Wenn das Vorstellungsgespräch wie ein Kreuzverhör abläuft, geraten Kandidaten schnell ins Schwitzen. Dann kommt es darauf an, sich nicht in Widersprüche zu verwickeln.
"Warum sollten wir gerade Sie einstellen?" Wer im Bewerbungsgespräch auf diese Frage antwortet, dass er der Richtige für die Stelle sei, hat eigentlich schon verloren. Denn hinter der scheinbar harmlosen Erkundigung verbirgt sich eine Fangfrage, die den Bewerber überraschen soll. Der Personaler möchte keine auswendiggelernten Standardsätze aus dem Ratgeber hören. Die ideale Antwort lässt sich zwar nicht Wort für Wort zu Hause vorformulieren. Trotzdem sollten sich Kandidaten ein paar Gedanken über solche Fragen machen.
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Viele Bewerber begehen den Fehler, die eigentliche Absicht hinter einer solchen Frage nicht zu erkennen. "In der Art und Weise, wie der Betroffene erklärt, warum er für die Stelle geeignet ist, offenbart er unbewusst seine Stärken und Schwächen", sagt Bewerbungscoach Heiko Lüdemann aus Stuttgart. Mit solchen Fragen verfolgen Personaler nämlich ganz bestimmte Ziele. Zum einen wollen sie überprüfen, wie gut sich der Bewerber vorbereitet hat, zum anderen wollen sie eventuellen Lügen aus dem Lebenslauf auf die Schliche kommen.
Testfall für Stresssituationen
"Bewerber dürfen sich auf gar keinen Fall in Widersprüche verwickeln", warnt Lüdemann. Denn genau dann hake der Gegenüber nach. Gerade Fragen, die mit der Stellenausschreibung scheinbar nichts zu tun haben, eignen sich gut, um den Bewerber auf dem falschen Fuß zu erwischen. Denn auf Fragen wie "Vergleichen Sie sich mit einer bekannten Persönlichkeit aus dem 20. Jahrhundert und erklären Sie warum" können wohl die wenigsten spontan das hundertprozentig Richtige sagen. Muhammad Ali, Lisa Plenske, meine Oma - irgendwie blamiert man sich hier mit jeder Antwort. "Häufig will der Verantwortliche auch einfach nur sehen, wie der Bewerber mit einer Stresssituation zurechtkommt", erklärt der Psychologe Ernst Fay aus Bonn, der Unternehmen bei der Personalauswahl berät.
Der Klassiker unter den Fangfragen ist die Aufforderung, Stärken und Schwächen der eigenen Person zu nennen. Dabei sollten Betroffene aufpassen, dass sie nicht versuchen, dem Personaler eine Stärke als Schwäche zu verkaufen, nach dem Motto: "Die einzige Schwäche, die mir einfällt, ist mein großer Ehrgeiz." Bei den Stärken beruft sich der Bewerber idealerweise auf soziale und fachliche Kompetenzen, die er an ein bis zwei konkreten Beispielen belegen kann, rät Steffen Westermann vom Büro für Berufsstrategie in Berlin.
Nichts auswendig lernen
"Bei dieser Frage sollte man auch eine echte Schwäche nennen, die allerdings für die angestrebte Position nicht so wichtig ist", rät Fay. Auch Fragen nach dem eigenen Entwicklungspotential gehen laut Westermann in diese Richtung. "Bewerber denken da fälschlicherweise oft, es gehe um ihre Stärken, dabei will der Personaler dadurch Schwächen erkennen." Bestimmte Formulierungen vor dem Gespräch auswendigzulernen, ist keine gute Taktik. "Wenn die Antworten wie aus der Pistole geschossen kommen, wirkt das unsympathisch", warnt Lüdemann.
Eine typische Fangfrage ist auch das Erkundigen nach dem gewünschten Gehalt. "Wer nur eine Summe nennt, läuft Gefahr, sehr materialistisch zu wirken", mahnt Lüdemann. Zwar sollte der Bewerber Gehaltsvorstellungen angeben, diese aber in Bezug zu dem setzen, was er zu leisten bereit ist. Gut angebracht sei ein Zusatz wie "Ich weiß, das ist eine Menge Geld, aber ich bin bereit, meine Leistung daran messen zu lassen".
Schlagfertigkeit antrainieren
Ist der Bewerber mit einer bestimmten Fangfrage komplett überfordert, sollte er zunächst versuchen, Zeit zu gewinnen: "Wer zu Beginn des Gesprächs gefragt wird, ob er etwas trinken möchte, sollte ein Glas Wasser nehmen", rät Lüdemann. Durch einen Schluck Wasser kann man später Zeit gewinnen, um sich eine gute Antwort zu überlegen.
Außerdem sollte er die Antwort mit einem Satz einleiten wie "Das ist eine gute Frage", damit werte er nämlich den Gesprächspartner auf. Wenn die Erleuchtung komplett ausbleibt, kann man ruhig zugeben, dass einem dazu gerade nichts einfällt. Das wirke offen und ehrlich und sei immer noch besser, als gar nichts zu sagen, meint Lüdemann.
Der Experte aus Berlin rät Bewerbern außerdem, sich spaßeshalber eine gewisse Schlagfertigkeit anzutrainieren: "Das kann man gut mit Freunden oder Bekannten üben. Die denken sich unangenehme Fragen aus, auf die der Bewerber möglichst gelassen und höflich antworten muss."
