An deutschen Grundschulen sind fast 40 Prozent der Lehrer über 50. Im internationalen Vergleich verdienen sie mit am meisten, müssen dafür aber auch mehr arbeiten.

Das Bildungsniveau in Deutschland stagniert seit den 80er Jahren. Das zeigt eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde.

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Im internationalen Vergleich fällt Deutschland vor allem bei der Zahl der Hochschulabsolventen ab: Im OECD-Mittel schließen 30 Prozent eines Jahrganges ein Studium ab, in der Bundesrepublik nur 19 Prozent.

Internationale "Spitze" ist Deutschland beim Alter der Lehrerschaft. Laut OECD sind in Deutschland mehr als ein Drittel der Lehrer über 50 Jahre alt. In den Grundschulen sind mehr als 39 Prozent der Lehrer über 50 - so viele wie in keinem anderen OECD-Land. Fast die Hälfte der deutschen Lehrkräfte scheidet demnach in den nächsten 15 Jahren aus dem Schuldienst aus. Laut Bundesbildungsministerium bereiten sich die Länder bereits darauf vor, um Engpässe bei der Nachbesetzung zu vermeiden.

Verglichen mit ihren Kollegen in den anderen OECD-Staaten verdienen deutsche Lehrer überdurchschnittlich gut: Bei den Einstiegsgehältern von Grundschullehrern liegt Deutschland mit 38.412 Dollar (34.050 Euro) im Jahr 2001 an der Spitze vor der Schweiz; der OECD-Durchschnitt liegt bei knapp 22.000 Dollar.

Auch bei der Arbeitszeit liegen die deutschen Lehrer mit 40 Arbeitswochen jährlich vorn. Umgerechnet auf die Anzahl der Unterrichtstage und -stunden liegen sie international im mittleren Bereich.

Die im internationalem Vergleich geringe Zahl von Abiturienten und Hochschulabsolventen in Deutschland ist laut OECD-Studie mitverantwortlich für die aktuelle Wirtschaftsschwäche der Bundesrepublik. Mehr und bessere Bildung der Erwerbsbevölkerung, vor allem mehr hoch qualifizierte Nachwuchs-Akademiker, hätten in allen wichtigen Industrienationen wesentlich zur Steigerung der Arbeitsproduktivität beigetragen. "In Deutschland ist dagegen in den 80er und 90er Jahren wenig passiert", sagte Andreas Schleicher von der OECD.

Auch wenn man berücksichtigt, dass ein Teil des deutschen Fachkräftenachwuchses anders als im Ausland über eine betriebliche Lehre ausgebildet wird, gerät die Bundesrepublik nach der Studie langsam ins Abseits.

Mehr Studienanfänger

Bildungs-Staatssekretär Wolf-Michael Catenhusen sagte, der OECD-Bericht könne die deutsche Bildungspolitik "nicht beruhigen". Gleichwohl sei aber "einiges in Gang gekommen". Vor allem beim Studium gebe es eine Trendwende. Der Anteil der Studienanfänger pro Altersjahrgang sei mit der Bafög-Reform von 28 Prozent (1998) auf 35 Prozent (2002) gestiegen. Im Schnitt der Industriestaaten sind dies 47 Prozent.

Für Deutschland sieht der OECD-Bericht wegen der geringen Abiturientenzahl kaum noch Zuwachs-Potenzial. Während im OECD-Mittel 57 Prozent eines Jahrganges eine Hochschulzugangsberechtigung erwerben, beträgt dieser Anteil in der Bundesrepublik 42 Prozent.

Bei den Bildungsausgaben liegt Deutschland mit 5,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nach der Bewertung van Catenhusen und der Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Karin Wolff, "leicht" unter dem OECD-Mittelwert von 5,5 Prozent.

In der Bewertung der OECD ist dieser Rückstand jedoch "deutlich", da andere Länder klar darüber lägen. Zum Spitzeninvestor in Bildung hätten sich die Vereinigten Staaten mit einem Anteil von sieben Prozent entwickelt.

(sueddeutsche.de/dpa/AFP/AP)

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