Bürokratiemoloch Kultusministerkonferenz
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Was spricht für einen Bildungsföderalismus? Der Gedanke, ein Wettstreit der Länder um die besten Schulformen könnte das System voranbringen, ist nur abstrakt sehr verlockend. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Die Koordination der Abschlüsse klappt in der KMK, der Kultusministerkonferenz, nur auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Die KMK ist kein kluges Steuerungselement, sondern ein Bürokratiemoloch.
Föderal ist gut, zentral ist schlecht? Ein kleines Beispiel, wie wenig diese Predigt stimmt: Seitdem die zentrale Vergabe von Studienplätzen abgeschafft wurde, bewerben sich Abiturienten wie die Weltmeister bei etlichen Universitäten - und entscheiden sich dann erst kurz vor dem Ende der Einschreibungsfrist. Das bringt für die Universitäten nicht nur enorme Planungsunsicherheiten; es werden auch Ressourcen verschleudert: Vorhandene Studienplätze bleiben unbesetzt, obwohl es Nachfrage gibt.
Keine einheitliche Stimme
Die Auswirkungen des deutschen Föderalismus in Brüssel schließlich sind, man muss es so sagen, zum Heulen. Die Wahrnehmung der deutschen Interessen in Europa "auf den Gebieten der schulischen Bildung, der Kultur oder des Rundfunks" ist durch die Föderalismusreform "vom Bund auf einen vom Bundesrat benannten Vertreter der Länder übertragen" worden (Artikel 23 Grundgesetz). Dieser Ländervertreter muss sich regelmäßig der Stimme enthalten, weil es keine einheitliche Stimme der Länder gibt. Er ist aktionsunfähig.
Das deutsche Bildungssystem braucht einheitliche Rahmenregelungen und eine solide, von Bund und Ländern gemeinsam getragene Finanzierung. Solange es diese Erkenntnis und die legislativen Schlüsse daraus nicht gibt, muss man Bildungsgipfel gar nicht erst einberufen. Der Bildungsgipfel, der seinem Namen gerecht wird, kann nur ein Gipfel zur Reform der Föderalismusreform sein.
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- Bildungsgipfel Die Macher blieben daheim 22.10.2008
- Interview zur Bildungspolitik "Bildung muss Chefsache sein" 22.10.2008
- Bildungsfinanzierung Ein magisches Ziel 22.10.2008
(SZ vom 23.10.2008/bön)
Gewalt in Syrien
"Unsere Zukunft heisst Europa, ein Europa der Regionen, der Kulturen, der Vielfalt-der Subsidiarität und nicht der nationalen Einfalt!"
Da sich aber jede bayerische Gruppe von vier Dörfern für eine eigene Region hält, dürfte es schwierig sein, dem auf europäischer Ebene Rechnung zu tragen.
Die Zukunft wird ganz sicher so aussehen, dass regionale Ausprägung stärker ins Gewicht fallen muss. Aber die Gebilde, die zu Schwächungszwecken von den Alliierten als Bundesländer installiert und bis heute von Profilneurotikern zur Einkommenserhaltung gepflegt werden, sind dafür nicht geeignet!
Ein Franke und ein Bayer unterscheiden sich nicht mehr als ein Bayer und ein Ostfriese. Innerhalb Bayerns gibt es schon viele Regionen, die für sich jeweils erlebenswert sind.
Aber dafür braucht man nicht 16 Staaten im Staat, die ein Schweinegeld kosten und untereinanter aus Gründen der Eitelkeit und Rückständigkeit mehr mauern, als das gesamte Land im Bezug auf Nicht-EU Staaten; in der Schweiz kriegt man leichter einen Studienplatz oder sogar eine Professur als in einem anderen Bundesland!
Und warum Stadtstaatchen wie Bremen oder Hamburg ein eigenes Bildungssystem haben muss, kann niemand bei Verstand plausibel erklären!