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(SZ Schule und Beruf/bön)
Ich habe selbst schon auf beiden Seiten des Bewerbungschreibtisches gesessen.
Gerade die Stärken/Schwächen-Frage fand ich immer sehr wenig ergibig. Wer will schon 100fach hören "Ich bin zu ehrgeizig, zu zielorientiert, zu ungeduldig weil ich so viel erreichen will, zu budgetorientiert etc.?". Schrecklich! Erfrischend waren da Leute, die auch nur irgendwas anderes gesagt haben, Hauptsache war, sie haben nicht behauptet, gar keine Schwäche zu haben. Lieber jemanden, der zugibt nicht gerne bürokratischen Papierkram zu machen, es zur Not aber trotzdem tut als die, die behaupten, zu perfekt zu sein.
Stressinterviews mögen zwar bei einigen Unternehmen angewandt werden, sind aber für mich weder als Interviewer in Frage gekommen, noch würde ich als Bewerber bei einem solchen Unternehmen anfangen wollen. Stressfragen, die nur die Bewerber irritieren sollen, sind aber von normalen kritischen Nach-Fragen zu unterscheiden, die z.B. sicherstellen sollen, dass im Lebenslauf nicht zu viel gelogen wurde.
Als Bewerber lasse ich es mir zudem nicht nehmen, den Personalern kritische Fragen zu stellen, auch solche, bei denen es ebenfalls weniger auf den Inhalt als auf die Reaktion ankommt (z.B. Wenn Sie an meiner Stelle wären, würden Sie sich für diese Position entscheiden? Würden Sie selbst noch einmal hier anfangen? Was ist Ihre Führungsphilosophie? Wie reagieren Sie auf Über- und Unterperformance? etc.).
Seit einigen Jahren spriessen Bewerber Coachings aus dem Boden wie Unkraut. Ein zeichen dafür, dass etwas falsch läuft. Gebriefte Kandidaten erhalten einen Job, die anderen, die auf Ehrlichkeit setzen, eher nicht.
Zwar wird auch bei den Trainings gepredigt, sich möglichst natürlich zu verhalten, aber es wird dort klar, der Personaler will grundsätzlich belogen werden. Einen blütenweißen Lebenslauf hat keiner. Viele mußten Unternehmen "betriebsbedingt" verlassen, viele haben längere Phasen der Arbeitslosigkeit hinter sich. Also werden Erfolgsmeldungen aus solchen Phasen herbeigezaubert. Befreundete Unternehmer stellen Zeugnisse an einen Freelancer für nie dagewesene Projekte aus, das Arbeitnehmerverhältnis wird künstlich verlängert. Zwar haben auch Lügen ihre Grenzen, aber in solchen Fällen bewegen wir uns schon am Rande der Dreistheit.
Fazit: Die Personalabteilungen der Firmen bestimmen selbst, ob sie belogen werden wollen oder nicht. Das sich das letztendlich auf das Arbeitsklima auswirkt und auf die Erfolgsstory eines Unternehmens, darf angenommen werden. Auch Zertfikate über den besonders sozialen Status eines Arbeitgebers werden spätestens im Bewerbergespräch auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft.
Dieser ganze Hokus Pokus dient in den meisten Fällen nur der Unsicherheit der Peronalchefs. Sie trauen sich nicht mehr, selbst die Verantwortung zu übernehmen. Haben Angst, auch mal einen Fehlgriff zu tun, für den sie dann die Verantwortung übernehmen müßten. Stattdessen wälzen sie die Verantwortung lieber auf mehr Zutrauen in seltsame Testaufgaben als in die eigene Urteilsfähigkeit. Es gibt sehr viele unterschiedliche Aufgabenbereiche. Auf jeden Fall sehr viel mehr als es Testaufgaben gibt. Und jeder Mensch hat seine eigenen Strategien seine Arbeitsaufgabe zu lösen, und dabei auch seine individuellen Schwächen durch kompensatorische Strategien auszugleichen. Personalchefs, die nur noch auf weltfremde oder kryptische Auswahlmethoden setzen, verdienen einfach nur unsere Verachtung. Und Unternehmen die auf Personalchefs mit "Auswahl-Gehhilfen" setzen, sollten besser gemieden werden, wenn man es sich leisten kann.
@chewbacca0815:
Mir fällt zu dieser Frage nur eine Gegenfrage ein: "Was schwebt Ihnen vor, dass ich jetzt richtigerweise zu sagen hätte?" - Das aber hieße: Enemenmuh und raus bist du.
Diese Frage ist schon von daher lächerlich, weil man mangels Auswahlmöglichkeit nur in den seltensten Fällen sich auf einen Job bewirbt, für den man sich unumschränkt begeistern kann. Wie er sich dann gestaltet, kann doch erst die Praxis zeigen.
Ja, aber was antworte ich denn auf die Aufforderung, mich mit einer Persönlichkeit des 20.Jahrhunderts zu vergleichen und das zu begründen?
Meine spontane Reaktion, garniert mit einem netten Lächeln: " Beim besten Willen niemand - ich bin einmalig", wird mir sicherlich sofort als zu kess und arrogant ausgelegt - oder?
Also wie kann ich's besser machen?
Paging