Jahrelang wanderten ostdeutsche Jugendliche auf der Suche nach Arbeit ab - jetzt sucht die Wirtschaft verzweifelt nach Nachwuchs. Den findet sie oft nur noch im Ausland.
Der volle Waschkorb stand vor dem Büro von Thilo Naumann. Jeden Tag kamen neue Umschläge mit Bewerbungen für Lehrstellen im Promenadenhotel Admiral in Bansin auf Usedom. Gut 250 waren es damals, vor acht Jahren, und als Naumann dreißig von ihnen in das traditionsreiche Vier-Sterne-Hotel zum Bewerbungsgespräch einlud, da kamen fast alle.
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Keine jungen Leute in Sicht: Es fehlt der Nachwuchs auf Usedom. (© Foto: dpa)
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Zwölf Stellen, sechs Bewerber
In diesem Jahr sucht der Hotelier wieder Nachwuchs für seine Häuser, zwölf Stellen hätte er zu besetzen. Es geht um die Ausbildung zum Koch, zum Hotelfachmann, zum Gehilfen im Gastgewerbe. Auf zwölf Stellen haben sich aber nur sechs junge Leute beworben. "Wir haben sie eingeladen", erzählt er. "Gekommen sind zwei. Keiner der anderen hat abgesagt."
Naumanns Haus ist eine attraktive Adresse. Er erzählt voller Leidenschaft vom Nachwuchs, der bei ihm gelernt hat und den er jetzt in großen Hotels in Berlin und anderswo weiß. "Das ist ein Job mit lebenslanger Beschäftigungsgarantie, du kannst mit dreißig Hoteldirektor werden." Er hat viel versucht, sogar die Lehrlingsgehälter erhöht. Aber das änderte nichts. Sein Problem ist von sehr grundsätzlicher Natur, weshalb er es mit vielen, zum Teil verzweifelten Kollegen in Ostdeutschland teilt.
Nicht genug Nachwuchs
Nicht nur für Hotels, sondern in fast allen Branchen gibt es einfach nicht genug Nachwuchs. In diesem Jahr fehlen allein in Mecklenburg-Vorpommern 2400 Lehrlinge. "Der Nachwuchsmangel", sorgt sich Wirtschaftsminister Jürgen Seidel, "ist eine Gefahr für unsere Wirtschaftskraft."
Zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer wird die Wirtschaft im Osten von einem Mangel bedroht, vor dem Demoskopen und hellsichtige Politiker schon vor Jahren gewarnt haben, ohne immer richtig ernst genommen zu werden. Denn lange galt der Osten als trostlose Heimat der Arbeits- und Perspektivlosen. Noch vor wenigen Jahren mussten fast ganze Generationen ihre Heimat verlassen, um in München oder Hamburg oder Düsseldorf zu lernen. Da erschienen warnende Prognosen des Arbeitsmarkts wie eine Science-Fiction, obwohl sie auf einer verlässlichen Grundlage basierten: Mit dem Zusammenbruch der DDR brach die Geburtenrate drastisch ein und erreichte nie wieder das alte Niveau.
Wie Science Fiction
Niemand kann also überrascht sein. Wie unter einem Brennglas zeigen sich die Probleme in Mecklenburg-Vorpommern: Dort war vor der Wende die Bevölkerung besonders jung, jetzt schlagen sich Geburtenknick und die massive Abwanderung der letzten Jahre deutlich nieder. Gerade die aufstrebenden Wirtschaftszweige spüren, dass die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter eindrucksvoll sinkt. "Wahrgenommen hat man die Prognosen auch früher schon", sagt der Wirtschaftsminister. "Aber es ist doch so: Erst wenn ein Problem wirklich drückt und wehtut, wird auch reagiert. Und das passiert jetzt, wo es so weit ist."
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nein, kein Aprilscherz!
@Nerissa:
Sie haben das falsch verstanden: Der "freie Markt" erklärt uns nur das Gürtel-enger-schnallen für das Arbeitsvieh - wenn Arbeitskraft fehlt liegt das an menschlichen Defiziten das an faulen, ungebildeten und unflexiblen Menschen.
Zum Glück habe ich beide Fälle in meiner eigenen Famiele - oder auch zum Unglück - wie man es sehen will. Ein Arbeitsloser, der nach 15 Jahren Arbeitslosigkeit einen Job findet dem kann man kein schöneres geschenk machen, als ihm zu sagen - hoffentlich klappt alles so, wie Du es Dir erarbeitet hast.
Das die Arbeitslosen nicht arbeiten wollen liegt nicht an ihnen selber - wie hier schon x fach gesagt - es fehlen die Anreize.
Bei denen die WOLLEN und nichts finden - seien Sie ehrlich - diese Menschen haben mindestens ein Handicap, was sie daran hindert das zu finden, was sie wirklich wollen - entweder sie sind an den Ort gebunden in dem sie leben (weil in der Mobilität eingeschränkt oder ein Pflegefall in der Familie) oder - weitere Gründe kann jeder der will hinzufügen.
"dann motivieren Sie mal einen Arbeitslosen, von seiner Couch auf zu stehen und dort arbeiten zu gehen... " - sie fallen aber auch auf jeden Spruch der Mövenpickpartei rein, oder?
Ich habe persönlich einmal einen Arbeitslosen getroffen, der nicht WOLLTE. Ich kannte einige Arbeitslose die sich persönlich angestrengt haben, um wieder einen Job zu finden. Und die meisten Erfolgreichen von denen waren privat erfolgreicher als das Amt.
Und dann gibt es die die WOLLEN, aber eben nichts finden, ausser für 1 Euro im Stadtpark Blumen giessen.
Dieses vergiftende FDP Gesülze über "die" Arbeitslosen die nicht arbeiten wollen, nachzuplappern ist nicht zielführend.
Nein, nein. In einem solchen Falle funktioniert der Markt eben nicht mehr. Es würde dem Stakeholdervalue schaden, würden die Arbeitgeber mehr zahlen. Da muss der Staat eingreifen und zur totalen Entfesselung des 2.ten teutschen Wirtschaftswunders dafür sorgen, dass aus anderen Regionen dieser Welt Arbeitnehmer für diese Hungerlöhne schuften.
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