Kreativ soll er sein, aber bitte trotzdem im Rahmen bleiben: Was Personalchefs vom Nachwuchs erwarten.
Prädikatsexamen, Auslandsaufenthalte, Praktika - das gehört zum Standardprofil heutiger Hochschulabsolventen. Sie wissen, was sie wollen. Und dass sie von der Wirtschaft heftig umworben werden. Denn der demographische Wandel schlägt auch in den Unternehmen zu: Kandidaten, die das Zeug zum Top-Manager haben, werden knapp.
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Trotzdem halte sie nichts davon, jeden Bewerber mit einigermaßen passenden Qualifikationen zu nehmen, sagt Katharina Heuer. Die Leiterin Management- und Mitarbeiterqualifizierung der Deutschen Bahn spricht damit für viele Kollegen auch aus anderen Branchen. Ob Logistikkonzern oder Verlag, ob Markenartikler oder Finanzdienstleister: Alle suchen nach Wegen, um erfolgreich im Goldfischteich zu fischen. "Dabei geht es uns weniger um High als um Right Potentials", sagt Talent-Managerin Nikolina Kopping von Unilever.
Bis zu 5000 Bewerbungen pro Jahr sichtet das Unternehmen allein im deutschsprachigen Raum. Die meisten kämen online und seien erfrischend kreativ, so Kopping. Sie habe schon Adaptionen von Werbekampagnen des Unternehmens auf den Bildschirm bekommen. Für sie und ihr Team ein erstes Zeichen, dass der Bewerber passen könnte.
Begrüßungsfloskeln statt fließendes Spanisch
Kreativ gern, aber vor allem handhabbar - lautet das Credo der meisten Personaler. Für den ersten Eindruck reicht die schlichte Papierform. Doch Papier ist geduldig. Da kann manches aufgeschrieben werden, was eher Wunsch als wirkliche Qualifikation des Bewerbers darstellt. "Erschreckenderweise stimmt vieles nicht, was in den Lebensläufen steht", sagt Mario Vaupel vom Versicherungskonzern Ergo. Auslandsaufenthalte entpuppen sich als verlängerte Urlaube, das angeblich fließende Spanisch beschränkt sich auf Begrüßungsfloskeln. "Deshalb führen wir intensive Interviews, auch in den von den Bewerbern angegebenen Sprachen", so Vaupel. Immerhin handele es sich bei unrichtigen Angaben in der Vita um eine Art Fälschung. "Keine Empfehlung für Leute, die bei einem Versicherer arbeiten wollen."
Gleichwohl sieht er die Not der Bewerber, in der Fülle der Konkurrenten positiv aufzufallen. Denn auch wenn die Zahl der potentiellen Nachwuchsführungskräfte zurückgeht: Der Wettbewerb um Spitzenpositionen wird härter. Mit Bestnoten im Examen allein kann heute keiner mehr punkten. Auch nicht mit Auslandsaufenthalten. "Natürlich sind Auslandsaufenthalte in unserer globalisierten Welt sehr wichtig. Da die aber in die meisten Studiengängen integriert sind, stellen sie kein Alleinstellungsmerkmal mehr dar", sagt Heuer.
Das Gegenteil von stromlinienförmig
Die Persönlichkeit des Kandidaten ist mindestens so wichtig wie Noten, Fächer und formale Qualifikationen. Kann der Kandidat den eigenen Standpunkt reflektieren? Weist sein bisheriger Lebensweg darauf hin, dass er zielorientiert vorgeht? Ist er weltgewandt, netzwerkorientiert, risikobereit? Vor allem: Hat er Dinge in und neben seinem Studium aus Überzeugung getan oder nur, weil sie opportun schienen? Authentisch solle der Kandidat sein, sagt Heuer und meint damit das Gegenteil von stromlinienförmig und angepasst.
