Hurrelmann: Wer in die deutsche Schule als Institutionen hinein will, muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen, sonst wird er nicht zugelassen. Das zwingt alle Lehrkräfte dazu, dass sie in einem falschen Rhythmus arbeiten und unterstellen, sie hätten eine nach Leistungsstand homogene Schülergruppe vor sich, mit der sie auf eine bestimmte Weise arbeiten können. Mit so einer Haltung blockiert man die Lehrer geradezu, auf einzelne Kinder individuell zuzugehen. Doch das kann man den Lehrern nicht vorwerfen. Sie können nicht mehr darauf achten, welcher Schüler zu ihnen kommt. Wo steht denn diese kleine Persönlichkeit, was kann sie schon, was kann sie nicht und wie muss ich sie weiterentwickeln? Solche Fragen spielen bei uns eine viel zu geringe Rolle. Wir müssen ein System schaffen, in der sich die Schule auf die Schüler zubewegt, nicht umgekehrt.
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sueddeutsche.de: Wie sollte das System Ihrer Meinung nach denn aussehen?
Hurrelmann: Bei uns wirkt sich die soziale Herkunft stark auf den Erfolg der Kinder aus. Die Kinder müssen sich im Grunde schon in der dritten Klasse der Grundschule fragen, wie es bei ihnen weitergeht. Sie müssen sich fragen, was sie sich zutrauen, wo sie hinwollen, was für Chancen sie haben. Dabei sind die Schulformen Ikonen, an denen sich die Schüler orientieren. Eltern und Kinder haben das Gymnasium vor Augen - diese Schule für Professoren und Rechtsanwälte. Da trauen sie sich nicht hinein, wenn ihre eigene soziale Konstellation ganz anders ist. Deshalb schneiden die Schüler in der Iglu-Studie besser ab als bei Pisa: In der Grundschule hat diese soziale Aufteilung noch nicht stattgefunden.
sueddeutsche.de: Eine Lösung wäre für Sie also eine Schule für alle?
Hurrelmann: Ich bin dafür, dass man die Vielgliedrigkeit mit Augenmaß abbaut. Eine Einheitsschule ab dem 1.1.2008 ist für ganz Deutschland politisch nicht durchzusetzen. Das entspricht auch nicht dem Elternwunsch. Aber man kann schrittweise dafür sorgen, dass wir nicht mehr drei, vier oder sogar fünf unterschiedliche Schulformen haben. Die Entscheidung des Landes Hamburg ist hier wegweisend, die Schulformen Haupt-, Real- und Gesamtschule zusammenzufügen und dadurch wenigsten schon mal eine Zweiklassen-Gesellschaft zu schaffen, und nicht wie heute eine drei- oder Vierklassengesellschaft.
sueddeutsche.de: Würde eine solche Einheitsschule langfristig gegenüber dem Gymnasium nicht auch verlieren?
Hurrelmann: Nein. Wenn diese Schulform neben dem Gymnasium eine eigene Oberstufe hat, in der man jeden Abschluss machen kann, dann nicht. Eine solche Schule muss zugleich modern, projektorientiert und wissenschaftsbasiert arbeiten, aber gleichzeitig eine anwendungsbezogene Pädagogik betreiben. Sie sollte nicht abstrakt nach wissenschaftlichen Disziplinen vorgehen wie es typisch für das Gymnasium ist. Dann ist diese Schule eine Chance für bildungsferne Elternhäuser. Und sie besitzt ein so spannendes pädagogisches Konzept, dass sie schließlich auch für andere Elternhäuser attraktiv ist.
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(sueddeutsche.de/lala)
Voreiliges Buch "Der Pott ist dahoam"
Meine Eltern waren beide auf der Hauptschule (was damals aber der üblichen Schulart entsprach, so wie es heutzutage das Gymnasium zu sein scheint). Ich bin aber "trotzdem" aufs Gymnasium gegangen und habe jetzt einen Doktortitel. Was sagt uns das? Es kommt nicht so sehr auf die Schulbildung der Eltern an sondern darauf, dass es ihnen wichtig ist, dem Kind eine gute Bildung zu ermöglichen.
