Der Pisa-Schock wirkt: Alle Bundesländer haben einer neuen Studie zufolge Konsequenzen aus dem schlechten Abschneiden deutscher Schüler gezogen.
Die deutsche Schulpolitik hat sich seit dem schlechten Abschneiden in der ersten internationalen Pisa-Studie verbessert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung, welche die arbeitgebernahe Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft am Dienstag in Berlin vorstellte.
Schulunterricht: Bei der Förderung von Lernschwachen besteht noch Handlungsbedarf. (© Foto: dpa)
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Alle 16 Landesregierungen hätten die Schulgesetze in den vergangenen sieben Jahren modernisiert - allerdings in unterschiedlichem Tempo. Am konsequentesten steuert demnach Nordrhein-Westfalen bildungspolitische Ziele an, gefolgt von den Ländern Berlin, Hamburg und Hessen. Die Reformen in Bremen, Saarland und Thüringen kämen dagegen langsamer in Gang.
Die Studie "Politik-Check Schule" des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln bewertete nicht die Leistungen der Schüler, sondern die Reformpolitik. In einer Notenskala von 1 (sehr gut) bis 5 (mangelhaft) landeten alle Landesregierungen zwischen 2 (gut) und 3 (befriedigend).
In Nordrhein-Westfalen lobten die Studienautoren die Schulinspektionen. In Bayern, wo die Schulpolitik bei der Landtagswahl im Herbst eine wichtige Rolle spielen dürfte, kritisierten die Wissenschaftler eine nur "moderate Reformtätigkeit". Besonders bei der Förderung von Lernschwachen bestehe Handlungsbedarf. Viele Landesregierungen unternähmen zu wenig, um Kinder aus bildungsfernen Schichten zu fördern und Schüler vor dem Sitzenbleiben zu bewahren.
Bundesweit mangele es an Ganztagsschulen mit verpflichtendem Angebot. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft kritisierte die IW-Studie scharf, da sie die Ankündigungspolitik der Landesregierungen und nicht die wirkliche Entwicklung in den Schulen zum Maßstab der Bewertung mache.
(SZ vom 28.5.2008/bön)
Umweltstiftung WWF in der Kritik
... der Druck fängt schon an der Stelle an wo gute Hauptschüler zu schlechten Realschülern degradiert werden und geht an der von Ihnen beschriebenen Stelle weiter. An der Stelle sollte der Druck durch mehr Bekanntmachung des zweiten Bildungswegs weggenommen werden. Es ist nämlich einfach falsch das man als "NUR"Hauptschülter oder "NUR"Realschüler nichts mehr erreichen kann.
@McNelly:
Die Erfahrungen die ich mit (einem) bayerischen gymnasium habe stellt sich anders dar: Dort sind ebenfalls viel Schüler versetzungsgefährdet, die Notenschnitte sind zum Teil miserabel, in den "kleinen" Klassen schlägt das G8 voll ein die Tagesgestaltung der Schüler ost geprägt von Stress und Druck.
trotzdem glaube ich das die Hauptursache darin liegt dass zu viele Schüler aufs Gymnasium gesteckt werden die auf einer Realschule weitaus besser aufgehoben wären. Ich verstehe zwar die Angst der Eltern vor dem "zweitklassigen" Abschluss (Ein versagen der Politik es soweit kommen zulassen), trotzdem tun sie ihren Kindern keinen gefallen sie den exorbitant gestiegenen Anforderungen des Gymnasiums auszusetzen. Manche dieser Kinder erweisen sich als hartnäckig was, in verbindung mit "schwachen" Lehrern prekär wird. Diese Kinder verbringen 10-11 Jahre des Kämpfens auf dem gym. um, im schlimmsten Fall am Ende doch ohne Abitur dazustehen leider werden immer noch viel zu viele "Durchgeschleift" , da die Schulleitung oder Lehrer die mit der Empfehlung des Schulwechsels einhergehende Konfrontation mit den Eltern scheuen.
Ob diese Stiftung sich als Experte für Bildungsreformen ausgewiesen hat, ist eher anzuzweifeln. Die Sueddeutsche sollte nicht jeden Auftritt dieser sattsam berüchtigten Pressure Group mitmachen.
Gibt es denn keinen kritischen Journalismus mehr?
Reformen müssen zuerst im Kopf entstehen. Dazu braucht man einen Kopf, der alles in Betracht ziehen kann und dann versucht, das Beste für alle daraus zu machen. Nur leider fehlt es in Bayern da noch weit. Solange das Kultusministerium wenig Einsicht hat und Eltern, die sich wehren, beschimpft, kann man nicht allzuviel erwarten.
Ich weiß nicht, welche Order die Schulen im Moment haben, aber das hier eine kinderfeindliche Auslese stattfindet, ist nicht mehr von der Hand zu weisen. Angeblich gibt es sogar eine Order, das der Notendurchschnitt an Gymnasien nicht wesentlich besser als 3,5, am besten noch 4 sein darf und das in allen Fächern, sogar Kunst und Sport! Da wundert es mich nicht, dass Kinder und Eltern frustriert sind. Da es im G9 schon normal war, dass in den oberen Klassen mindestens die Hälfte der Kinder versetzungsgefährdet waren, wird es jetzt mit G8 noch kritischer. Bei meinem Sohn in der 9. Klasse gibt es Klassen, wo sogar mehr als die Hälfte versetzungsgefährdet sind. Zumindest bei uns an der Schule macht es wenig Sinn, mit dem Direktorat oder auch den Lehrern über die schlechten Ergebnisse zu sprechen. Sie weisen alles von sich, genauso wie unsere Politiker.
Nja, wenn die Studi sich nach der Ankündigungspolitik richten würde müsste Bayern ja auf den vorderen Plätzen liegen:
Lehrermangel? Gibts nicht! und Wenn doch stellen wir halt eben mal 1000 Neue ein (Gefunden hat die 1000 Lehrer bisher leider keiner).
G8 Lehrplan? Alles in Ordnung , wird angepasst (aber eigentlich ist er ja eh schon perfekt, oder?
Intensivierungsstunden? Werden beibehalten, sind ja wichtig! (haben bisher aus besagtem Lehrermangel kaum stattgefunden)
Schulfinanzen? Alles in Ordnung, die Schulen dürfen ihre Budgets selbst einteilen (Super, der Mangel darf jetzt selbst verwaltet werden, das Ministerium interessierts nicht mehr und darf von blühenden Landschaften träumen)
Grundschulehrpläne? Wieso nicht französische Lieder lernen statt Rechtschreibung üben? Wir sind schließlich global, da müssen wir uns anpassen, immerhin sprechen nur wenige Prozent der Weltbevölkerung gutes Deutsch, Analphabeten sind dagegen viele...