"Die einen häufen Bildung an, die anderen fallen raus", sagt Eckhard Klieme, einer der Autoren des Bildungsberichts. Einige sammeln Zeugnisse und Diplome, andere sammeln Niederlagen. Die einen besuchen neuerdings schon während der Schulzeit Seminare an der Uni, die anderen schwänzen und verabschieden sich dauerhaft aus dem Klassenzimmer.

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Die Zahl der Abbrecher ist hoch - neue Bildungswege bieten aber eine "zweite Chance" .

Immer wichtiger werde eine "zweite Chance", heißt es in der Studie. Zunehmend erwerben Schüler in beruflichen Schulen die Hochschulreife, in Baden-Württemberg hat jeder dritte seine Studienberechtigung auf diesem Weg geschafft. Diese "Entkopplung von Schularten und Abschlüssen" bildet ein Gegengewicht zur ansonsten geringen Durchlässigkeit im deutschen Schulsystem.

Eine hohe Zahl an Abbrechern gibt es nicht nur in den Schulen, sondern auch in Ausbildungsbetrieben und Hochschulen. Fast jeder Vierte bricht sein Universitätsstudium ab. Neben fehlender Motivation nennen Abbrecher besonders oft "finanzielle Probleme" als Grund.

Soziale Probleme konzentrieren sich in den Hauptschulen - hier bleiben die Bildungsverlierer unter sich.

Die Schulen schaffen es nicht, soziale Grenzen zu überwinden. Paul Kaestner, Beamter im preußische Kultusministerium, schrieb in den zwanziger Jahren, es werde in den kommenden Jahren eine Aufgabe sein, die Volksschulen "aus ihrer immer noch spürbar verbliebenen Isolierung als Elemetar- und Armenschule zu befreien". Die Aufgabe besteht fort. Allen Beispielen guter Schulen zum Trotz: Die Hauptschule ist eine Elementar- und Armenschule geblieben. Der Bildungsbericht spricht von einem "Übergewicht von Schülern aus Familien mit niedrigem Sozialstatus". Besonders betroffen sind Einwandererkinder: Von ihnen besucht jeder Vierte eine Schule, in der Migranten zugleich die Mehrheit der Schüler stellen. Bei deutschen Jugendlichen ist es nur jeder Zwanzigste.

Einwandererkinder haben es doppelt schwer.

Die Wissenschaftler nutzen erstmals Daten des Mikrozensus 2005. Dort wird nicht nur die Staatsbürgerschaft erfasst, sondern auch der Geburtsort von Eltern und Großeltern. So lässt sich der Anteil der Einwandererkinder berechnen: 27 Prozent in der Gruppe der unter 25-Jährigen sind (Enkel-)Kinder von Migranten. Sie stehen auf allen Bildungsstufen schlechter da. Fast jeder Zweite junge Türke besucht eine Hauptschule, nur jeder Achte ein Gymnasium.

Selbst bei guten Leistungen haben sie es schwer: Sie bekommen seltener eine Empfehlung fürs Gymnasium und seltener eine Lehrstelle - auch wenn sie genauso gute Abschlüsse haben wie Deutsche. Dafür ist die Studierquote von Einwandererkindern, die die Hochschulreife geschafft haben, höher. Wer es so weit gebracht hat, will es wissen und geht auch zur Uni.

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(SZ vom 3.6.2006)