Von Lisa Seelig

Ein Anschreiben soll eigentlich Neugier auf den Kandidaten machen. Doch viele Briefe wirken hölzern, verlogen und mindestens 20 Jahre älter als ihre Verfasser.

Meine Freundin B. versuchte es mit einer zumindest halbwegs plausibel klingenden Ausrede: Ihre alten Bewerbungsunterlagen? Puh, wirklich sorry, die hätten den Festplattencrash vor einem Jahr nicht überlebt. Fast alle Freunde und Bekannte, die ich fragte, ob sie ein altes Anschreiben rausrücken würden, um es von einem Personalverantwortlichen sezieren zu lassen, hielten das Konzept der Datensicherung offenbar für überschätzt.

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Bewerbungsbriefe lassen die meisten so ungern von anderen lesen wie ihr Tagebuch. Weil es peinlich ist, Menschen, die uns sehr gut kennen, eine neue Seite von sich zu offenbaren: Die Marktschreier-Seite, die auch Schüchterne dazu bringt, sich auf dem Papier in den Himmel zu loben und dabei so gestelzt zu klingen, als würde man hauptberuflich Verwaltungsbescheide im Landratsamt ausstellen.

Schlichte Hauptsätze, keine aufgeblasenen Adjektive

Ein paar Mails ("wenn es unbedingt sein muss") bekam ich dann aber doch. Mit der Erlaubnis, sie ihm vorzulesen: Jannis Tsalikis, 35, ist Personalreferent bei der Werbeagentur Scholz & Friends in Berlin. Für manche Ausbildungsplätze erhält er bis zu 100 Bewerbungen. Macht 100 Anschreiben.

Er will zuallererst etwas klarstellen: "Gerade bei Berufsanfängern und Leuten, die sich um einen Ausbildungsplatz bewerben, sind erst mal ganz grundsätzliche Dinge wichtig, die wirklich jeder hinkriegt: eine saubere Mappe, keine Rechtschreibfehler."

Das Anschreiben sollte aus einer Einleitung, einem Mittelteil und einem Schluss bestehen, einigermaßen logisch strukturiert sein, die Sätze nicht zu lang und nicht verschachtelt. Schlichte Hauptsätze, keine aufgeblasenen Adjektive wie "bereichernd" und "begeisterungsfähig".

Wer sich bei mehreren Firmen um die gleiche Ausbildung oder auf ähnliche Ausschreibungen bewirbt, dem leuchtet erst mal nicht ein, warum er sich jedes Mal neu verkaufen sollte. Personalverantwortliche haben aber leider einen sehr guten Riecher für Fließbandarbeit. Und die langweilt sie schmerzhaft.

Lediglich Bausteine wie die Begrüßung, die Einleitung oder die Verabschiedung können gleich bleiben. "Auch die Passage, in der man sich selbst und bisherige Projekte anpreist, kann im Prinzip übernommen werden - gerade bei jungen Bewerbern, die hier sowieso noch kein riesiges Potpourri haben", sagt Tsalikis.

Auf der nächsten Seite: Woran Personaler merken, dass Anschreiben Massenware sind.

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