Gut gelaunt und eifrig

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Ibtissam M., die aus dem Libanon kommt und seit Anfang September die Grundschule besucht, macht gute Fortschritte. "In einem Jahr spreche ich vielleicht schon gut Deutsch", hofft sie. Ihr Kind finde es gut, dass sie in die Schule gehe. Nahed S., eine Ägypterin, ist ähnlich gut gelaunt und eifrig bei der Sache. Die Frauen, die bei Tanja Meier im Unterricht sitzen, sind hoch motiviert, sie haben sich ja schließlich auch freiwillig für die Elternklasse angemeldet, weil sie möglichst schnell und gut Deutsch lernen wollen.

Das Angebot ist für die Mütter kostenlos. Der Senat unterstützt das Projekt mit 18.000 Euro im Jahr. Eltern mit Migrationshintergrund können sich zum Schuljahresbeginn einfach anmelden. In einem Eingangstest werden die Mütter eingestuft. Wenn sich dabei herausstellt, dass sie Analphabeten sind, müssen sie in einem anderen Kurs erst einmal lesen und schreiben lernen.

Es sei oft nötig, ganz grundlegende Dinge zu klären, bevor man überhaupt mit dem Vermitteln von Wissen anfangen könne, sagt Cornelia Flader. Im gemeinschaftlichen Unterricht mit den Kindern erfahren die Eltern etwas über die Lerninhalte und Unterrichtsmethoden in Berliner Grundschulen. Was bedeutet Anwesenheitspflicht? Was gehört in eine Schultasche? Wozu braucht man Kinderbücher?

Das Eltern-Projekt habe schon jetzt einige positive Effekte auf den Schulalltag, sagt Direktorin Flader: "Viele Eltern haben dadurch erst ein Interesse daran entwickelt, was an unserer Schule inhaltlich passiert." Der Umgang mit den Hausaufgaben habe sich ebenfalls gebessert, da die Eltern mehr kontrollieren. "Eine gute Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule ist der Schlüssel für den Lernerfolg der Kinder" lobt der Berliner Bildungssenator Jürgen Zöllner.

Zu große Nähe vermeiden

Aber wie ist das für die Kinder, wenn die Mama plötzlich eine Mitschülerin ist? "Die Kinder hingen anfangs sehr an ihren Müttern und wollten am liebsten neben ihnen sitzen", erzählt Cornelia Flader, "wir haben sie dann auseinandergesetzt, damit sie nicht in die Muttersprache wechseln." Um allzu große Nähe zu vermeiden, sehen sich Mütter und Kinder nur an einem Vormittag.

Zum Schluss der Schulstunde, als die Mütter das Arbeitsblatt bearbeitet und noch einmal laut gelesen haben, gibt Tanja Meier die Hausaufgaben auf. Die Frauen sollen ihren Kindern ein paar Seiten aus "Oh, wie schön ist Panama" vorlesen. Und die Hausaufgabe für die Kinder lautet an diesem Tag: Den Eltern vorlesen, auch aus dem Buch "Oh, wie schön ist Panama".

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(SZ vom 21.11.2008/bön)