Um es vorweg zu nehmen: Auch ich bin eines dieser Kinder hochgebildeter Eltern, die das Gymnasium besucht haben. Ist das per se ungerecht? Zugegebenermaßen habe ich meine überdurchschnittlich schnelle Auffassungsgabe von meinen Eltern in die Wiege gelegt bekommen, was meine "Startbedingungen" ins Leben sicherlich positiv beeinflusst hat. Finanziell wurde meine Leistung durch meine Eltern jedoch nicht gefördert (teure Nachhilfe etc.), da es sich um Akademiker mit geringem Einkommen handelte. Andere Kinder mussten sich sehr viel mehr anstrengen, um dieselben Ergebnisse zu erhalten, die ich dank geerbter Intelligenz gekoppelt mit hohem Leistungswillen bereits mit geringer Mühe erreichte. "Ungerecht", könnte man hier sagen...
Ausdrücklich will ich hier anmerken, dass ich für Chancengleichheit im Sinne einer Bekämpfung von leistungsunabhängigen Diskriminierung ausschließlich aufgrund von sozialer Herkunft bin. Jedoch ist eine Gleichheit der Chancen nicht gleichbedeutend mit einer Gleichheit der schulischen Ergebnisse. Ich empfinde es als Blauäugig die Fairness eines Bildungssystem zu beurteilen, indem man sich die Statistik der Gesamtbevölkerung anschaut und die Anteile an Arbeitern, Akademikern etc. in gleicher Verteilung in allen Zweigen des Bildungssystem wiederfinden will. Eine gerechte Beurteilung des Bildungssystems würde die Kinden in Bezug auf Attribute wie z.B. Intelligenz, Wissen und Leistungseinstellung testen und anschließend Rückschlüsse auf eine eventuelle falsche und damit diskriminierende Schulzweig-Einstufung ziehen!
Weshalb wird eigentlich nichts gegen das eigentliche Problem unternommen?
Der Unterricht, und dessen Inhalt....
muss ich 2007 noch Dinge wie Stanzen, Töpfern, Steinzeit, bis zum erbrechen lernen?
Wie kann es sein, das unsere Strudenten zum Teil mit veraltetem Wissen ausgestattet werden, Wissen, welches sie nie mehr brauchen, aber dann kein Excel beherschen,
oder gar glauben, das Einkristaline Werkstoffe Zukunftsmusik sind und nur Stecknadel groß im Labor gezüchtet werden können.
Wie kann es sein das Lehrer , Dozenten, noch an Stahl als ultimativen Werkstoff glauben, das diese von Einkristalinen Werkstoffen keine Kenntniss haben.
Welches Kind , student kennt moderne Fertigungsverfahren ( ausser Holzfeile, Raspel ,)
Kann es sein, das man heute noch mit Unterrichtsmaterial von 1980 arbeitet?
Prüfungen, welche seit 10 Jahren unverändert verwendet werden? (z.B. Technikerschule München)
Warum werden werden aktuelle Wissensgebiete (egal ob Geschichte, Technik, Biologie, Erdkunde Politik nicht mehr gefördert?
Es gab einen schlauen Spruch, unter den Talaren steckt der Muff von 1000 Jahren, da hat sich nichts verändert.
Schulreformen wie Abschaffung HS hin oder her.
Es bringt nicht wenn, der Inhalt gleich bleibt.
Wer denkt eigentlich auch daran, dass Sport wichtig ist? Nicht Kopf-Leistung?!
Und apropos "überakademisierung": Wir haben nicht genug Akademiker.
Das gesellschaftlich Problem liegt viel mehr im mangelnden gegenseitigen Respekt unter den 'Berufssparten'.
Die hohe Zahl an Studenten in anderen Ländern liegt daran, dass es dort keine duale Berufsausbildung gibt. Wer eine Berufsausbildung will, der besucht eine Fachschule und wird als Student bezeichnet. Würde man alle Berufsschüler in D als Studenten bezeichnen, die Berufsschule als Fachhochschulen, dann hätten wir auch in D eine hohe Studentenzahl. Aber das wäre eine Mogelpackung.
Daher sollte man nicht Ungleiches immer miteinander vergleichen.
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