Personaler werden sich seiner Meinung nach schon bald selbst die Informationen suchen, die sie über einzelne Bewerber brauchen - im Internet. "Warum sollten sie sich auf geschönte Angaben im Lebenslauf verlassen, wenn sie wesentlich authentischere Informationen im Netz finden", sagt Rühl. Dabei vertraut er nicht allein auf soziale Netzwerke - die ja durchaus ebenfalls Falschinformationen enthalten können. "Jeder von uns wird ein elektronisches Profil haben, das er pflegen muss."
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Arbeitszeugnisse haben keinen Platz mehr
Arbeitszeugnisse werden seiner Meinung nach dort keinen Platz mehr finden. "Im Grunde spielen Arbeitszeugnisse doch jetzt schon keine Rolle mehr - negative Beurteilungen werden in schöne Worte verkleidet. Das ist absurd", sagt Rühl. An ihre Stelle rücken Referenzen. "Im Profil werden Ansprechpartner aus vorherigen Beschäftigungen genannt, die der interessierte Personaler dann kontaktieren kann." Ob alle wichtigen Informationen im Profil enthalten sind, werde vor allem an den Bewerbern liegen, die es pflegen. Ego-Marketing ist gefragt. "Ehrliche Bewerber werden von dieser Entwicklung profitieren, sie werden keine Schwierigkeiten haben, Referenzen vorzuweisen", sagt Rühl
Keine Zeit zum Schnüffeln
Die Personaler jedenfalls sollen alle wichtigen Informationen gebündelt präsentiert bekommen, nicht mehr nach vereinzelten Informationen im Netz suchen müssen, meint Rühl. Das ist den meisten bislang zu aufwendig. Eine Studie der Beratungsfirma Ifok ergab vor kurzem, dass Personalverantwortliche Social Media weit weniger nutzen, als oftmals vermutet. Meist aus Zeitgründen. 200.000 Bewerbungen gehen bei Siemens jedes Jahr ein, 45.000 davon allein im Energy-Sektor. "Da haben wir gar nicht die Zeit, Informationen zu den Bewerbern aus dem Netz zu ziehen. Falls jemand in seinen Unterlagen auf die eigene Webseite hinweist, werfen wir da aber schon mal einen Blick drauf", sagt Scharff.
Das Netz spielt auch für Siemens eine immer wichtigere Rolle beim Recruiting neuer Mitarbeiter. "Wir sind in Netzwerken wie Xing oder LinkedIn vertreten und dort auch aktiv. Zum einen können uns potentielle Bewerber im Netzwerk kontaktieren, zum anderen schreiben wir Leute an, an deren Bewerbung wir interessiert sind", sagt Scharff.
Wer sucht, der findet
Ein Trend, den Karriereberaterin Hofer auch für die Zukunft voraussagt: "Immer mehr Firmen werden bei der Suche nach geeigneten Mitarbeitern selbst aktiv werden und in Netzwerken nach geeigneten Kandidaten suchen", sagt sie.
Aber auch wenn Siemens-Recruiter Scharff das Potential von sozialen Netzwerken durchaus anerkennt, einen Ersatz für die konventionelle Bewerbung sieht er in ihnen nicht - und sorgt für Erleichterung bei all jenen, die an der traditionellen Bewerbung hängen: "Wir werden auch weiterhin Wert auf einen individuellen Lebenslauf legen."
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(sueddeutsche.de/joku)
Voreiliges Buch "Der Pott ist dahoam"
...wenn dies auch in den gewissen Étagen endlich ankäme, dass die Mitarbeiter ab einem gewissen alter sehr wertvoll sind.
Wie lange kann es sich unsere Gesselschaft denn noch leisten, Menschen über 50 auszusortieren. Welch imense Kosten da auf den jungen Arbeitnehmern lastet ist nur schwer zu erahnen.
Wir ab einem alter von 45 werden in 10 Jahren die kostbarsten Arbeitnehmer sein, weil es keine anderen geben wird, die anpacken und wissen wie der Hase läuft.
