Noch immer wählen Firmen Mitarbeiter mit unsinnigen Aufgaben und Fragen aus. Berater Uwe Schnierda über Höhlendilemmas, Heißluftballontests - und erfreulichere Trends.
sueddeutsche.de: Herr Schnierda, wie suchen Personalabteilungen im Moment nach guten Leuten? Gibt es neue Trends auf dem Recruitingmarkt?
Bewerber im Heißluftballon: Welcher Kandidat muss springen - wer darf bleiben? (© Foto: iStock)
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Uwe Schnierda: Ja, wir können im Moment drei große Trends ausmachen. Der erste ist: Unternehmen achten wieder mehr auf die Persönlichkeit der Bewerber. Deshalb versuchen sie, in neuen Tests individuellen Stärken und Schwächen besser als bisher auf die Spur zu kommen und nicht nur das Fachwissen der Kandidaten kennen zu lernen.
sueddeutsche.de: Wie sehen diese neuen Tests aus? Kann man Persönlichkeit überhaupt abfragen?
Schnierda: Das ist tatsächlich ein großes Problem. Viele Firmen sind sich noch nicht einmal darüber einig, was Persönlichkeit überhaupt ist. Deshalb machen sie es sich leicht und sagen einfach: Persönlichkeit ist das, was unser Test misst. Generell lässt sich aber sagen, dass Unternehmen von den harten Assessment Centern abkommen und lieber sogenannte Kennenlern-Tage veranstalten. Das ist für Bewerber natürlich ebenfalls stressig, denn auch dort müssen sie sich präsentieren und Aufgaben bewältigen, aber das läuft in einer netteren Atmosphäre ab. In Gruppendiskussionen oder in simulierter Projektarbeit prüfen Firmen etwa die Kommunikationsfähigkeit der Kandidaten, oder auch, ob sie Kritik üben und annehmen können.
sueddeutsche.de: Was sind die anderen beiden Trends?
Schnierda: Bei Unternehmen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass nicht jeder Kandidat gleich gut sein kann, sie beachten heute mehr die individuellen Stärken. Außerdem wollen sie sehen, dass ein Bewerber motiviert ist. Es reicht nicht mehr, auf die Fragen: "Warum wollen Sie ausgerechnet diesen Beruf ausüben, und warum wollen Sie ausgerechnet zu uns?" einfach zu antworten: "Der Job macht mir Spaß, und ihr Unternehmen hat einen guten Ruf." Da muss schon mehr kommen.
sueddeutsche.de: Was denn?
Schnierda: Konkrete Beispiele kommen immer gut an. Jeder kann behaupten, er sei motiviert. Aber nicht jeder kann konkret begründen, warum ausgerechnet diese Stelle sein Traumarbeitsplatz ist. Wer bereits Praktika absolviert, zusätzliche Informationen im Internet recherchiert oder ein ganz persönliches Erlebnis gehabt hat, das ihn mit einer Firma oder einem Beruf verbindet, sollte das sofort erzählen. Damit sammeln Kandidaten Pluspunkte.
sueddeutsche.de: Das heißt, die Zeit der Stressinterviews und unlösbaren Aufgaben ist vorbei?
Schnierda: Leider noch nicht ganz. Uns kommen immer wieder wilde Geschichten zu Ohren. Es gibt einige beliebte Aufgaben und Psychotests, die Personalabteilungen offenbar witzig finden, jedoch völlig berufsfern sind und für Bewerber schrecklich.
sueddeutsche.de: Welche Aufgaben sind das?
Schnierda: Kandidaten werden zum Beispiel oft mit dem Höhlendilemma konfrontiert: Sie sollen sich vorstellen, mit einer Gruppe in einer Höhle eingeschlossen zu sein. Es dringt Wasser ein, der Pegel steigt und steigt. Die Rettungsmannschaft kann jedoch nur eine einzige Person retten. Die Aufgabe lautet dann: Überzeugen Sie alle anderen davon, dass sie die wichtigste Person der Gruppe sind, die unbedingt gerettet werden muss.
sueddeutsche.de: Wer die größte Klappe und die lauteste Stimme hat, gewinnt?
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Nationalteam vor der EM
"Ein Bewerber kann sich bei solchen Gelegenheiten auch ein gutes Bild vom Unternehmen machen. Die entscheidende Frage lautet doch: Will man bei einer Firma arbeiten, die auf Aggressivität setzt und Tests von vorgestern durchführt?"
Ich glaube, das wird oft vergessen. Auch, wenn man einen Job unbedingt haben möchte, muß man nicht alles mitmachen. Wenn ich an einer Übung Spaß habe und sogar einen Sinn in ihr erkennen kann, ist es ja OK, "durchzuhalten". Aber wenn man sich selbst bis zur Unkenntlichkeit verbiegen muß oder eine Testreihe einfach nicht als (er)tragbar empfindet, sollte man meiner bescheidenen Meinung nach tatsächlich abbrechen. Und zwar nicht mit der Einstellung "Ich kann das nicht, ich bin unfähig!", sondern mit "So einen Unsinn mache ich nicht mit."
Augenhöhe ist das Zauberwort.
Seit 1992 vermitteln Christian Püttjer (links im Bild) und Uwe Schnierda ihr Expertenwissen rund um die Themen Bewerbung, Karriere und Rhetorik in Seminaren, Workshops und Einzelberatungen. Von begeisterten Seminarteilnehmern aufgefordert, ihre Strategien und Tipps in Buchform zu veröffentlichen, haben die Karriereexperten bisher 32 Ratgeber ... veröffentlicht.
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Na ja, ich dachte, ein Zitat aus einem Smokey-Cover-Song, bei dem noch dazu das böse Wort abgekürzt ist, wäre OK. Ich schätze, das war der Grund für die Löschung. Ansonsten wüsste ich nicht, was es darüber zu reden gäbe.
Grüße
MagNix
Lieber MagNix,
wenn Sie freundlich auf deutsch nachfragen, können wir darüber reden.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Moderator
Diese Frage hatte ich auch gestellt. Hat aber leider der Moderation nicht gefallen und wurde gelöscht.
"Berater" ist er, steht in der Überschrift; na, wenn das nicht reicht...
Meine Nachbarin ist auch "Beraterin", "Avon-Beraterin" sogar.
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