Keine Eigelbflecken auf dem Anschreiben, ein guter Anzug und Höflichkeit - leider keine Selbstverständlichkeit. Wie Bewerber Chefs zur Verzweiflung bringen.
Bloß nicht gewöhnlich sein! Auffallen um jeden Preis! Aus der Masse herausstechen! So lautet das gängige Credo der Karriereratgeber. Schließlich soll der Bewerber in der Masse herausstechen und der Personalabteilung auffallen. Wer normal und langweilig ist, hat bei der Jobsuche angeblich nur schlechte Chancen.
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Diese Ratschläge nehmen manche Bewerber leider allzu ernst - und schießen übers Ziel hinaus, wie eine Umfrage unter Führungskräften und Personalentwicklern offenbarte. Darin berichteten Manager von einem Bewerber, der zum Vorstellungsgespräch seine Mutter zum Händchenhalten mitbrachte.
Allergische Reaktion auf Serienbriefe
Ein anderer Kandidat zündete sich ohne zu fragen eine Zigarette an. Ein dritter sorgte für einen garantiert unvergesslichen Auftritt, als er auf die Erläuterung des gängigen Dresscodes im Unternehmen antwortete: "Ach wissen Sie, im Jogginganzug fühle ich mich wohler."
Doch auch mit deutlich weniger originellen Patzern gelingt es Bewerbern, sich ins Abseits zu stellen und ihre Chancen auf den Traumjob zu vermasseln. So reagiert jeder Personaler allergisch auf Serienbriefe und Massenanschreiben.
"Das ist ein Zeichen für Nachlässigkeit und mangelnde Wertschätzung", bestätigt Alfred Quenzler, Leiter Personalmarketing bei Audi. Des Öfteren hat er Mappen auf dem Tisch, denen ein Anschreiben beiliegt, das eigentlich an BMW oder Opel gerichtet ist. "So etwas sortieren wir gleich aus."
Bei Rechtschreibfehlern, ebenfalls eine sehr beliebte Fehlerquelle, ist Quenzler jedoch nicht ganz so streng. "Ein Flüchtigkeitsfehler kann schon mal passieren." Wenn eine Bewerbung allerdings vor Verschreibern strotze, werde es eng für den Kandidaten.
"superbiene3@yahoo.com"
"Audi ist ein addraktiver Arbeitgeber" - der Autor dieser Zeilen, offensichtlich ein fränkischer Bewerber, hatte zum Beispiel keine Aussicht auf Erfolg. Und das nicht nur wegen der lautmalerischen Schreibweise: "Wir bekommen etwa 66.000 Bewerbungen pro Jahr", erklärt Quenzler. "Was wir wirklich nicht mehr sehen können, sind solche Floskeln."
Sein Rat an alle Jobsuchenden: sich nicht zu sehr an der Ratgeberliteratur orientieren - sonst klingen alle Kandidaten gleich und austauschbar. Das Anschreiben müsse transportieren, dass sich ein Bewerber wirklich für das Unternehmen interessiere und sich schon mit ihm beschäftigt habe.
Doch auch mit einer makellosen Mappe hat ein Bewerber noch lange keine Garantie auf seinen Traumjob. Wer das perfekte Anschreiben inklusive tollem Foto und gelungenen Arbeitsproben von der E-Mail-Adresse "fussballgott@web.de" oder "superbiene3@yahoo.com" absendet, für den endet die Karriere schon, bevor sie überhaupt begonnen hat.
Auf der nächsten Seite: Warum Bewerber auch in kreativen Branchen großen Wert auf Formalitäten legen sollten und auch dort weniger Kreativität manchmal mehr ist.
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Entspannter Vierbeiner
Pie and Mash!
Überschrift eines Stellengebotes "Diplom-Chemiker" (Hochschulabsolvent), gesucht wurde aber ein Laborant (Ausbildungsberuf).
Diese psychologischen Spielchen sind altbacken und schlicht unangemessen. Ich würde höflich zurück fragen, welchen Zusammenhang das "Gewicht Manhattans" mit dem Arbeitsplatz besteht. Die allerdümmste Frage ist "warum soll ich Sie einstellen". Man kann darauf nur süffisiant antworten und andeuten ob man fragen solle "warum soll ich bei Ihnen anfangen?".
Die Süddeutsche Zeitung sollte aufhören, sich zum Briefträger solch unprofessioneller Arbeitsweisen zu machen und das auch noch als wertvolles Wissen anzupreisen
auch nett: Frage der Personalerin einer Multimedia-Agentur: "Welche Internetseiten gefallen Ihnen denn gut?"
Bewerber: "Internet ist nicht so mein Ding. Hab gar keinen Anschluss. Fernsehen hab ich auch keins."
Alles alte Hüte..
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