Der Föderalismus sei schuld an der Bildungsmisere. Das ist zwar eine beliebte, aber durch Wiederholung nicht richtigere Behauptung. Die noch wesentlich förderaler gestaltete Bildungslandschaft der Schweiz erbringt durchaus beachtliche Ergebnisse und die sehr zentralistische Frankreichs nicht unbedingt. Zu fragen ist auch, warum ein Kleinstaat wie Island mit halb so viel Einwohnern wie Düsseldorf laut Pisa ein besseres Bildungssystem zustande bringt als Nordrhein-Westfalen. An der Größe der agierenden Bürokratien kann es offenbar nicht liegen. Es ist die völlige Mut- und Konzeptlosigkeit der Kultusminister, die einhergeht mit undurchdachtem Aktionismus (Rechtschreibreform, G8), die unser Bildungssystem lähmt. Unser Gesundheitssystem, obwohl auf Bundesebene gestaltbar, wird ja genausowenig reformiert. Alle notwendigen Reformen werden zwischen Lobbygruppen und Wahlkalkül zerrieben. Wenn wir wirklichen Föderalismus hätten in diesem Land, dann hätte längst einmal in einem Bundesland die Dreigliedrigekeit des Schulsystems abgeschafft werden können. Aber niemand wagt es, nur eine schwarz-grüne Koalition in Hamburg geht einen halben Schritt darauf zu. Ohne Föderalismus - fürchte ich - hätten wir noch nicht einmal diese halben Schritte im Land. Aber selbst dieser Schritt wird nichts nützen, weil eingliedrige Schulsysteme nicht automatisch den mehrgliedrigen überlegen sind. Zumindest dann nicht, wenn sich diese Schulen nicht ganz klar zum Leistungsprinzip bekennen. Fördern und Fordern. Letzteres ist leider in Deutschland in Verruf geraten. eine große Koalition von Eltern, Lehrern, Wissenschaftlern glaubt Schule funktioniere nach dem Prinzip: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht naß, will heißen: die Schüler sollen etwas lernen, aber es darf nicht wehtun. Manchmal muss aber Lernen auch wehtun, z.B. wenn man Abschied nehmen muss von zu einfachen Erklärungen für die Bildungsmisere (Föderalismus). Auch verstärkte Leistungsabforderung ist nur ein Baustein ein einer beseren Bildungslandschaft.
Rudi Wedekind, Hamburg
Schafft den Bildungsföderalismus ab. Er ist träge, unflexibel und bietet Nischen für das Mittelmaß. Ich wünsche mir hochkarätige Kommissionen, die Lehrpläne gestalten, die gut durchdacht sind. Wenn man sich ansieht, wie viele unterschiedliche Lehrwerke für jedes Fach in Deutschland kursieren, kann man nur den Kopf schütteln. Zentrale Lehrpläne hieße ja nicht zwangsläufig, dass jeder dasselbe unterrichtet. Bei intelligenter Gestaltung blieben genügend pädagogische Freiräume. Die meisten Fächer haben so gut wie keinen regionalen Bezug. Mathematik ist in Niedersachsen dieselbe wie in Bayern. Die Selbstverliebtheit der Länder in dieser Hinsicht wird wirklich besonders deutlich bei Umzug über die Landesgrenzen hinweg. Lehrer werden erneut in Referendariate gezwungen und Schüler einem unnötigen zusätzlichem Anpassungsprozess ausgesetzt. Und dies in einer Zeit, in der Mobiltät als hohes Gut angesehen wird. Dezentrale Lösungen halte ich beispielsweise in der Energiepolitik für sinnvoll, weil sie sicherer sind. Richtig gute Gründe, die den überkommenen Föderalismus in der Bildung rechtfertigen, wollen mir nicht einfallen. Pluralismus versus Kakophonie.
ist es so einen Unsinn wie H. Prantl in diue Welt zu setzen - voler schamoser Uebertreibungen (Schuklwechsel wie Auswandern - man merkt dass Prantl noch nie laenger im Ausland war) und absolutem Quatsch: "Dieser Bildungsföderalismus ist praktizierte Bürgerferne". Und eine zentrale Buerokratie in Berlin die alles regelt, Stundenplaene, Stoff, Lehrerausbildung, Klassenstaerken, Examen und schliesslich auch noch den Studienplatz zuweist, das waere dann buergernah? Wenn In Berlin entscheiden wird was in Ruhpolding, Cham oder Linndau in der Schule passiert?
Apropos Studienplatz: Hier la euft Prantl dann zur Hoechstform auf. Wo kaemen wir hin wenn Studenten sich selber ihre Uni aussuchen duerfen - oder Unis ihre Studenten? Das muss zentral vom guetigen Staat geregelt werden - der schicjt dann jemand der in Munechen studieren will nach Rostock, und jemand der in Dresden studieren will nach Hamburg. Geht ja nicht dass jeder studiert wo er will. Dass Ressourcen verschleudert werden, dass keine "Planungssicherheit" herrscht etc - die Unis in den USA, Kanada, GB, und den meisten EU-Staaten kommen damit schon seit Jahrzehnten klar - nur die deutschen Unis nicht?
Foederalismus ist Vielfalt und Wettbewerb - nicht alles funktioniert 100%ig, aber es ist immer noch besser als ein "Buerokratiemoloch" in Berlin, der ein Mix aus SuperKultusministerium und Hyper-ZVS waere.
Als Lehramtsstudent im Endspurt ist es bezeichnend, wenn es nach dem Studium einfacher ist, selbst ins Nicht-EU-Ausland (Schweiz) zu wechseln als innerhalb der einzelnen Bundesländer.
Zahlreiche Bundesländer scheinen sich bei der Einstellung durch besonders divenhaftes Verhalten auszuzeichnen: Entweder man wird gar nicht genommen oder erhält als "Landesfremder" direkt mal einen Aufschlag auf seinen Notenschnitt bekommt - geht's noch? Warum nicht direkt Geschlechter/Hautfarben/... auswählen?
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