Von Nina Bovensiepen

Hilfe für die Sorgenkinder: In speziellen Kursen sollen Hauptschüler Ehrgeiz, Selbstbewusstsein und die Lust am Lernen entdecken.

In Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland hat sie schon begonnen, andernorts geht sie bald los, die für viele Schüler schönste Jahreszeit: die Sommerferien. Sechs Wochen frei, wegfliegen statt Mathe-Test, Freibad statt Klassenzimmer, bevor der Schultrott wieder ruft.

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Büffeln trotz Ferien heißt es diesen Sommer für 90 Hauptschüler. Der Lohn dafür soll eine bessere Zukunftsperspektive sein. (© Foto: oh)

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Oder bevor es ans Studieren geht, oder in die Lehre - oder geradewegs in die Perspektivlosigkeit. Denn etwa 100000 junge Menschen pro Jahr beenden die Schule mit keinem oder einem so schlechten Abschluss, dass sie direkt in die Arbeitslosigkeit rutschen.

Ob Frust, Gewalt, die sozialen Verhältnisse oder Faulheit die Ursache sind: Viele dieser Menschen kommen nie auf eigene Beine.

Einigen Schülern, konkret 90 jungen Menschen, die derzeit die achte Klasse Hauptschule abschließen, bietet sich in diesen Sommerferien eine Not-Ausfahrt, bevor sie womöglich in dieser Sackgasse landen.

In Hohegeiß im Harz und auf der Nordsee-Insel Sylt werden die Hauptschüler Ferien der ungewöhnlichen Art verbringen: In einem vierwöchigen Sommercamp sollen sie so viel Mut und Selbstbewusstsein sammeln, dass sie danach den Hauptschulabschluss packen, oder sogar so motiviert sind, die mittlere Reife anzustreben.

Das Konzept für die sogenannte Leuphana-Sommerakademie, wie sie korrekt heißt, hat Kurt Czerwenka entwickelt. Der Professor und Verhaltenstherapeut leitet das Institut für Schul- und Hochschulforschung an der Leuphana Universität Lüneburg.

Keine Paukveranstaltung

Das Sommercamp, das 2007 erstmals stattfand, ist keine Pauk-Veranstaltung, der Ansatz umfasst mehr. So werden zwar auch Englisch und Computerkenntnisse gebüffelt, die Jugendlichen studieren aber beispielsweise auch ein Musical ein, sie machen Bewerbungsübungen und spielen Fußball oder gehen schwimmen.

Auf die insgesamt 90 Teilnehmer kommen dabei 37 Betreuer - ein Verhältnis, vom dem Hauptschullehrer nur träumen können.

In den Feriencamps gehe es vor allem darum, die jungen Menschen aus ihrer ,"psychologisch-resignativen Einstellung'' zu reißen, sagt Czerwenka. "Die Kinder haben Power, aber die fließt in die falsche Richtung.''

Glaubt man ersten Resultaten des vergangenen Jahres, lässt sich das ändern. "Mehr als 50 Prozent der Teilnehmer streben jetzt die mittlere Reife an", sagt Czerwenka, das mache ihn "absolut stolz". 61 Prozent hätten sich schulisch verbessert, 75 Prozent hätten sich sozial weiterentwickelt.

Obwohl eine genaue Auswertung über den Erfolg des Konzepts noch aussteht, hat es schon Anhänger gefunden. Zum Beispiel die Hertie-Stiftung, die sich an der Finanzierung des Projekts der öffentlichen Hochschule beteiligt. "Hochbegabten-Förderung findet auch oft in Sommercamps statt. Wenn das für die Besten geht, muss es für die Gefährdetsten genauso gehen", sagt Michael Endres, Stiftungsvorsitzender.

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