Dem Kommentar von OxnoxO kann ich nur zustimmen. Nur ein paar Anmerkung: Was der Kommentator darin beschreibt kommt bei Bewerbern über 50 Jahre in besonderem Maße zum Tragen, denn in manchen bundesdeutschen Unternehmercliquen gilt dieses bloße Altersmerkmal ganz offensichtlich als eine Art unheilbare Krankheit, von der sich auch übergeschnappte Personaler am liebsten fern halten. Sollen sie sich ihr ideologisches Kondom ruhig über ihr Hirn ziehen, irgendwann kriegt es Risse.
Als Journalist (Jahrgang 1954, inzwischen "zwangsweise" Freiberufler) habe ich es selbst oft genug erlebt, dass sogar angeblich "seriöse" Unternehmen wie etwa der Südwestrundfunk auf Bewerbungen nicht einmal mehr reagieren. Viele "Alterskollegen", so mein Eindruck, haben sich dadurch und durch sonstiges selbstherrliches Gehabe dahergelaufener Personaler ins Bockshorn jagen lassen, haben sich geschniegelt, gestriegelt und verbogen, alles umsonst. Es gibt immer welche, die ihre Schleimspur noch besser als "Karriereleiter" verkaufen können. Und ich habe den Eindruck, dass ganz besonders in meiner Branche schleimige Berufsbiographien schon lange deutlich bevorzugt werden.
Ich empfehle, gelassen, dabei kritisch und sich selbst treu zu bleiben. Das kapitalistische System braucht seine Bewerbungsideologien zur Panikmache. Es geht auch dabei nur um Macht. Was mich betrifft, kann sich jeder Personaler folgendes hinter die Ohren schreiben: Man kann von mir journalistische Qualität erwarten. Mein persönliches Profil und meine kritische Betrachtungsweise verkaufe ich dafür aber nicht.
Please exuse all typo's!!
Ein wunderbarer Kommentar - sehr treffend!!
Ich habe das "schnüffeln" schon am eigenen Leib erfahren und habe dann sofort das weite gesucht.
Das mit dem Privatleben ausschnüffeln und externe Verhaltensweisen versuchen in den Betrieb zu übertragen finde ich eh das lächerlichste.
Was geht meinen Chef/Boss/Vorgestzten mein Privatleben an, wenn ich jeden Tag da bin, immer Pünktlich, sehr Gewissenhaft arbeite und dem Betrieb/Unternehmen als 100% Arbeitskraft und Einsatz zur Verfügung stelle? Richtig - GAR NICHTS!!
Deshalb kann man in Deutschland auch auf keine Betriebsfeier gehen - das ist wie auf heissen Kohlen laufen - man verbrennt sich ohnehin - die Frage ist nur - wie stark.
Und auch ein anderer Kommentar war sehr treffend, der auf unseren Bildungsstandard in Deutschland einging - Abi ein muss um Fliesenleger zur lernen, etc. Wenn jeder Abi hat, isses nix Wert. Was ist dann aber mit denjenigen, die Handwerkliche Arbeit vorziehen - man braucht kein Abi um Maurer, Bäcker, etc. zu lernen. Das soll diese Berufsgruppen nicht abwerten, nein - ganz im Gegenteil - das sind unsere Leistungsträger!!!!
In meiner Familie wusste einer schon als Teenager, dass Er Mahler werden möchte - der hat gerade mal einen mittelmäßigen Hauptschulabschluss hingelegt - ist aber nach 25 Jahren immernoch in seinem Mahlerberuf und ist wohl einer der Besten seines Faches!! Und das alles ohne Abi...
"Im Anbetracht der finanziellen Situation gerade Großbritanniens und den USA hat die Fixierung auf vorgeblich angelsächsische Verfahrens / und Vorgehensweisen etwas unglaublich Ironisches an sich."
Jetzt erläutern Sie mir bitte den Zusammenhang zwischen diesem Artikel und der Finanzkrise.
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