Die Anrufung der Pädagogik als einer Art Über-Disziplin: Wie der Wissenschaftsrat den Unterricht an der Universität retten will.
In einem guten Professor muss ein guter Lehrer wohnen, vielleicht mehr noch als in einem Studienrat. Denn diesem steht, wenn nichts anderes mehr hilft, der Lehrplan zur Seite, die Schulpflicht und die Zensur.
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Eine gute Vorlesung ist weit mehr als ein Ersatz für die eigene Lektüre - in der Realität lässt die Qualität der Veranstaltung jedoch häufig zu wünschen übrig. (© Foto: dpa)
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Jenem aber ist auf Seiten seiner Adressaten ein weit höheres Maß an Freiwilligkeit vorausgesetzt, vor allem in den Geisteswissenschaften. Er muss das Interesse erst wecken, das er danach bedient, und zwar um so mehr, je weiter es hineingeht in die Ecken und Tiefen des Fachlichen. Deswegen muss ein Professor seine Studenten mögen, er muss um sie werben, er muss auch um ihretwillen seinen Beruf ausüben wollen.
Das aber ist nur selten der Fall. In diesen Tagen hat der Wissenschaftsrat ein "Konzept zur systematischen Verbesserung der Hochschullehre" vorgelegt. Darin fordert er mehr als eine Milliarde Euro für eine "neue Lehrkultur", bei der die "Qualität in der Lehre auch anerkannt und ausgezeichnet" werde.
Die Universität als Hochburg der Bürokratie
"Das bedeutet einen Mentalitätswechsel: Leistungen in der Lehre müssen dasselbe Ansehen in Wissenschaft und Öffentlichkeit genießen wie Erfolge in der Forschung." Die Dringlichkeit, mit der hier eine radikale Verbesserung der Lehre gefordert wird, legt den Umkehrschluss nahe.
Die Lage muss schlimm sein: Die Studenten sitzen in viel zu großen Veranstaltungen, treffen ihre Lehrer nur selten und dann nur kurz, lernen die Universität vor allem als bürokratische Realität kennen, bleiben allzu oft ohne Betreuung, verlieren die Orientierung, brechen ab.
Nur - warum ist das so? Gewiss, es liegt auch am Geld, und zurecht verweist der Wissenschaftsrat darauf, dass sich die "Betreuungsrelation" zwischen Studenten und Dozenten in den frühen siebziger Jahren noch bei vierzig zu eins befand, während sie heute bei sechzig zu eins liegt.
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