In Nordrhein-Westfalen entscheiden die Hochschulen selbst, ob sie Gebühren einführen. Manche finden Studieren auch ohne schon "teuer genug".

Die allermeisten Studierenden in Nordrhein- Westfalen müssen spätestens im kommenden Jahr für ihr Studium bezahlen. Viele Universitäten haben gegen den heftigen Protest von Studenten Grundsatzbeschlüsse pro Gebühr gefasst oder auch schon Gebührensatzungen verabschiedet. Ein Nein zu Gebühren hat es nur an ganz wenigen Hochschulen gegeben. An mehreren Universitäten mussten wegen massiver Protestaktionen die Entscheidungen verschoben werden.

Student auf einer Demo durch Düsseldorf im Mai gegen die "Unterfinanzierung" des Bildungssystems. (© Foto: dpa)

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Alle Hochschulen, die sich bereits für Gebühren entschieden haben, wollen den vom Land gesetzten Höchstrahmen von 500 Euro pro Semester ausschöpfen.

Zu einem vorläufigen Nein zu Studiengebühren hat sich die Fern- Universität Hagen entschieden, die ihre Studenten ohnehin für das schriftliche Lernmaterial zur Kasse bittet. Im kommenden Semester will der Senat aber noch einmal neu diskutieren.

Auch an der Kunstakademie Düsseldorf sollen keine Gebühren erhoben werden. Das Kunststudium sei schon teuer genug, weil die Studenten Farbe, Leinwand und andere Materialien selbst bezahlen müssten, sagte Kanzler Peter Lynen. Außerdem würden Künstler selten reich. Ihnen solle das Leben durch Gebühren nicht noch schwerer gemacht werden.

An der Fachhochschule Düsseldorf konnte sich das Rektorat mit seiner Forderung nach Studiengebühren nicht durchsetzen. Der Senat sagte Nein. Rektor Hans-Joachim Krause will nach Angaben seiner Pressestelle aber einen neuen Anlauf starten. Die allermeisten Fachhochschulen haben sich allerdings bereits für Gebühren entschieden.

Heimliche Sitzungen

An einigen großen Universitäten wurde die Entscheidung zum Katz- und-Maus-Spiel zwischen Hochschulleitung und Studenten. Der Senat der Uni Köln "flüchtete" nach vorangehender Besetzung durch Studenten zu seiner Abstimmung ins Forschungszentrum Jülich.

Die Universität Bonn wollte die Sitzung zunächst heimlich auf ihren Versuchsgütern abhalten und wich, weil die Studenten Wind davon bekommen hatten, in ein Forschungszentrum nach Wachtberg aus.

An beiden Universitäten müssen die Studienanfänger vom Wintersemester 2006/2007 an 500 Euro zahlen. Für alle anderen beginnt die Zahlungspflicht im Sommersemester 2007.

Auch an der Heinrich Heine-Universität in Düsseldorf müssen von Sommersemester 2007 an 500 Euro gezahlt werden. In der Landeshauptstadt gilt nach Angaben der Universitäts-Pressestelle aber die Besonderheit, dass das erste Semester für alle kostenfrei ist. An der RWTH Aachen sollen ein Prozent der Gebühreneinnahmen in Stipendien für besonders begabte Studenten fließen.

Noch keine Entscheidung über die Gebühren ist an der Universität Münster gefallen. Studenten hatten die Senatssitzung gesprengt, in der abgestimmt werden sollte. Ein neuer Anlauf soll im kommenden Semester versucht werden, wenn eine neuer Senat im Amt ist. Auch an den Ruhrgebiets-Universitäten Bochum, Duisburg-Essen und Dortmund sowie an der Uni Wuppertal ist teilweise wegen der Protestaktionen von Studenten noch nicht über die Gebühren entschieden.

Weitgehend lautlos gingen die Entscheidungen zur Einführung von Studiengebühren an den Fachhochschulen über die Bühne. Viele von ihnen führen die Gebühren zum Sommersemester 2007 ein. Die Fachhochschule Köln hat ihr Ja allerdings an die verbindliche Zusage der Landesregieurung geknüpft, dass diese Zusatzeinnahmen nicht an anderer Stelle gekürzt werden.

In Nordrhein-Westfalen müssen die Hochschulen, anders als etwa in Niedersachsen, selbst über die Einführung von Studiengebühren entscheiden. Auch Bafög-Empfänger müssen Studiengebühren zahlen. Für sie wird die Rückzahlungssumme aus staatlicher Förderung plus Studiengebühr-Kredit auf insgesamt 10.000 Euro begrenzt. Alle Studierenden haben Anspruch auf ein Darlehen der NRW.Bank. Um deren Risiko abzusichern, müssen die Hochschulen ein Teil ihrer Gebühreneinnahmen in einen Ausfallfond einzahlen.

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(Foto: dpa)