Bewerbung: Worauf Personaler achten:Lebenslauf - am liebsten lückenlos

Alles Wichtige auf einer Seite: Der Lebenslauf eines Bewerbers ist seine bedeutendste Visitenkarte. Personaler aus großen deutschen Unternehmen verraten, worauf sie besonders achten.

Maria Holzmüller

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(Foto: Microsoft)

Alles Wichtige auf einer Seite: Der Lebenslauf eines Bewerbers ist seine wichtigste Visitenkarte. Personaler aus deutschen Unternehmen verraten, worauf sie besonders achten. Georg Bachmaier, Leiter Recruiting bei Microsoft: "Es bringt nichts, wahllos Praktika aufzuzählen." Im Lebenslauf kommt es vor allem darauf an, die Qualifikation für eine Stelle zu belegen. Er sollte für jede Bewerbung individuell angefertigt werden und auf das jeweilige Unternehmen abgestimmt sein. Daran denken viele Bewerber nicht. Es bringt nichts, wahllos alle Praktika aufzuzählen. Wichtig ist vor allem die Berufserfahrung, die für die jeweilige Stelle relevant ist. In dieser Hinsicht muss ein roter Faden erkennbar sein und der Lebenslauf muss sich fließend lesen. Rechtschreibfehler sind natürlich ein No-go.

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(Foto: Roche)

Bettina Marcinkowski, Head of Recruiting and Personnel Marketing bei Roche Diagnostics: "Die aktuelle Tätigkeit sollte ganz oben stehen." Der Lebenslauf sollte auf die amerikanische Art verfasst sein, das heißt die aktuelle Tätigkeit sollte ganz oben stehen. So können wir in der Personalabteilung leichter erkennen, was ein Bewerber gerade macht. Der Lebenslauf sollte übersichtlich sein, wir wollen nicht lange nach den wichtigen Informationen suchen. Zu jeder Tätigkeit sollte der Firmenname und der Arbeitsort genannt werden - und drei bis fünf Hauptaufgaben aufgezählt werden. Wenn jemand nur schreibt, er war als Projektmanager tätig, dann kann das alles oder nichts bedeuten. Dann sollte schon mehr dabeistehen, zum Beispiel wie groß das Projekt war. Insgesamt sollte der Lebenslauf nicht länger als zwei oder drei Seiten sein. Wenn jemand Lücken im Lebenslauf hat, sollte er sie auf jeden Fall erklären. Es ist keine Schande, eine Zeitlang arbeitssuchend gewesen zu sein - das sollte auch so geschrieben werden. Auch die Sprachkenntnisse sollten genauer definiert werden: Handelt es sich um Grundkenntnisse oder kann jemand fließend sprechen?

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(Foto: Audi)

Michael Groß, Leiter Personalmarketing bei Audi: "Nicht immer führt der geradlinigste Weg zum Ziel." Eine Bewerbung dient zunächst dazu, grundsätzliche Informationen über einen Menschen zu erhalten und Stellenprofile mit dem Profil des Bewerbers abzugleichen (Matching). Der erste Blick fällt auf den Lebenslauf, in dem ein roter Faden erkennbar sein sollte. So bestätigen zum Beispiel naturwissenschaftliche Abiturfächer die Wahl eines technischen Studiums und schließlich den Einstieg in einen technisch ausgerichteten Beruf. Doch man kann in seiner Bewerbung ruhig auch angeben, dass man zwischendurch in andere Themenbereiche hineingeschnuppert hat. Denn nicht immer führt der geradlinigste Weg zum Ziel. Auch Umwege können den Erfahrungshorizont erweitern und eine Entscheidung für einen Beruf bestätigen.

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(Foto: Allianz)

Renate Weber, Referatsleiterin Personal bei der Allianz Deutschland AG: "Ich achte auf die Dauer der einzelnen Stationen." In erster Linie muss der Lebenslauf die fachlichen Voraussetzungen erfüllen, die wir in der Anzeige ausgeschrieben haben. Hierzu überprüfe ich insbesondere die letzten Positionen sowie die Ausbildung. Darüber hinaus achte ich auf die Dauer der einzelnen Stationen und ob der Lebenslauf Lücken enthält. Letzteres ist zwar kein Knock-out-Kriterium, wird aber im Vorstellungsgespräch angesprochen.

