Das deutsche Bildungssystem schneidet im internationalen Vergleich wieder besser ab. Das zeigt eine neue Studie der OECD, die dennoch nicht mit Kritik spart.
Im deutschen Bildungssystem zeichnet sich trotz anhaltender Schwächen eine Trendwende ab. Zu diesem Schluss kommt eine am Dienstag in Berlin vorgestellte internationale Vergleichsstudie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).
Für Grundschulen gibt Deutschland weniger aus als die meisten anderen OECD-Länder. (© Foto: ddp)
Anzeige
Demnach holte Deutschland etwa bei den Spitzenqualifikationen, also vor allem bei Universitätsabschlüssen, in den vergangenen Jahren wieder auf. Der in den 80er und 90er Jahren "angestaute Rückstand" habe aber weitem noch nicht ausgeglichen werden können. Zudem sind die Bildungsinvestitionen in Deutschland im internationalen Vergleich weiterhin niedrig.
In Deutschland gibt es der Studie zufolge nach wie vor einen Mangel an Spitzenqualifikationen. Bei den Qualifikationen im so genannten Tertiärbereich A, der hierzulande im Wesentlichen Hochschul- und Fachhochschulabschlüsse umfasst, fiel Deutschland in den 80er und 90er Jahren vom 12. auf den 20. Platz zurück. In den vergangenen Jahren zeichnete sich laut OECD aber eine "deutliche Trendwende" ab: So stieg die Abschlussquote von 16 Prozent eines Jahrgangs im Jahr 1998 auf 19,5 Prozent im Jahr 2003. Der OECD-Mittelwert liegt allerdings bei 32,2 Prozent. Die OECD mahnte daher eine weiter steigende Zahl von Hochschulabsolventen an, um international Anschluss zu finden.
Arme Grundschulen
Deutschland gibt zudem weniger als die meisten anderen OECD-Staaten für Bildung aus. Während Dänemark, Island, Norwegen, Schweden und Belgien mehr als sechs Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts in Bildung investieren, liegt Deutschland mit einem Wert von 4,4 Prozent an 20. Stelle von vergleichbaren 28 OECD-Staaten. Die geringen öffentlichen Mittel werden teilweise durch einen überdurchschnittlichen Anteil von privaten Ausgaben im dualen Ausbildungssystem kompensiert. Allerdings bleibt auch der Gesamtanteil öffentlicher und privater Investitionen am BIP in Deutschland mit 5,3 Prozent unter dem OECD-Mittel von 5,8 Prozent.
Weniger Geld als in anderen Ländern wird vor allem für Grundschulen ausgegeben. Im Primarbereich wurden 2002 laut OECD je Schüler 4537 US-Dollar aufgewandt. Damit liegt Deutschland an 19. Stelle unter 28 vergleichbaren Ländern. Für den Sekundarbereich II, also Schulen ab der elften Klasse und die duale Ausbildung, liegen die Ausgaben dagegen über dem Durchschnitt: In diesem Bereich liegt der Anteil je Schüler oder Auszubildendem bei 9835 US-Dollar.
Teure Kindergärten
Die OECD lobte besonders den Ausbau von Ganztagsschulen in Deutschland als "wichtigen Schritt", um bessere Lern- und Arbeitsbedingungen für Schüler zu sichern. So liegt der Studie zufolge derzeit etwa die vorgesehene jährliche Unterrichtszeit für einen sieben- bis achtjährigen Schüler bei 625 Stunden und damit um mehr als 160 Stunden unter dem OECD-Mittel von 788 Stunden.
Die OECD-Experten kritisierten zudem die vergleichsweise hohen Gebühren für Kindergärten in Deutschland. Der privat finanzierte Anteil der Ausgaben liegt demnach mit 25,4 Prozent deutlich über dem OECD-Mittelwert von 17,9 Prozent.
(AFP)