Bildungschancen Vorsprung durch Kinderkrippe

Der Besuch einer Krippe erhöht einer Studie zufolge die Bildungschancen eines Kindes deutlich. Etwa der Hälfte der Kinder, die eine Krippe besucht haben, gelingt später der Sprung auf das Gymnasium - von den Kindern ohne Krippenerfahrung schafft dies nur ein Drittel.

Von Felix Berth

Fragt man einen Kinderarzt der älteren Generation, ob er Krippen als Bildungsinstitutionen ansieht, wird die Antwort oft klar ausfallen: nein.

Denn aus Sicht der Mediziner ist die Krippe der Ort, an dem Kinder leicht krank werden: Schnupfen, Husten und Ohrenentzündungen verbreiten sich schnell, wenn Kleinkinder mit Triefnasen zusammentreffen. Außerdem, so die Ansicht älterer Pädiater, brauchen Kleinkinder ihre Mutter ständig, weshalb Fremdbetreuung nur ausnahmsweise akzeptabel sei.

Allerdings, die Einschätzungen wandeln sich. So hält der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte Krippen für sinnvoll, sofern sie genügend qualifiziertes Personal haben. "Im Umgang der Eltern mit ihren Kindern kommt es nicht in erster Linie auf Quantität, sondern auf Qualität an", sagt Verbandspräsident Wolfram Hartmann.

Zwei Stunden mit einer ausgeglichenen Mutter oder einem entspannten Vater seien für ein Kind wertvoller als zwölf Stunden mit einem frustrierten Elternteil. Krippen mit genügend qualifiziertem Personal können nach Hartmanns Einschätzung gerade benachteiligte Kinder unterstützen.

1000 Kinder erfasst

Dass Krippen Bildungsinstitutionen sind, betont auch eine Studie der Bertelsmann-Stiftung, die an diesem Montag veröffentlicht wird. Demnach gelingt Kindern, die eine Krippe besucht haben, später deutlich häufiger der Sprung aufs Gymnasium als anderen Kindern.

Die Untersuchung, die die Stiftung beim Institut Bass in Bern in Auftrag gegeben hat, erfasst Bildungskarrieren von mehr als tausend repräsentativ ausgewählten Kindern, die zwischen 1990 und 1995 in Deutschland geboren wurden.