Der achtjährige Anhar liest in einem Bilderbuch mit arabischen Texten, die englische Übersetzung steht direkt daneben. Solche Bücher gibt es an der Forest-Manor-Schule in fast jeder erdenklichen Sprache. Das ist selbst in Toronto nicht selbstverständlich. Die Schule konnte sich das nur leisten, weil sie als Modellschule einen Sonderzuschuss der Provinz in der Höhe von etwa 60.0000 Euro erhalten hat.

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Fachkräfte für einzelne Schüler

Mit diesem Geld kann sie auch mehr Fachkräfte finanzieren. So ist die Lehrerin Hanna Davidson an diesem Morgen nicht die einzige Erwachsene im Klassenzimmer. Eine Beschäftigungstherapeutin ist hier, um einen autistischen Jungen zu beobachten. An einem der runden weißen Tische sitzt auch eine Sprachlehrerin.

Und eine Lehrassistentin kümmert sich ausschließlich um Stone, einen aus China stammenden Jungen mit Verhaltensproblemen. Zusätzlich hilft eine Sozialarbeiterin Stones Familie. Alle sechzehn Schüler dieser Klasse gehören ethnischen Minderheiten an.

Schulleiterin Debbie Smith, die einen Rundgang macht, kennt fast jedes Kind beim Namen. Vor allem vergisst sie keines, das auf der "Risiko-Liste" steht: Das sind Schüler wie Stone, die zweimal im Monat im Lehrerkollegium besprochen werden, um die beste Förderung für sie zu finden. Stone kommt den Korridor entlanggeschlendert. "Das machst du schon viel besser", lobt ihn die Schulleiterin, "früher bist du immer gerannt."

Stone drückt sich wortlos an ihr vorbei. Lehrerin Hanna Davidson korrigiert ihn sanft: "Schau Frau Smith an, sie hat dir soeben ein Kompliment gemacht." In der Forest-Manor-Schule wird stets auch soziales Verhalten geübt. Das ist nicht immer leicht. Manche Kinder stammen aus Kulturen, in denen direkter Augenkontakt vermieden wird, sagt die in Jamaica geborene Lehrerin Andrea Francis. In anderen Familien verstoße Singen oder Tanzen gegen die Religion.

"Wir versuchen, allen Religionen und Bräuchen entgegenzukommen." Die Kinder sollen stolz auf ihre Herkunft sein. Es hilft, dass einige Lehrer aus Korea, Serbien, China oder Iran stammen. "Wir kennen die Situation der Kinder aus eigener Erfahrung", sagt Andrea Francis.

Auf dem Sofa in der Eingangshalle warten in der Mittagspause drei Mädchen, eines mit Kopftuch, während die anderen Schüler in der Turnhalle zu Mittag essen. Debbie Smith plaudert kurz mit dem Trio. Später, auf dem sauber gewischten Schulhof, deutet sie auf eines der grauen Wohnsilos in der Nähe. Debbie Smith hat dort Familien besucht und deren Armut kennengelernt: In den Wohnungen stehen anstelle von Möbeln nur Kisten, vor den Fenstern hängen Tücher.

Umzüge erschweren die Integration

Sobald die Neuankömmlinge ein bisschen Geld gespart haben, ziehen sie meist in ein besseres Stadtviertel. Der ständige Wechsel erschwert die Bemühungen um die Integration der Familien, bedauert Smith. Die Forest-Manor-Schule soll eine erste Anlaufstelle für Eltern und Kinder sein. Dolmetscher in 13 Sprachen stehen für sie bereit. Neben dem Lehrerzimmer haben zwei settlement workers ihr Büro, das sind vom kanadischen Immigrationsministerium bezahlte Helfer für das Einleben in Kanada.

Eine junge Frau mit Kinderwagen kommt lächelnd auf die Schulleiterin zu, Aliya Rizva aus Pakistan. Zwei ihrer Kinder besuchen die Forest-Manor-Schule, aber auch die Mutter kommt gerne hierher. "Ich kann mit den Lehrern über alles reden", sagt Aliya Rizva. Sie fühle sich wohl in der Schule. "Es ist wie ein Zuhause."

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  1. Wo Schule zur Heimat wird
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(SZ vom 03.11.2008/heh)