Die meisten der Studenten, die hier sitzen, haben schon erste schlechte Erfahrungen beim Bewerben gemacht. Mal haben sie beim Auswahlgespräch einen Blackout gehabt. Mal sind sie gar nicht erst dazu eingeladen worden. Sie sind hier, weil sie es nächstes Mal besser machen wollen. Sie wollen sich vor allem jetzt, in Zeiten der Krise, von den anderen Mitbewerbern absetzen.

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"Total daneben, sorry"

Die Studenten haben ihre bisherigen Bewerbungsmappen schon einen Tag zuvor via E-Mail an Herrn Winkler geschickt. Hat er sich angesehen, sagt er. Und dann zeigt er auf der Leinwand vorne, wie man es nicht macht. Zu sehen ist ein Lebenslauf mit viel zukleiner Schrift und einem Foto, schwarz-weiß, auf dem ein Mann zu sehen ist. Er stützt sein Kinn auf die geballte Faust. "Dieses Foto zeigt eine Verteidigungshaltung", sagt Herr Winkler, "total daneben, sorry." Beim Foto sollte man auf keinen Fall sparen. "Man muss zu einem professionellen Studiofotografen", rät Herr Winkler. Nur der schaffe es, ein Foto zu schießen, das eine selbstbewusste Gelöstheit ausstrahle. "Schauen Sie nicht schräg oder von unten. Lächeln Sie offen und herzlich", sagt Winkler mit seiner Ratgeber-Stimme.

Bleibt eine Frage, die vor allem die Studentinnen am Tisch der Arbeitsagentur beschäftigt: Was soll man anziehen? "Business-Jacket in Grau, Schwarz, Marine, Beige, Braun. Aber bitte dezent, nicht zu modisch, aber auch nicht zu konservativ", meint Herr Winkler. Ist Rot eine Tabufarbe, will eine Germanistin wissen. Ja, ist tabu, sagt Herr Winkler.

Keine vollständigen Sätze

Jetzt soll es um die Visitenkarte eines jeden Bewerbers gehen: den Lebenslauf. Luftig sollte er gestaltet sein, rät Herr Winkler. Ein überladenes Blatt schrecke ab. Ansonsten gilt: "Wählen Sie die Daten bewusst aus. Und kürzen Sie da, wo es sinnvoll ist." Es bringe zum Beispiel nichts, als wissenschaftlicher Mitarbeiter folgenden Satz in den Lebenslauf zu schreiben: "Die Aufgabe beinhaltete die Vorbereitung der Vorlesung mit dem Microsoft-Office-Präsentations-Programm Powerpoint, das Halten der Vorlesungen sowie Abnahme, Korrektur und Benotung von Hausarbeiten und Klausuren." Das gehe auch kürzer. Herr Winkler rät, keine vollständigen Sätze zu formulieren. Was Powerpoint ist, wüssten die meisten Personaler ohnehin.

Nach dem ersten Tag des Trainings ist die Meinung der Teilnehmer gespalten. Einige finden Winkler "wahnsinnig hilfreich", andere finden: "Der lässt nur seine Ratschläge gelten und erklärt diese zum absoluten Bringer." Wie auch immer, am nächsten Tag sitzen fast alle wieder hinter den braunen Vorhängen der Münchner Arbeitsagentur. Auf dem Programm stehen noch: Online-Bewerbung und Bewerberstory. Heutzutage haben vor allem die großen Unternehmen vorgefertigte Bewerbungsformulare auf ihrer Website. Die Jobsucher haben also viel weniger Gestaltungsraum als früher. Kein selbst entworfener Lebenslauf, schon gar kein Anschreiben mehr. Und Fotos wollen sie auch immer weniger - schließlich sollen alle gleich behandelt und nicht nach dem Aussehen beurteilt werden.

Die einfache Formel: "2E2A"

Auf die Leinwand hat Herr Winkler seinen Tipp projiziert: "Reizen Sie die Online-Formulare aus. Füllen Sie alle Felder aus. Funktionieren Sie sie gegebenenfalls für Ihre Zwecke um." Die Devise sei dieselbe wie bei der klassischen Bewerbung. Herr Winkler bringt sie auf die Formel "2E2A": "Einfach und ehrlich, ansprechend und angemessen." Der Berliner Bewerbungshelfer weiß, dass dies alles recht einfach klingt. Ist es aber nicht. Am wichtigsten sei es, mit seinen Unterlagen zu überzeugen, sodass man zum Bewerbungsgespräch eingeladen werde.

Auch das klingt einfach. Vor allem in Zeiten der Wirtschaftskrise. Da sei es doch umso besser, sagt ein Politik-Student, dass er bei Herrn Winkler gelernt habe, wie man eine überzeugende Bewerbung schreibt. Vor allem der Tipp mit der Story, die man über sich selbst erzählt, hat ihm gefallen.

"Er will aus uns allen Marketing-Typen machen"

Andere Teilnehmer sind nicht so zufrieden. Einige hätten sich gewünscht, dass noch mehr auf die Bedürfnisse von Geisteswissenschaftlern eingegangen worden wäre. "Ich hatte das Gefühl, er will aus uns allen Marketing-Typen machen", sagt eine Germanistin. Herr Winkler jedenfalls ist zufrieden. Am zweiten Tag des Bewerbertrainings hatte sogar ein Student den Wirtschaftsteil einer Zeitung in der Hand. Er las einen Artikel über die Finanzkrise.

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  1. Lehrgang in Selbstlob
  2. Sie lesen jetzt Rot ist tabu
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(SZ Uni&Job/holz)