Lückenlos ist nicht alles: Der Lebenslauf will den potentiellen Arbeitgeber informieren - manche Details sollten Bewerber trotzdem für sich behalten.
Der Lebenslauf soll informieren - zu viele Details können der eigenen Bewerbung jedoch schaden. Stellensuchende sollten deshalb im Bewerbungsschreiben nicht zu persönlich werden. "Ich rate davon ab, den Familienstand überhaupt zu erwähnen", empfiehlt Svenja Hofert, die in Hamburg als Karrierecoach arbeitet. "Der Arbeitgeber darf das nicht verlangen. Und es ist zumindest in größeren Unternehmen auch nicht üblich, danach zu fragen", sagt Hofert.
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Gerade Frauen sollten sich an dieser Stelle bedeckt halten. Die Hoffnung darauf, dass der Hinweis, noch ledig zu sein, Flexibilität signalisiere, sei eine "Milchmädchenrechnung", sagt die Expertin.
Die Angabe "Familienstand: geschieden" sei möglicherweise sogar kontraproduktiv, weil sie als Hinweis auf ein persönliches Scheitern gedeutet werden kann. Bewerbungstechnisch am verfänglichsten sei allerdings der Hinweis, als junge Frau zwar bereits verheiratet zu sein, aber noch keine Kinder zu haben. Das könnten Personalchefs so deuten, dass mit baldigem Nachwuchs zu rechnen sei. Arbeitgeber, die nur sehen, dass die künftige Mitarbeiterin in Elternzeit gehen könnte, sortierten solche Bewerberinnen womöglich aus, sagt Hofert.
Kinder verschweigen
Bewerberinnen, die bereits Mutter sind, sollten das am besten auch nicht angeben: "Ich würde Kinder nur erwähnen, wenn das Einfluss auf die Arbeit haben könnte." Taucht in den Unterlagen kein Hinweis auf Nachwuchs auf, darf es aber nach der Einstellung auch tatsächlich keine Probleme geben - etwa, weil die Mutter regelmäßig früher als die Kollegen gehen möchte, um ihr Kind aus der Kita abzuholen.
Aber auch in diesem Fall rät Hofert, Kinder zumindest im Bewerbungsschreiben unerwähnt zu lassen. Sonst verschlechterten sich die Chancen auf die Stelle häufig. Besser sei es, den Nachwuchs erst im Vorstellungsgespräch zum Thema zu machen, falls einem das sinnvoll und nötig erscheint.
Heikles Thema: Fotos
Ein heikles Thema ist oft das Bewerbungsfoto. "Es gibt Personaler, die sagen 'Das brauche ich gar nicht'", erläutert Hofert. "Aber viele andere wollen eins sehen." Eigentlich sei das Foto in Bewerbungen längst überflüssig.
"In anderen Ländern sind Bewerbungen ohne Foto längst üblich." Aus Sicht der Karriereberaterin hat das auch Vorteile: Fotos verleiteten zu Kurzschluss-Entscheidungen nur aufgrund des ersten Eindrucks.
Schlechte Karten für Gesichtslose
Andererseits sei es auch ein Risiko, das Foto einfach wegzulassen. Das gilt nach Hoferts Erfahrung vor allem für Branchen und Berufe mit viel Kundenkontakt. Wer da aufs Foto verzichtet, müsse damit rechnen, gegenüber anderen Bewerbern schlechtere Karten zu haben. In jedem Fall sollte das Bewerbungsfoto möglichst neutral und gerade nicht persönlich sein: "Auch ein neutraler Hintergrund empfiehlt sich", sagt Hofert. "Man lässt sich nicht im Garten fotografieren - es sei denn, man bewirbt sich als Gärtner."
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(sueddeutsche.de/dpa/holz)
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Ich kann Ihnen nur zustimmen. 100% richtig! und anmerken: Selbstverleugnung ist früher oder später auch Selbstzerstörung.
Nach den von dieser Dame und auch allen anderen Karriere-Spezialisten hier zuvor aufgestellten - oder auch wieder nicht aufgestellten - Kriterien oder was auch immer würde Albert Einstein keinen Job als Physiker kriegen, wenn er im Rollkragenpulli zum Bewerbungsgespräch erschiene.
Vielleicht einfach mal nachdenken, Frau Hofert.
@ Kulturoptimist: Ich kann Ihren Argumenten durchaus zustimmen. Ich bin übrigens auch recht kulturoptimistisch.
Und vielleicht könnten wir uns darauf einigen, dass wir mehr Menschen brauchen, die die Werte, dass Kinder, Kranke..usw ein integraler Bestandteil unserer Gesellschaft sind, unterstützten und weniger (besser überhaupt keine) Menschen brauchen (wie diese Karriereberaterin und diesen Artikel überhaupt), die uns nur aufzeigen, wie man in einer falschen, perversen wirtschaftlichen Logik am Besten jedes Stöckchen fehlerfrei überspringt.
Diese Karriereberaterin erzieht doch mit ihrer Art von Beratung geradezu Duckmäuser, die sich dieser Logik (Kinder stören) völlig unterwerfen. Brauchen wir so etwas? Mit dieser Logik wird es immer und immer und immer soweiter gehen wie bisher.
"Als Bewerber sollte man sich aber Gedanken darüber machen, ob man wirklich bei einer Firma arbeiten will, deren Führungskräfte sich von sachfremden Erwägungen leiten lassen."
Da würde ich durchaus zustimmen. Allerdings kann man sich diesen Luxus wohl nur leisten, wenn man sich in einem Kandidatenmarkt bewirbt. Kann der Arbeitgeber mit dem Finger schnipsen und 10 Alternativen stehen bereit, wird sowas schwierig, egal bei welcher Firma man sich bewirbt.
"In der kapitalistischen Wettbewerbslogik stört alles Lebendige"
Das kommt nicht aus der "kapitalistischen Wettbewerbslogik" - die würde ja gebieten, dass möglichst viele persönliche Informationen für den potentiellen AG verfügbar wären.
Es geht darum, dass manche Informationen bewusst zurückgehalten werden sollen, damit gerade nicht die falschen Kriterien Ausschlag für die Entscheidung geben.
Exzessiv gefordert wird das eher von "linker", also nicht-kapitalistischer, Seite!!
In einer Bewerbung kommt es erst einmal auch nur darauf an, positiv aufzufallen, damit man sich persönlich vorstellen kann. Dann zählen sowieso eher persönliche Chemie und die falschen Kriterien kommen wenn gewünscht dennoch zum Tragen!
Paging