Bewerbung "Erzählen Sie mal was über sich"

Über Small-Talk und Killer-Fragen in Vorstellungsgesprächen.

Bewerbungsgespräche fangen mit Smalltalk an und wenn es schlecht läuft, enden sie auch schon damit. "Wie geht es Ihnen? Haben Sie uns gleich gefunden?" Wer glaubt, frei von der Leber weg reden zu dürfen und sich über das Wetter oder den Verkehr beschwert, hat schon verloren.

"Es gibt im Bewerbungsgespräch keine Zufälle, jedes Wort wird genau geprüft", so der Karriere-Berater und Autor Horst H. Siewert aus Reutlingen. Nach der Aufwärmphase folgen meist Fragen zur Person nach dem Motto: "Erzählen Sie mal was über sich." Für Siewert ist das die Killer-Frage Nummer eins, weil die Kandidaten in wenigen Sätzen auf die avisierte Stelle bezogene Fähigkeiten und den Nutzen für den neuen Arbeitgeber darlegen müssen. "Wer sich da offen und ehrlich gibt, punktet nicht unbedingt bei den Arbeitgebern", warnt auch die Rechtsanwältin Verena S. Rottmann aus Hamburg.

Die Ratgeberautorin beobachtet bei den Personalchefs einen Trend zu kritischen Fragen: "Die Arbeitgeber wollen so viel wie möglich wissen. Sie müssen sparen und suchen nach möglichst belastbaren Arbeitnehmern." Dabei wird auch schon mal provokant oder unzulässig gefragt, etwa nach dem Gesundheitszustand, der Familienplanung, privaten Interessen oder finanziellen Verhältnissen. Juristisch gesehen hat hier der Kandidat grundsätzlich das Recht, die Aussage zu verweigern. Praktisch würde er sich damit die Chance auf eine Einstellung selbst verbauen. "Bei juristisch unzulässigen Fragen gibt es ein Recht zur Lüge", betont Arbeitsrechtlerin Rottmann.

Schummeln oder nicht?

"Dunkle Punkte" im Lebenslauf sollten im Gespräch ruhig kaschiert und Fehlzeiten gegebenenfalls mit Alibifunktionen, wie einer fingierten Selbstständigkeit, gefüllt werden, rät die Expertin: "Vorausgesetzt, das passt mit der Ausbildung zusammen und ist wasserdicht." Beispielsweise wenn ein Webdesigner, der nebenbei für Bekannte Homepages erstellt, dies als Freiberuflichkeit verkauft.

Für die Bewerbungstrainerin Martina Keller in Hamburg ist die Lüge dagegen ein gefährlicher Weg zum Job. "Wenn das Selbstgefühl künstlich aufgeblasen wird, ist das wie mit einem Luftballon. Wenn jemand mit der Nadel kommt, bleibt nicht viel davon übrig." Bewerber sollten aber die Kraft haben, zu sich zu stehen und das mit Witz und Überraschungsmomenten rüberzubringen. Dafür sei das Vorstellungsgespräch eine gute Basis. Denn die größte Hürde, die Auswahl aus Hunderten von Bewerbern, habe der Kandidat ja schon erfolgreich genommen.

Der Stress-Test

"Ich mache doch nicht mehr Bewerbungsgespräche, nur weil es mehr Bewerber gibt", sagt die Personalberaterin Elisabeth Strack aus Hamburg, die im Auftrag von kleinen oder mittelständischen Betrieben im Monat zwischen 15 und 30 Gesprächen führt. Dazu benötigt sie keine fiesen Fragen: "Eine angenehme, wohlwollende Gesprächsatmosphäre führt zu mehr Information auf beiden Seiten." Natürlich wolle sie wissen, in welchem sozialen Umfeld der Kandidat lebt. Wenn die Ehefrau eine Stelle in Singapur hat und der Bewerber über kurz oder lang folgen will, sei das eine brisante Information die gegen ihn spricht.

Personaler wissen, dass sich in Krisenzeiten auch Kandidaten aus Mangel an Alternativen bewerben. Deshalb versuchen sie im Vorstellungsgespräch die Spreu vom Weizen zu trennen: "Die Ernsthaftigkeit der Bewerbung untersuche ich ganz genau. Vielleicht noch genauer als vor ein paar Jahren", so Elisabeth Strack. Daher fragt sie nach der Motivation, den Erfahrungen und mittelfristigen Zielen der Bewerber. Direkt oder auf Umwegen, in jedem Fall hartnäckig.

Stress-Tests baut sie nur ein, wenn der Job es erfordert: "Wer in die Kundenberatung will, muss mit Stress umgehen können." In einem kleinen Rollenspiel zeigen dann die Kandidaten, wie sie mit kritischen Kunden umgehen.

Die beste Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch ist die intensive Beschäftigung mit den eigenen Zielen, Stärken und Schwächen - aber es sollten schon die eigenen sein. "Nennen Sie bloß nicht die Ungeduld, nur weil sie in vielen Bewerbungsratgebern als positive Schwäche gilt." Bewerber sollten ganz ohne standardisierte Vorbereitung das Gespräch selbstbewusst und gelassen antreten, empfiehlt Elisabeth Strack: "Wer es für einen Kampf hält, kann nicht gewinnen. Weder als Bewerber noch als Arbeitgeber."

(sueddeutsche.de/dpa)