Wenn Verständnis nichts hilft
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Wie Schavan verteidigten auch die Kultusminister der Länder die neuen Abschlüsse, zeigten sich aber offen für Gespräche. In München gestaltete sich das prompt schwierig. Ein Auftritt des bayerischen Kultusministers Ludwig Spaenle (CSU) wäre anfangs fast im Geschrei der Demonstranten untergegangen. Auch in Mainz half es wenig, dass die Ministerin Doris Ahnen (SPD) "Verständnis" äußerte, dass Schüler und Studenten sich für bessere Bildung einsetzten: Ein Trupp Demonstranten drang in den Landtag ein, eine Fotoausstellung über den Volksaufstand in der DDR vom 17. Juni 1953 soll dabei beschädigt worden sein.
In Leipzig fiel der Protest zusammen mit dem Streik der Erzieherinnen; viele Kindergärten und Horte blieben geschlossen, 300 Erzieherinnen streikten, dazu kamen mehrere tausend Schüler und Studenten. In Stuttgart liefen etwa 10.000 Menschen durch die Innenstadt, unter ihnen auch Ältere, die Gewerkschaftsfahnen schwenkten. Die Studenten protestierten hier auch gegen Pläne der Uni Stuttgart, Professuren bei den Geisteswissenschaften einzusparen und sie den Ingenieuren zuzuschlagen. Die Studenten verteilten Flugblätter an die Passanten, ein Bauarbeiter am Rand der Straße las sich das alles durch und sagte: "Demokratie, des isch nix."
Auch in Düsseldorf sind nicht alle begeistert. Ein älteres Ehepaar im Café schreckt zusammen, als es die Trillerpfeifen hört: "Nix wie weg", sagt die Frau, und ihr Mann meint: "Im Zweifel sind das wieder die Perser." Es ist dann aber die Bildungsdemo mit etwa 3000 Teilnehmern, und eine Gefahr geht von ihr erkennbar nicht aus. Studentenvertreter hatten sogar vorsorglich Zettel mit Verhaltensregeln verteilt: "Haschisch oder andere verbotene Drogen" sollten die Demonstranten bitte lieber zu Hause lassen. Für den Rausch der Masse ist nun die Musik zuständig, von einem Lkw wummern die Bässe. Festivalstimmung bricht aus, als ein Song der Tech-Rap-Band "Deichkind" ertönt: "Yippie Yippie Yeah, Krawall und Remmidemmi".
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(SZ vom 18.6.2009/bön)
65. Filmfestspiele Cannes
Ich als "pubertierender wohlstandsverwöhnter" Student sage dazu:
1. Es spricht BÄNDE wie das mit der Demokratie (dazu gehört auch unabhängige Presse!) gehandhabt wird. Große Demonstrationen fanden gestern statt. Die Süddeutsche, die ich immer für gute Presse gehalten habe, hat die Frechheit, dieses Thema so zu verstecken, dass man regelrecht danach suchen muss. Das lässt den Verdacht aufkommen, dass möglichst wenig Leute informiert werden sollen.
2. Das deutsche Studiensystem ist eines der besten der Welt gewesen. Eben weil die Wirtschaft da nicht reinpfuschen konnte. Hier wird Wissen normiert. Auf einen Stand gebracht. Wissen wird zur Ware gemacht, damit wir in Konkurenz zu anderen Ländern bestehen können. Aber das gerade ist der Fallstrick, der hier aufgespannt wird. Wissen ist keine Normware. Studiengänge wie Skandinavistik, Afrikanistik, Dialektforschung und Sprachwissenschaft sind halt nicht wirtschaftlich relevant. Diese wird es in Zukunft warscheinlich nicht mehr geben. Hier geht Wissen, nein Kultur, verloren. Bachelor Studenten DÜRFEN bestimmte Kurse nicht mehr besuchen. Es ist ihnen verboten selbstbestimmt Wissen anzuhäufen. Von Wissen aber ist die Innovation und Invention abhängig. Jetzt kommen bestimmt die BWLer und sonstige Wirtschaftler, die spotten: "Ihr produziert ja gar nichts, ihr Geisteswissenschaftler, ihr wirtschaftlich unrelevanten!" Aber wir haben ja gesehen, was die Wirtschaft da produziert. Nämlich 500 000 000 000 (Nette Zahl, nicht?) Euro Schulden! Mit ein wenig Nachdenken wäre das warscheinlich abwendbar gewesen. Dann hätte man vorher eingesehen, das gnadenlose Profitgier nicht das einzige Gut ist, das es zu mehren gilt.
3. Nicht jeder Student hat reiche Eltern. Durch die Vereinheitlichung und Verschulung der Studiengänge in Verbindung mit den Studiengebühren wird nicht nur dafür gesorgt, dass ärmere Schulabgänger sich das Studium nicht leisten können und ihnen zusätzlich die Möglichkeit genommen wird, nebenher zu arbeiten. Der Stoff eines Bachelor Studenten oder modularisiert Studierenden ist so voll, das es keine Möglichkeit gibt, einen Nebenjob zu machen. Bildungselite wird in Zukunft Geldelite voraussetzen. Junge Mütter werden aus dem System geschmissen, weil sie keinen KITA Platz bekommen und so nicht weiterstudieren können. Hier geht Wissen verloren. Nur wenige Studenten werden zum Master zugelassen. Weniger als die, die ihn erreichen könnten. Hier wird Bildung aus dem System genommen. Leider geht der Platz aus...
Muss es nicht heißen: "Dem Bachelor ihm sein Opfer"???
@#bruximator:"Nein, Frau Graf, der Staat ist nicht für die Erfüllung ihrer persönlichen Lebensutopie zuständig,"
Komisch...Bei Ihnen durfte der Staat aber zahlen???
Wem wollen sie denn diesen Bären aufbinden, dass vor 30 jahren alle STudenten von morgens um 9 Uhr an in den Vorlesungen und Seminaren 8-10 STd. am Tag verbracht haben. Da haben sie wohl ihre Scheuklappen niemals abgenommen und nicht bemerkt, dass ihre Kommilitonen nicht da waren. Was man als erstes lernte (in der alten Uni-Welt) war sich den Stundenplan nur maximal so voll zu machen, dass man Inhalte in Seminaren auch tatsächlich erarbeiten kann. Dazu gehört Vor und Nachbereitung. Bei Erstsemestern war anfangs immer das Verhalten zu beobachten, dass die in jede Veranstaltung gerannt sind, weil sie von der Schule her 30 Wochenstunden gewohnt waren. Sie scheinen über das Stadium nie hinausgekommen zu sein. Es tut mir leid, was sie erzählen ist schlicht Unfug.
Selber noch zu den Bedingungen studieren für die wir demonstrieren, aber über uns schimpfen.
Faire Einstellung!
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