Umgekehrt prüfen die Kandidaten, leistungsbereit und im Bewusstsein der eigenen Qualifikation, ob ein Unternehmen ihnen die notwendigen Voraussetzungen für ihre Karriere bietet. "Können wir das nicht, ziehen sie weiter", so Vaupel. Es sei eben ein Nachfrage-Markt, sagt Heuer. Durchaus auch zum Nutzen der Unternehmen.
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(SZ Uni & Job/bön)
Moderne Verwaltung
Das kann ich nur bestätigen. Ich mache seit 8 Jahren einen Job bei einer Firma, obwohl ich diesen nicht gelernt habe und kein Studium in diese Richtung vorweisen kann. Da ich nicht mehr so viel unterwegs sein wollte, habe ich mich anderweitig umgesehen und Bewerbungen rausgeschickt für Jobs, die das gleiche Thema abdecken, aber nicht mit Reisetätigkeit verbunden sind. Es kamen nur Absagen! Ohne Vorstellungsgespräch!
Bei ehemaligen Kunden des Unternehmens aber sah die Sache anders aus, da die wussten was ich kann, hatte ich ratz fatz 3 Angebote, als ich mich als "wechselwillig" geoutet hatte. Und nachdem der Wechsel feststand und ich es auch anderen Kunden erzählte, bedauerten die dass ich nicht auch bei ihnen nachgefragt habe.
Diese Fixierung auf das Studium ist in meinen Augen völliger Unfug! Für viele Jobs wo das drin steht wäre ein Studium überhaupt nicht nötig. Daher rührt auch ein großer Teil unseres angeblichen Fachkräftemangels... In vielen Bereichen mag es diesen geben, das kann ich nicht beurteilen, aber bei manchen liegt es einfach daran, dass man einem Nicht-Studierten scheinbar nicht zutraut sich einen Beruf ebensogut aneignen zu können.
daß der Artikel wieder nur auf "studierte" angehende Führungskräfte eingeht..
Viel interessanter wäre mal zu lesen gewesen was sich "Recruter" im Personalbereich von einem nicht studierten aber aufgrund Praxis und Weiterbildungsmaßnahmen auf gleichem Niveau erwarten..
Wahrscheinlich erwartet man diese Riege nicht. Denn sonst könnte ich die neuesten Absagen auf meine Bewerbungen nicht verstehen (Sinngemäß: "Eine Stelle die Ihren Qualifikationen entspricht haben wir in unserem Hause nicht zu besetzen, deswegen wünschen wir Ihnen viel Erfolg auf Ihrem weiteren Lebensweg.")
Von Lügerei hüben wie drüben ist von Haus auszugehen.. (Marktgeschrei aller orten..)
... denn manches Unternehmen, dass sich als weltoffen, aufgeschlossen anpreist und kreative, teamorientierte Mitarbeiter sucht, entpuppt sich als steife Quasi-Behörde, die immer noch in den Verkrustungen des letzten Jahrhunderts steckt. Und manche erwarten bei kreativen Köpfen jemanden, der einen Clown gefrühstückt hat - und keinen Querdenker, der reflektiert und nachdenkt, um eine Lösung zu finden... Manche Personaler mit ihrem Kreuzchen-Zetteln, entscheiden letztlich nicht nach Qualifikation und Potenzial, sondern wie Lieschen Müller in der Wäscherei Müller danach, ob sie mit dem Bewerber eventuell privat könnten...
....... einen Artikel über darüber, was die, die sich vorstellen, von ihren künftigen Chefs erwarten. Die haben nähmlich auch Rechte.
Ein Unternehmen hat ein Problem: offene Stellen, also Arbeit, die nicht erledigt wird oder durch Mehrarbeit von anderen erledigt werden muss.
Und aus diesem Grund stellen sie Leute ein, also Menschen, die das Problem lösen sollen ud das zum Teil ja auch können. Somit sind doch die Arbeitgeber genauso Bewerber, ein Vorstellungsgespräch ist doch immer ein Vorstellungsgespräch für beide Seiten - oder habe ich da was falsch verstanden. Leider gibt es über diese VFariante so gut wie nie etwas zu lesen.