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(Foto: Deutsche Bank)

Kristina Flügel, Leiterin Resourcing Deutschland bei der Deutschen Bank: "Kurze Beschreibung der Aufgabenschwerpunkte" Wir analysieren den Lebenslauf als Ganzes. Das reicht von der Theorie in Ausbildung und Qualifikation - Schulabschluss und Studium einschließlich der Noten - über Praktika, bisherige berufliche Tätigkeiten bis hin zu Zusatzqualifikationen wie etwa Weiterbildungen. Wir wünschen uns von den Bewerberinnen und Bewerbern einen Lebenslauf, der chronologisch und übersichtlich ist. Eine kurze Beschreibung der Aufgabenschwerpunkte aus den einzelnen Tätigkeiten ist ebenfalls ein Pluspunkt. Natürlich achten wir auch darauf, dass Lücken im Lebenslauf dokumentiert und erklärt werden. Wenig Freude haben wir an Lebensläufen im Fließtext, mit kleiner Schrift oder großen Lücken, die nicht erklärt werden.

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(Foto: Daimler)

Angela Titzrath-Grimm, Head of Executive Management Development bei Daimler: "Gute Englischkenntnisse sind Voraussetzung." Bei Daimler achten wir auf die schulischen, beziehungsweise fachlichen Voraussetzungen der Bewerber und wägen ab, ob diese zu der zu besetzenden Stelle passen. Hierzu zählen auch Auslandsaufenthalte, Praktika sowie außerschulisches und universitäres Engagement. Daimler ist ein internationaler Konzern, der in fast allen Ländern der Welt vertreten ist. Deshalb sind gute Englischkenntnisse und ein Verständnis für andere Kulturen eine Voraussetzung, um auch international mit Kollegen erfolgreich zusammenarbeiten zu können.

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(Foto: BCG)

Christian Greiser, Partner bei der Unternehmensberatung Boston Consulting Group, verantwortlich für den Bereich Recruiting: "Was zählt, sind die Fähigkeiten." Vielfalt ist uns wichtig, daher spielt die Fachrichtung des Studiums eine untergeordnete Rolle. Maschinenbauer arbeiten ebenso bei BCG wie Biochemiker oder Geophysiker. Was zählt, sind die Fähigkeiten des Mitarbeiters: Analytisches Denkvermögen ist für die Arbeit als Strategieberater bei BCG ebenso wichtig wie ausgeprägte Kommunikationsstärke und eine starke Persönlichkeit. Uns interessieren Menschen, die Neugier und eine schnelle Auffassungsgabe mit einer hohen Lernbereitschaft verbinden. Wir erwarten, dass Bewerber die Universität mit ausgezeichneten Noten abgeschlossen haben, über erste Praxis- und Auslandserfahrung verfügen und sich auch außerhalb des Studiums engagiert haben - egal, ob sie sich für ein Entwicklungshilfeprojekt eingesetzt haben oder mit dem Orchester vor großem Publikum aufgetreten sind.

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(Foto: Bosch)

Nicolet Eglseder, Leiterin der Nachwuchsprogramme bei Bosch: "Stellt der Bewerber Engagement neben dem Studium heraus?" Der Lebenslauf sollte strukturiert aufgebaut sein und ein stimmiges Gesamtbild liefern. Wir fragen uns: Nutzt der Bewerber die Möglichkeit, zusätzliche Tätigkeiten neben dem Studium oder der Ausbildung herauszustellen, etwa gesellschaftliches Engagement, Ehrenämter oder eine Vereinstätigkeit?

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(Foto: BMW)

Michael Albrecht, Leiter Recruiting bei BMW: "Lücken sollten erklärt werden." Der Lebenslauf sollte chronologisch aufgebaut sein, so ist er einfacher zu lesen. Er sollte lückenlos sein, und falls er Lücken hat, sollten sie erklärt werden. Wenn sich jemand drei Monate Auszeit genommen hat, ist das nicht schlimm, aber er sollte es nicht verschweigen. Wichtig ist, dass die Fachkenntnisse nachgewiesen werden - über Praktika oder Abschlussarbeiten.

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(Foto: privat)

Silke Kreuter, Ausbildungsleiterin bei der Landesbank Berlin: "Inhaltlich sollte alles aufeinander aufbauen." Der Lebenslauf ist besonders wichtig, wenn wir Mitarbeiter mit Erfahrung suchen. Inhaltlich sollte alles aufeinander aufbauen, beginnend mit der letzten Station, das erleichtert den Überblick. Und es dürfen keine Lücken erkennbar sein. Das provoziert Nachfragen, schlimmstenfalls wird die Bewerbung aussortiert.

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