetzung. Die Praxis entlarvt die Theorie. Der Alltag eines Bachelorstudenten erweist sich als direkter Kontrast zu den Beschlüssen von Bologna. Leider.
Erst kürzlich forderten die Kultusminister von den Hochschulen, den wöchentlichen Arbeitsaufwand - oder, wie wir ihn inzwischen nennen: den Workload - in den nächsten zwei Jahren auf maximal 39 Stunden zu begrenzen. Das entspricht dem wöchentlichen Arbeitspensum eines Vollzeitbeschäftigten - doch die studentische Realität hält andere Zahlen bereit: 60 Stunden Arbeitsaufwand im laufenden Semester sind keine Seltenheit.
Selbstfinanzierung? Unmöglich
Neben den Vorbereitungen für bis zu acht Klausuren am Semesterende, zahlreichen Referaten sowie wissenschaftlichen Hausarbeiten stellt sich dann noch für viele die Frage: Wie verdiene ich da noch ganz "nebenbei" meinen Lebensunterhalt für den kommenden Monat? Zwischen den täglich mehrstündigen Pflichtveranstaltungen bleibt kaum noch Zeit, die vielgepriesene Berufserfahrung zu sammeln. Selbst Dozenten und Professoren räumen ein, dass die Selbstfinanzierung neben dem Bachelor-Studium unmöglich ist, weil die Strukturen hierauf gar nicht erst ausgerichtet seien.
Wie also studiert ein junger ambitionierter Mensch innerhalb dieses Systems, in dem jede einzelne Note - von Beginn des Studiums bis zum Abschluss - zählt, wenn er sich selbst finanzieren möchte oder gar muss?
Arbeitsaufwand eines Managers
Es ist nicht möglich. In der Realität heißt das für viele: Ohne finanzielle Unterstützung von außen - seien es die Eltern oder staatliche Förderung - könnten sie nicht studieren. Das Klischee vom arbeitsfaulen Studenten hat mit dem Bologna-Prozess ausgedient. Jetzt gilt das Bild des Bildungshungrigen, der gerne arbeiten möchte, aber oft einfach nicht kann.
Der wöchentliche Arbeitsaufwand, der teilweise an das Pensum eines Managers erinnert, und die starren Strukturen der Prüfungsordnungen verhindern eines der Hauptziele der Bologna-Reform: mehr Flexibilität und Mobilität.
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"Es kann doch nicht so schwer sein diesen Satz "Muss man denn schon von vorne herein Leute vertreiben, die Angst haben nach dem Studium keinen besserbezahlten Job zu bekommen, als den, den sie jetzt schon haben könnten?" mit diesem "Ich will eine mündige Gesellschaft,[...]; in der möglichst viele Menschen studiert haben, in der möglichst viele Menschen unsere Demokratie intressiert und selbstständig mitgestallten, denn nur dann funktioniert Demokratie!" geistig in Verbindung zu bringen! "
Dann "bringe ich in Verbindung" mit:
"Weniger Studierende bzw. Leute die sich sich bilden wollen=unmündigere Gesellschaft=keine funktionierende Demokratie."
Also keine Demokratie ohne Studierte? Und zwar Studierte die gefaelligst ein Diplom oder einen Magister haben, und zwar mit 16 Stunden Wochenarbeitszeit, damit es mit dem Privatleben auch hinhaut. Finden sie das nicht ein kleines bisschen arrogant? Und ausserdem beleidigend fuer alle die nicht studiert haben und sich troztzdem fuer Demokraten halten?
Wo sind denn hier bitte Verschwörungstheorien verbreitet worden?
Ich würde ihnen ja jetzt eine Antwort geben, dies scheint mir jedoch vollkommen sinnlos zu sein, solange sie meinen Text entweder nicht gelesen oder nicht verstanden haben.
Es kann doch nicht so schwer sein diesen Satz "Muss man denn schon von vorne herein Leute vertreiben, die Angst haben nach dem Studium keinen besserbezahlten Job zu bekommen, als den, den sie jetzt schon haben könnten?" mit diesem "Ich will eine mündige Gesellschaft,[...]; in der möglichst viele Menschen studiert haben, in der möglichst viele Menschen unsere Demokratie intressiert und selbstständig mitgestallten, denn nur dann funktioniert Demokratie!" geistig in Verbindung zu bringen! Weniger Studierende bzw. Leute die sich sich bilden wollen=unmündigere Gesellschaft=keine funktionierende Demokratie. Damit habe ich jetzt doch ihre beiden Fragen beantwortet, dass nächste mal bitte trotzdem aufmerksam lesen und dadurch dann auch den Sinn verstehen.
@ blariog, Lab_re etc
Wie schon von einem anderen Kommentator gesagt, weniger jammern und Probleme bewundern sondern mehr reinhauen im Studium und danach, dann klappts auch mit dem 6-stelligen Gehalt. Und auch keine Verschwoerungstheorien schmieden...
"Ich will das nicht! Ich will ein Studium bei dem man nebenbei auch noch leben kann und damit meine ich nicht jeden Tag Party machen, aber eine gesunde(!!) Mischung aus Arbeit und Privatleben."
Dann nur zu. Aber warum soll der Rest der Gesellschaft das finanzieren?
I"ch will eine mündige Gesellschaft, die nicht die Bildzeitung als ihre Pflichtlektüre am morgen sieht; in der möglichst viele Menschen studiert haben, in der möglichst viele Menschen unsere Demokratie intressiert und selbstständig mitgestallten, denn nur dann funktioniert Demokratie!"
Was hat das mit Bachelor/Master zu tun?
Es ist schön zu sehen wie Leute immernoch den Schwachsinn glauben, den die Wirtschaft ihnen vorgaukelt: "Jeder ist seines glückes Schmied" "Erst die Arbeit dann das Vergnügen" ("Erst" ist in diesem Falle 3/4 des Lebens und "dann" die Rente) usw.
Natürlich kann man es schaffen, wenn man es denn mal zu seinem Abi gebracht hat, was bei der derzeitigen sozialen Selektion, die schon in der Grundschule beginnt, auch für viele keineswegs selbsverständlich ist, ABER! muss es denn immer am Limit sein? Muss man denn schon von vorne herein Leute vertreiben, die Angst haben nach dem Studium keinen besserbezahlten Job zu bekommen, als den, den sie jetzt schon haben könnten? Muss man es denn wirklich darauf anlegen, dass nur die "härtesten" ohne zusätzliche Hilfe (und damit auch Schulden) durchkommen? Ich will das nicht! Ich will ein Studium bei dem man nebenbei auch noch leben kann und damit meine ich nicht jeden Tag Party machen, aber eine gesunde(!!) Mischung aus Arbeit und Privatleben. Ich will eine mündige Gesellschaft, die nicht die Bildzeitung als ihre Pflichtlektüre am morgen sieht; in der möglichst viele Menschen studiert haben, in der möglichst viele Menschen unsere Demokratie intressiert und selbstständig mitgestallten, denn nur dann funktioniert Demokratie!
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